ZÜRICH: ALCINA von G.F.Händel. Wiederaufnahme

by ac | 5. Januar 2017 13:12

Zürich: ALCINA (Händel)  Wiederaufnahme – besuchte Aufführung 04.01.2017

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 Julie Fuchs, Cecilia Bartoli. Copyright: Monika Rittershaus

Die opulente Inszenierung von Händels ALCINA (Premiere: 24.1.2014) von Christoph Loy (Bühnenbild: Johannes Leiacker, Kostüme: Ursula Renzenbrink) erfreut sich eines grossen Publikum-Zustroms, zumal Cecilia Bartoli in einer Serie von sechs knapp hintereinander gelagerten Vorstellungen ihre ausgereifte Interpretation der Zauberin Alcina präsentiert. Und sie tut das in gewohnter Weise, mit grosser Ausstrahlung und Bühnenpräsenz, trägt ihre Rokoko-Roben würdig und bewegt sich elegant, und singt ihre Arien mit klanglicher Delikatesse. Besonders begeistert sie mit den piano und pianissimo gesungenen Passagen, die sie mit gut gestützter Atemtechnik in einer „fil di voce“ er- und ausklingen lässt. Im 1. Akt war sie eher zurückhaltend, wogegen sie dann im 2. Akt zeigte, was in ihr steckt und steigerte sich grandios im 3. Akt mit „Mi restano le lagrime“. Als ihre Schwester war wiederum Julie Fuchs mit von der Partie. Seit ihrem letzten Auftreten vor drei Jahren hat die Französin eine erstaunliche Karriere hingelegt. Was damals frisch und unverbraucht war, klingt nun routiniert und nicht mehr so spontan wie vorher. Nichts desto trotz erbringt sie eine schöne Leistung.

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Julie Fuchs, Varduhi Abrahamyan. Copyright: Monika Rittershaus

Als eigentliche Gewinnerin des Abends darf man getrost Varduhi Abrahamyan bezeichnen, die die Rolle der Bradamante mit wunderschöner Altstimme, musikalischem Temperament und grosser Bühnenpräsenz erfüllte. Die Bravos waren durchaus gerechtfertigt. Als Ruggiero war nun anstelle der fulminanten Mezzosopranistin Malena Ernman der Counter Philippe Jaroussky besetzt. Was die Schwedin seinerzeit an Temperament und gespielt ironisierter Männlichkeit (unvergesslich ihr Rapp-Dance bei der Arie „Sta nell Ircana“ mit Liegestützen und Überschlag) einbrachte, geriet nun bei Jaroussky darstellerisch zu einem „Jammerlappen“. Dazu trägt sicher auch sein hell gefärbter Counter bei – da hätte die Wiederaufnahme-Regie doch noch Einiges herausholen können. An der gesanglichen Leistung gab’s allerdings kaum was auszusetzen: schön die Phrasierung mit doch relativ wenig Differenzierung in den Klangfarben. Und bei der „Sta nell Ircana“, wo doch mehr Stimmvolumen verlangt wird, geriet der Counter doch an seine Grenzen, was sich in wenig entspannter Tongebung manifestierte. Sehr gemacht hat sich der Schweizer Tenor Fabio Trümpy als Oronte, der seine beiden Arien ansprechend und tonschön sang. Als Melisso war nun Krzysztof Baczyk besetzt, der einen frischen Bass hören liess. In der Edel-Statisterie-Rolle war nun nach dem Tod der unerreichten Silvia Fenz Barbara Goodman zu sehen, die ihre Aufgabe gut löste.
Die Tänzer, Chorsolisten und Statisten lieferten professionelle Leistungen ab. Die Musikerinnen und Musiker der La Scintilla (Solo-Violine: Hanna Weinmeister) unter der engagierten Leitung von Giovanni Antonini waren wiederum der umjubelte Mittelpunkt des zwar knappe vier Stunden langen, aber trotzdem sehr schönen Abends.

John H. Mueller   

 

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