Der Neue Merker

ZÜRICH/ Free Opera Company: DON GIOVANNI von Giovanni Pacini

Zürich: Free Opera Company: “DON GIOVANNI” (Giovanni Pacini) – 3.3.2013

Der Komtur kommt aus dem ewigen Eis der Bergwelt

 Giovanni Pacini (1796-1867) hat unter 80 Opern auch eine für den sog. „Hausgebrauch“ geschrieben, und zwar in Anlehnung an Lorenzo da Ponte, der ja bekannterweise das Libretto für Mozarts „Don Giovanni“ verfasst hat. Es war Pacini sehr wohl bewusst, dass er mit seiner 1832 komponierten Oper nicht zu Mozart in Konkurrenz treten konnte, legte aber hier ein Alternativ-Werk vor, welches sich lohnt, es kennen zu lernen. Für kleines Orchester, nur mit Flöte und Piccolo in den Bläsern, bleibt es ganz im Rahmen des Intimen, einer Kammeroper. So passte es ausgezeichnet in das kleine Theater Rigiblick in Zürich, wo sonst Größen wie Eva Mattes und andere ihre Gastspiele geben.

Nun also Pacinis Werk, das im 2. Akt erst recht aufblüht und wahre Juwelen eines vergessenen Opernrepertoires aus der Versenkung holt. Zuvor hatte schon das Finale des 1. Aktes mit seiner plötzlich ins Dämonische kippenden Ballszene (Choreografie: Pilar Nevado) überrascht. Das Quintett im 2. Akt ist überwältigend schön und klingt lange nach. Die Free Opera Company, hervorgegangen aus der PocketOpera, ge-managed vom rührigen Dr. Bruno Rauch, arbeitet mit Sängerinnen und Sängern der freien Szene.


Ulla Westvik als Zerlina mit ihren Barkeepern! Foto: Free Opera

Interessant, dass unter dieser Sängerschar, die ein erstaunlich gutes Niveau aufweist, sich nur wenige Sänger schweizerischer Nationalität befinden. Einer davon sang den Helden Don Giovanni, der hier einen extrem hoch gelagerten Tenor verlangt. Pascal Marti meisterte das gesanglich beachtlich, wenn auch die Anstrengung unüberhörbar war. Sein Leporello, hier witzigerweise Ficcanaso (derjenige, der seine Nase in Alles steckt) genannt, wurde von Jonathan Sells sowohl darstellerisch als auch gesanglich höchst professionell gegeben. Ihm möchte man gerne auch als Leporello begegnen! Donna Anna ist hier nur quasi eine Nebenfigur und wird von der Mezzosopranistin Julie Caffier mit apartem Timbre und in schöner Phrasierung interpretiert. Als ihr Partner Don Ottavio ist der junge Erlend Tvinnereim zu hören, der mit seinem sehr schön timbrierten lyrischen Tenor leider nicht allzu viel zu singen hatte. Schade, auch ihn möchte man als Mozarts Ottavio hören! Vorzüglich war die Zerlina besetzt, die hier nicht nur das koketteBauernmädchen, sondern auch Züge der Elvira, die in dieser Oper nicht auftritt, in sich vereinigt. Der jungen Norwegerin Ulla Westvik gebührt hier sicher die Palme. Von ihrem ersten Auftritt an nahm sie mit einer umwerfenden Ausstrahlung, einer äußerst beredten Körpersprache und einer Sopranstimme gefangen, die nicht nur die Koloraturen und die Höhen höchst professionell meistert, sondern auch die lyrischen Stellen berückend schön singt. Die Duett-Szenen mit Ficcanaso und ihrem Masetto, dem begabten jungen Bariton Philippe Meyer, gelangen denn auch hervorragend. Als Komtur fungiert der erstaunlich stimmgewaltige Milan Siljanov. Köstlich waren die drei Barkeeper – die Regisseurin Gisela Nyfeler lässt die Oper in einem Ski-Kurort, Ausstattung (Marianna Helen Meyer) und Kostüme (Claudia Binder) waren entsprechend – mit Tamas Bertalan Henter, Viktor Majzik und Philipp Scherer exzellent besetzt.

Als „Zuckerl“ gab es am Schluss noch Mozarts Schluss-Sextett, da Pacinis Werk mit der Höllenfahrt endet, nachdem der Komtur aus dem ewigen Eis der Bergwelt den „Ribaldo“ heimgeholt hatte. Sehr gut war das Orchester, die Chambers AArtists – CHAARTS mit dem aufmerksamen Dirigenten Emmanuel Siffert. – Erstaunlich, was so eine freischaffende Operntruppe leistet, und dazu noch auf diesem professionellen Niveau, das keinen Vergleich zu scheuen braucht. Bravi a tutti!

John H. Mueller

Weitere Aufführungsdaten: 4., 8., 9., 18. März jeweils 20 Uhr, 10. März 17 Uhr Theater Rigiblick Zürich

 

 

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