Der Neue Merker

ZÜRICH: LOHENGRIN – Wiederaufnahme unter Fabio Luisi

Zürich: Opernhaus – „Lohengrin“ – Fabio Luisi, Leitung    –  Wiederaufnahme 04.07.17

 Zum Saisonende richtet das Opernhaus Zürich nochmals mit grosser Kelle an und nimmt Andreas Homokis Inszenierung von Wagners „Lohengrin“, eine Koproduktion mit der Wiener Staatsoper aus dem Jahre 2014, wieder auf. Die Geschichte ist in einem Bergdorf, namentlich im hölzernen – und somit sehr braunen – mit entsprechend rustikalem Mobiliar ausgestatteten Festsaal der Dorfgaststätte angesiedelt, die Bevölkerung tritt in Lederhosen und Dirndln auf (Bühnenbild und Kostüme: Wolfgang Gussmann) – alles „deutsch und echt“ eben.

Die Solistinnen, Solisten, der Chor und der Zusatzchor der Oper Zürich sowie die Philharmonia Zürich werden von Fabio Luisi in sehr flottem Tempo und einem Touch „Italianita“ durch den Abend geführt. Maestro Luisi setzt dabei primär auf „grosse musikalische Effekte“, was der Aufführung jedoch einiges vom mystischen Zauber dieser wunderbaren Oper nimmt. Dazu kommt, dass es für die Sänger nicht einfach ist sich gegen diese geballte Ladung Klang stimmlich durchzusetzen.

Christoph Fischesser gerät ein stimmlich und darstellerisch glaubwürdiger König Heinrich. – Rachel Willis-Sorensens gefällt mit ihrer leicht dunkel timbrierten Stimme als nicht jugendlich-verträumte sondern selbstbewusste Elsa, welche mit beiden Beinen im Leben steht, Ortrud im zweiten Akt paroli bieten kann, und deren Leben erst im Brautgemach aus den Bahnen gerät. – Von den stimmlichen Voraussetzungen her ist Anna Smirnova eine Idealbesetzung für Elsas Gegenspielerin Ortrud. Die „Entweihten Götter“ und „Fahr heim“ gelingen mit einer wuchtigen Präzision und Kraft, wie man sie sich nur wünschen kann. Nun hat aber Ortrud auch diese bedrohliche, heuchlerische Seite, mit welcher sie mit perfiden Piani ihre Opfer einer Schlange gleich umschleicht, bevor sie dann lautstark zubeisst. Diese fein zu differenzierenden Stellen gelingen Frau Smirnova nicht, sie verlässt sich zu sehr auf Kraft und Wirkung ihrer Forti. Ihre „Elsa“-Rufe zu Beginn des zweiten Aktes geraten derart laut, dass es sogar der naivsten Elsa klar sein müsste, dass es sich hier unverwechselbar um eine Kriegserklärung handelt. In der Darstellung ist Frau Smirnova allerdings überragend – wenn die stimmliche Gestaltung noch sensibler wird, dann haben wir mit ihr eine teuflisch gute Ortrud. – Martin Gantner liefert einen glaubwürdigen, tief verzweifelten Telramund und gefällt sowohl musikalisch als auch in der Darstellung. – Ein Held durch und durch ist Brandon Jovanovich als Lohengrin. Er setzt sich strahlend und stimmgewaltig gegen Orchester und Chor durch und gefällt auch optisch. Die Gralserzählung meistert er souverän, wenn auch mit wenig Magie, was aber nicht zwangsläufig der Fehler des Sängers ist. – Als Heerrufer ist Yngve Soberg, als die vier brabantischen Edlen sind Tyrstan Llyr Griffiths, Gyula Rab, Dmytro Kalmuchyn und Stanislav Vorobyov zu erleben.

Grosser Applaus des Publikums für einen gefälligen Opernabend.

Michael Hug

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