Der Neue Merker

WIESBADEN: DIE WALKÜRE

Wiesbaden: „DIE WALKÜRE“ – 15.01.2017

Sonja Gornik (Brünnhilde) Gerd Grochowski (Wotan) (c) K&M Foster
Sonja Gornick (Brünnhilde), Gerd Grochpowski (Wotan). Copyright: K & M Forster

Einen gewaltigen Zeitsprung vollzog Uwe Eric Laufenberg zu „Die Walküre“ (Richard Wagner) und verlegte die Story in die Aera des zweiten Weltkrieges. Im ersten Aufzug befinden wir uns in einem Restaurant mit Bar – Hunding heißt der Wirt. Im offenen Bereich des 2. OGs verfolgt Brünnhilde interessiert die Geschehnisse, Klein-Sieglinde ist anwesend es sind Mägde da! Zu Beginn des zweiten Aktes befinden wir uns im Stabszelt zur Lagebesprechung – zur Todesverkündigung führte man die Wonnen Walhalls an reich gedeckter Tafel mit blumenbekränzten Wunschmädchen und Jünglingen vor – eine Reithalle bietet die Kulisse des Finalaktes, eine Amazone dreht auf wunderschönem Rappen ihre Runden, zum Finale verbannt man Brünnhilde in den Faltenwurf der steinernen Walhalla und lässt sodann die Feuerchen züngeln. Gisbert Jäkel zauberte die Bühnenatmosphäre  und Antje Sternberg steuerte die Wehrmachts-Maskeraden bei. Völlig nachvollziehbar verstand es Laufenberg prägnantes Musiktheater auf die Bretter zu stellen. Mit dieser Szenerie kann ich leben, hebt sie sich doch recht positiv produktiver  Kuriositäten anderer Häuser ab. Das Premieren-Publikum zeigte sich jedoch weniger verständnisvoll und reagierte teils recht ablehnend.

Am Pult des Hessischen Staatsorchesters Wiesbaden waltete umsichtig Alexander Joel und bescherte zumindest orchestral ein musikalisch differenziertes Opern-Happening. Der versierte Dirigent verstand es mit seinen aufmerksamen und bestens disponierten Musikern eine klanglich geschlossene Einheit zu formen, die für Wärme sorgte welche auf der Bühne größtenteils fehlte. Bereits zur gewittrigen Einleitung, dem spannungsvoll elektrisierenden Knistern des ersten Aufzugs wurde instrumental gewahr, was Wagners geniale Partitur so reizvoll macht. Aufgelichtete Klänge intimen Charakters durchwebten die Monologe der folgenden Aufzüge, prächtig erklangen die handwerklich herausgearbeiteten  Details der zugespitzten Formationen. Vorzüglich kontrastierte Joel die wuchtigen Ausbrüche, die wohltuend innigen Passagen dieser herrlichen Musik und erwies sich zudem als verständnisvoller Sängerbegleiter.

Man möge mir verzeihen, dass ich im vokalen Bereich die Herren zuerst würdige, doch muss ich gestehen, dass mich keine der Leistungen in Euphorie versetzte, sich aber dennoch wohltuend vom weiblichen Sukkubus abhob.  Richard Furman präsentierte den Siegmund in hell-strahlendem Tenorklang, ließ zuweilen dunklere heldische Töne vernehmen und überzeugte mit nuancierter Darstellung.

Die kräftezehrende Partie des Wotan sang Gerd Grochowski souverän mit Kraft und Autorität. Sein resonanzreiches helles Material klang während der langen Phrasen ohne Druck, konnte während der Fortehöhen einige Extraregister ziehen,  mir persönlich fehlten zur intensiveren Interpreation  lediglich die sonor-markanten dunklen Bassbariton-Töne.

Damit punktete Young Doo Park im Überfluss, zudem setzte sein Hunding vokal nachtschwarze Basselemente frei, punktete mit knisternder Elektrizität und männlich herber Ausstrahlung.

Walküren (c) K&M Foster
Die Walküren. Copyright: K & M Forster

Pardon meine Damen, aber Wotans Worte „hartherziges Weibergezücht“ fand seit ich mich erinnern kann keine trefflichere Bedeutung. Mir klingen noch heute die Ohren vom schrillen Geschrei der 8 Walküren, deren Namen ich geflissentlich nicht erwähne. Zweifellos hätte man  diesem vokal zügellosen Haufen auch Sieglinde (Sabina Cvilak) einverleiben können,  deren sangliche Qualitäten ich lieber verschweige.

Die streitbare Fricka interpretierte im soliden Mezzoton Margarete Joswig. Jugendlich schlank, metallisch intonierte Sonja Gornick zunächst die Brünnhilde und fand allmählich zu sensibleren Tongebungen,  ganz besonders im finalen Dialog mit dem Vater zu berührend-ausdrucksstarken Momenten.

Leistungsgerecht und wohldosiert belohnte das Publikum die Sänger, doch galt der Löwenanteil der Begeisterung zu Recht Alexander Joel und dem Orchester.

 

Gerhard Hoffmann

 

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