Der Neue Merker

WIESBADEN/ Hessisches Staatstheater: GÖTTERDÄMMERUNG – ein musikalisches Fest

WIESBADEN: GÖTTERDÄMMERUNG am 21.10.2017 – ein musikalisches Fest

Besuchte Vorstellung am 21. Oktober 2017, in Wiesbaden

Götterdämmerung – ein musikalisches Fest

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Catherine Foster. Copyright: Staatstheater Wiesbaden/ Nele Schmitt

Nach dem Kraftakt des kompletten „Ring des Nibelungen“ in einer Spielzeit, gibt es nun in der kürzlich begonnenen neuen Saison lediglich die „Götterdämmerung“ zu erleben. Umbesetzungen in einigen Partien und verschiedene szenische Änderungen stellten die Reprise sehr deutlich über die Premiere!

So gab es diesmal in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg einen intensiven Blickkontakt zwischen dem Wotan-Double und Brünnhilde während Waltrautes Erzählung. Gänzlich anders auch das Finale des ersten Aufzuges, welches nun komplett in Brünnhildes Pavillon spielte und somit die Ausweglosigkeit, das in der Falle sitzen, schmerzhaft erfahrbar machte.

Nach wie vor ärgerlich jedoch das szenisch nicht bewältigte Finale mit seinen überbeanspruchten Videos und dem Berghaus-Zitat am Schluss.

Aber die Regie ist nicht wesentlich, sondern die musikalische Umsetzung! Und diese geriet überaus begeisternd. Brünnhilde, Siegfried und Hagen, die alle bereits in Bayreuths Castorf Ring zu erleben waren gaben sich ein Stelldichein zusammen mit dem diesjährigen Bayreuther Beckmesser. Bayreuth in Wiesbaden……

Es ist schon eine große Fleißarbeit von Catherine Foster als Brünnhilde, die so erkennbar offensichtlich in den letzten Jahren an ihrer Partie kontinuierlich weiter gearbeitet hat. Phrasierung, Texterfassung und -Verständlichkeit, Intonationssicherheit, szenische Präsenz sind auf auf einem außerordentlich hohen Niveau! An diesem Abend gelang Frau Foster alles! Die Stimme blieb in allen Lagen perfekt kontrolliert bis rauf zum „C“, dabei keinerlei Intonationstrübung. Szenisch wirkte sie überzeugend und sehr engagiert. Gerade in der Interaktion zu Siegfried waren viele neue liebevolle Gesten zu erleben, der überlegene Umgang mit Gunter oder schließlich das Locken Hagens mit Siegfrieds Ring waren anders gestaltet und gerieten eindrucksvoll.

Als Siegfried war Lance Ryan zu erleben. Auch er hat hörbar an seiner Interpretation des Siegfrieds gearbeitet. Erfreulich, dass er nun öfters auch leise sang oder nun mit einer gänzlich anderen Stimmfarbe den Waldvogel nachahmte. Das oft etwas greinend wirkende Timbre bleibt unschön und auch schwingt Stimme oftmals nur spät ein, so dass vielfach Töne ohne Vibrato zu hören waren. Davon abgesehen, ist aber die völlige Mühelosigkeit seines Vortrages inkl. endlos langer Fermate auf dem hohen C, immer noch weitgehend konkurrenzlos. In der Darstellung wirkte er vielschichtiger als sein Vorgänger. Sicher, bei Andreas Schager klingt das tonschöner. Dafür ist dieser jedoch nicht in der Lage über einen Abend den korrekten Text zu singen!

Dominierend in szenischer und stimmlicher Gestalt war Albert Pesendorfer als Hagen. Auch er agierte völlig mühelos mit seinem raumgreifenden Gesang. Die hünenhafte Gestalt wirkte mit wenigen, langsamen Bewegungen hintergründig und sehr bedrohlich. Die Textbehandlung war beispielhaft. Er war war das szenische Zentrum der Aufführung. Die vielen Nuancen seiner Interpretation überzeugten durchweg. Gerade durch seine Gestaltung gewann die Vorstellung ungemein an Dichte und Spannung! Wenige sehr expressive Textfärbungen („rasch seid zur Rache“ oder „Meineid rächt‘ ich!“) genügten, um die boshafte Energie erlebbar zu machen. Eine großartige Leistung!

Ein besonderer Luxus war der großartig agierende Johannes-Martin Kränzle als Gunter! Dieser wunderbare Sängerdarsteller verschmilzt derart symbiotisch mit seinen Rollen, dass er den Zuschauer einfängt. Sehr gut erfasste er die Ambivalenz und Gebrochenheit seiner Rolle. Stimmlich war er ausgezeichnet.

Ihm zur Seite als neue Gutrune agierte Betsy Horne, die mit ihrer leuchtenden Sopranstimme und sehr guter Textverständlichkeit ihre Vorgängerin in dieser Partie völlig deklassierte.

Als Alberich war Thomas de Vries etwas zurückhaltend, aber dennoch überzeugend.

Zu Recht große Begeisterung gab es für die neue Waltraute von Margarete Joswig. Besser kann das nicht gesungen werden! Und wer weiß, vielleicht kommt da in Zukunft auch einmal eine dramatische Sopranpartie für sie, so mühelos tönte ihr Gesang in allen Lagen.

Homogen erklangen die Nornen, verkörpert durch Margarete Joswig (1. Norn), Sylvia Hauer (2. Norn), die sich glücklicherweise schnell von ihrem Schmiss erholte und Betsy Horne (3. Norn). Um das wunderbare Rheintöchter-Terzett, Katharina Konradi (Woglinde), Marta Wryk (Wellgunde) und Sylvia Hauer (Flosshilde) kann Wiesbaden nur beneidet werden.

Chor und Extrachor des Staatstheaters Wiesbaden (Einstudierung: Albert Horne) waren wieder bestens präpariert und sangen volltönend.

Hörbar angekommen in der Götterdämmerung ist nun auch das Hessische Staatsorchester Wiesbaden, das eine nahezu fehlerfreie Darbietung realisierte. Bereits der Einsatz zur Nornenszene geriet staunenswert perfekt. Die Streicher und Bläser intonierten sauber, dazu ungemein konditionsstark. Ja, selbst die in der Vergangenheit von mir oft gescholtenen fehlerhaft agierenden Schlagzeuger spielten korrekt. Dirigent Alexander Joel sorgte für einen reibungslosen Ablauf und eine gute sängerfreundliche Balance. Eine erinnerungswürdige Interpretation bleibt er jedoch immer noch schuldig.

Großer, verständlicher Jubel im voll besetzten Haus.

Dirk Schauß

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