Der Neue Merker

ZÜRICH/ Operettenbühne Hombrechtikon: DER ZIGEUNERBARON

Operettenbühne Hombrechtikon/Zürich: DER ZIGEUNERBARON  

Premiere 9.9.2017, besuchte Aufführung 15.9.2017  

Alles auf Ehr‘ – Respekt: Was eine kleine Bühne so alles zustande bringt!   

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Der Dompfaff hat sie getraut: Manuel König (Barinkay)und Cecilia Berglund (Saffi), dahinter stehend Rea Claudia Kost (Czipra). Copyright: Beat Pfändler

Die Operettenbühne Hombrechtikon, ein paar Kilometer von Zürich entfernt, spielt nun seit mehr als 20 Jahren Werke des sogenannten leichteren Genres, wobei man sich dessen bewusst ist, dass ja gerade das sogenannte Leichte das Schwere ist. Um es gleich vorwegzunehmen, der Operettenbühne ist auch diesmal ein Meisterstreich gelungen. Und das noch bei einer der schwierigeren Operetten, nämlich Strauss‘ „Zigeunerbaron“.

Der Regisseur Simon Burkhalter, der auch für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet, hat einen Regieansatz gefunden, der für eine „ländliche Bühne“ adäquat ist. Das will heissen, nicht das Werk im Sinn des sogenannten Regietheaters „neu zu sehen“ und zu verdrehen, sondern es mit den heutigen Mitteln Eins zu Eins auf die Bühne zu bringen. In einer Holzkonstruktion, die zweistöckig ist und daher eine Spielfläche auf zwei Ebenen ermöglicht, aber doch nicht zu schwerfällig wirkt, entwickelt der Regisseur die Handlung ganz linear. Die hübschen Kostüme (Monika Schmoll) kleiden die Solisten und den agil agierenden Chor gut. Überhaupt muss hier dem Chor ein ganz spezielles Kränzchen gewunden werden: So gesanglich und musikalisch akkurat und mit viel Spielfreude erlebt man selten einen professionellen Chor, auch wenn es ab und zu eine kleine Unsicherheit gibt, die aber überhaupt nicht ins Gewicht fällt.

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Das Werbelied: Wolf H. Latzel (Homonay) mit Luca Valentin Bernard (Ottakar) und Ensemble. Copyright: Beat Pfändler

 

Für das gute Gelingen im Zusammenspiel mit dem mit 22 Musikerinnen und Musikern besetzten Orchesters geht die Palme an Caspar Dechmann, der für diese Produktion die Musikalische Gesamtleitung innehat und der diese nicht einfach zu realisierende Partitur souverän, zügig und mit den Sängerinnen und Sängern atmend, zum Klingen bringt. Da sind die zündenden Marschrhythmen ebenso vorhanden wie die Anklänge an die Zigeunermusik und letztlich den mit einem Augenzwinkern dargebotenen Wiener Operettenschmäh. Denn letztlich kann man die Story von der vermeintlichen Tochter des Pascha und ihrem Zigeunerbaron nicht so wirklich ernst nehmen. Dass Saffi bei der Rückkehr von Barinkay schwanger ist, ist ein solches „Augenzwinkern“ mit der doch etwas banalen Vorlage.

 Vom ausgewogenen Sänger-Ensemble ist primär Cecilia Berglund zu nennen, die als Saffi ganz hervorragend singt und diese auch glaubhaft verkörpert. Welch schön timbrierte Mittellage und wunderbar sitzende Höhe, die über das Orchester „segelt“. Dann auch ganz hervorragend in Stimme und Spiel Erich Bieri als Schweinefürst Zsupan, der bei aller Verschlagenheit doch noch irgendwo eine Art sympathischer Schwerenöter ist. Sehr gut singt er alle drei Arien – von denen also keine gestrichen ist – und agiert spielfreudig. Gut in der Erscheinung ist der Barinaky von Manuel König, der auch ganz hübsch singt, aber einfach zu wenig Strahlkraft und Fokussierung in der Stimme aufweist, um wirklich rüberzukommen. Seine beste Stelle hatte er im berühmten „Dompfaff-Duett“ mit der Saffi von Cecilia Berglund. Sehr hübsch dargestellt und auch gesungen wird das junge Paar von Stefanie Frei (Arsena) und Luca Valentin Bernard (Ottokar). Da hat man gerne hingehört und ist gespannt, wie sich diese beiden jungen Künstler in Zukunft entwickeln werden. Passend als Charakter ist die Czipra von Rea Claudia Kost, der aber die gesanglichen Anforderungen einer echten Spiel-Alt-Partie nicht ideal in der Stimme zu liegen scheinen. Köstlich auch die als verschrobene Gouvernante dargestellte Mirabella von Nadia Catania und der spiessige Conte Carnero von Hans Michael Sablotny, dem die oft ungünstige Platzierung auf der Holzkonstruktion stimmlich nicht gerade favorabel war. Natürlich ein „gefundenes Fressen“ für einen Kavaliersbariton ist der Homonay mit seinem herrlichen Werberlied, der bei Wolf H. Latzel sowohl stimmlich als auch in der feschen Erscheinung bestens aufgehoben war.

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Erich Bieri (Zsupan) «grantelt» mit Stefanie Frei (Arsena). Copyright: Beat Pfändler

Also: ein durch und durch gelungenes Unternehmen, das ohne viel freiwillige Helfer und Helferinnen und Sponsoren gar nicht möglich wäre.

Ein Besuch dieser hübschen Aufführung empfiehlt sich „auf Ehr“!

John H. Mueller

Die Aufführung wird noch bis 14. Oktober gespielt: www.operette-hombrechtikon.ch

 

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