Der Neue Merker

ZÜRICH/ Opernhaus: DAS LAND DES LÄCHELNS mit Beczala unter Luisi

Zürich: Opernhaus – „Das Land des Lächelns“ – Fabio Luisi, Leitung    –  Letzte Vorstellung (dieser Spielzeit?) 13.07.17

 Im Programmheft bezeichnet sich Intendant und Regisseur Andreas Homoki als „grossen Freund von guter Unterhaltung“. Gute Unterhaltung kann aber durchaus einen Touch von Tiefgang haben. Und so legt der Regisseur Lehars „tragische“ Operette als Revue der auslaufenden 1920er Jahre an, die Bühne von Wolfgang Gussmann, welcher zusammen mit Susana Mendoza auch für die wunderschönen Kostüme verantwortlich zeichnet, erinnert dabei wohl an das Metropol-Theater in Berlin, wo Lehars Meisterwerk seine Uraufführung erlebte. Des weiteren streicht Andreas Homoki die gesprochenen Zwischentexte sowie nicht relevante Nebenfiguren weitgehend und bewirkt dadurch, dass sein „Land des Lächelns“ nicht zur oberflächlichen Schlagerrevue verkommt, sondern sich stark an Puccinis „chinesischen“ Opern anlehnt. Auch das wird wohl kaum ein Zufall sein, hat doch Meister Lehar den grossen Veristen sehr verehrt und auch persönlich gekannt. Die gestrichenen Texte werden einerseits durch die Musik, andrerseits durch Homokis gekonnte Personenführung wett gemacht. Der Regisseur macht durch die Bildsprache der Stumm- und der Tonfilme der 30er-Jahre, deren musikalische Soundtracks in dieser Operette durchaus spürbar sind, die Handlung nachvollziehbar. Dem Himmel sei es getrommelt, dass Andreas Homoki die Operette eine Operette sein lässt und der Versuchung der verhunzenden Aktualisierung nicht erliegt. Es gelingt eine schwungvolle Operettenrevue mit kabarettistischen Elementen, in welchen auf die gesellschaftskritischen Inhalte hingewiesen werden – so ganz im Stil der damaligen Zeit.

Bei der Ouvertüre kommen Befürchtungen auf, welche sich jedoch sehr schnell wieder zerschlagen: Dirigent Fabio Luisi eröffnet zusammen mit der Philharmonia Zürich sehr laut und macht gerade in der ersten Szene dem Chor der Oper Zürich das Leben nicht gerade leicht. Sehr schnell jedoch finden Dirigent und Orchester zum differenzierten, gut phrasierten und sängergerechte Musizieren. Startenor Piotr Beczala gibt in Zürich als Prinz Sou-Chong sein szenisches Rollendebüt. Und was für eines! Der grossartige Tenor lebt die Rolle, singt mit Leidenschaft,  authentisch und verzichtet dabei auf jegliche (musikalische) Eitelkeiten. Mit dieser ehrlichen Leistung reisst er das Publikum zu mehreren Applausstürmen hin. Julia Kleiter gibt eine selbstbewusste Lisa. Zuweilen geraten ihr die hohen Passagen etwas zu scharf; in den Szenen mit Piotr Beczala ist sie jedoch bezaubernd. Entzückend ist Rebeca Olvera, welche mit Prinzessin Mi ein durch und durch gelungenes Rollendebüt liefert. Spencer Lang zeigt als Gustl, dass die Musikwelt mit ihm rechnen darf! Er verleiht der Bufforolle mit grossem komödiantischen Geschick musikalischen Glanz. Cheyene Davidson und Martin Zysset gefallen als Tschang bzw. Obereunuch.

Das Zürcher „Land des Lächelns“ ist ein wunderbarer Ausflug in die Zeit der Uraufführung des Werks und zeigt, wie es damals am Metropol-Theater gewesen sein könnte. Andreas Homoki arbeitet in seiner stilvollen Inszenierung mit grösster Sorgfalt alles hinein, was für diese Operette von Bedeutung ist. Bei der Umsetzung darf er sich auf tolle Künstlerinnen und Künstler verlassen, welche mit grosser Sanges- und Spielfreude bei der Sache sind. Nicht zuletzt dank solcher Aufführungen bleibt Lehars Meisterwerk ein strahlender Stern am Musiktheaterhimmel.

Michael Hug

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