Der Neue Merker

ZÜRICH/ Schauspielhaus: RENAUD CAPUCON mit Schumann – die Tücken der Akustik

Zürich: Renaud Capuçon mit Schumann– Schauspielhaus, 26.3.2017

Die Tücken der Akustik

Renaud Capuçon_(c) Simon Fowler
Renaud Capucon. Copyright: Simon Fowler

Da Zürichs unvergleichlicher Konzertsaal, die Tonhalle, in der viele CD-Aufnahmen entstanden sind, einer gründlichen und voraussichtlich dreijährigen Renovation unterzogen wird, müssen für die Veranstalter neue Konzertmöglichkeiten gesucht werden. Für das Zürcher Kammerorchester (ZKO) drängt sich aufgrund des kleinen Ensembles das stimmungsvolle Schauspielhaus am Pfauen auf. Allerdings verfügt diese Bühne über eine äusserst trockene Akustik, der man mit einer eigens aufgebauten Konzertmuschel Abhilfe zu schaffen gedenkt. Doch die Akustik hat trotzdem ihre Tücken und das ZKO präsentierte sich nun gegebener Massen nicht in der von ihm gewohnten Form. Zwar war das hübsche Divertimento D-Dur V 136 des jungen Mozart mit Schwung musiziert worden. Doch störte eine Basslastigkeit der tiefen Streicher Celli und Kontrabässe die Klang-Balance des Ensembles.

Mittelpunkt des Konzertes war aber Schumanns Cello-Konzert, das der Komponist selbst für den Violinvirtuosen Joseph Joachim adaptiert hat und das in dieser Fassung von Renaud Capuçon souverän und ausdrucksvoll gemeistert wurde. In der Tiefe hat sein Geigenton einen Bratschenklang, der jedoch nicht „wabert“. In den oberen Lagen bleibt der Klang kontrolliert, klangschön und mit angemessenem Vibrato versehen. Seine Phrasierung ist nicht manieriert und sein Spiel überzeugt durch unmittelbaren Ausdruck und nicht mit übermässigem Sentiment. – Schade jedoch, dass das Werk – aus welchen Gründen auch immer – nur mit der Streicherformation des ZKO gespielt wurde, wobei die Partien der Bläser etc. von den Streichern übernommen wurden. Das verleiht dem Werk eine merkwürdige Sprödigkeit, zumal es ja nicht unbekannt ist, dass Schumann selbst mitunter Probleme mit der Instrumentierung hatte – so meinte man lange. (Sir Roger Norrington hat uns aber mit seiner Interpretation der Schumann-Sinfonien eines Besseren belehrt.) So nun also erklang an diesem Konzert das adaptierte Cellokonzert, amputiert um die Farben der Bläser etc., wie ein Skelett ohne die romantische Entrücktheit, die doch Schumanns Werke so originell macht. Ausserdem spielte das ZKO in den Stimmen wenig ausbalanciert und oftmals etwas zu grob und mitunter auch zu laut. Die wenigen Einsätze, die Capuçon gab, machten die Sache auch nicht besser. Es schien auch, dass sich die einzelnen Mitglieder des ZKO in dieser tückischen Akustik nicht hören können. Hier hätte nun wirklich ein Dirigent die notwendige Balance schaffen können.

Zum Abschluss wurde Tschaikowskys Serenade für Streichorchester C-Dur op. 48 dargeboten, wobei das ZKO mit vollem Vibrato auch noch das Letzte an Sentimentalität aus dem Werk herauskitzelte, sodass es nahezu zum Salonstück geriet. Allerdings war hier das Zusammenspiel des ZKO ausgewogener als beim Schumann-Opus. Es war, als hätte das ZKO sich im Laufe des Abends mehr oder weniger mit der Akustik des Hauses vertraut gemacht.

Als schöne kollegiale Geste spielte Renaud Capuçon nicht nur sein Geigensolo im Schumann-Konzert, sondern übernahm auch jeweils die erste Geige beim Mozart-Divertimento und bei der Tschaikowsky-Streicher-Serenade.

John H. Mueller

 

 

 

 

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