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WIEN/Staatsoper : Richard Strauss ARABELLA – Rosenkavalieraufguß im abgesandelten Bürgermilieu

Anna Gabler mit Christopher Maltman auf Augenhöhe

Anna Gabler mit Christopher Maltman auf Augenhöhe

WIENER STAATSOPER

Richard Strauss   ARABELLA
Rosenkavalieraufguss im abgesandelten Bürgermilieu
am 14.Dezember 2017
46.Aufführung in dieser Inszenierung

 

Keine Frage, Sven-Eric Bechtolf hat es gemeinsam mit Rolf und Marianne Glittenberg darauf angelegt, den Niedergang des einst mit feinem Getue daherkommenden Kleinadels auf das Niveau abgesandelten Bürgertums darzustellen. Und jetzt kommt noch ein bayrischer, aus Greding gebürtiger Dirigent dazu, Patrick Lange, dieser Oper das auszutreiben, was man Aufguss aus dem Rosenkavalier nennt. Nein, richtigerweise lässt er so etwas gar nicht erst aufspielen, sondern lässt die Zeiten nach dem ersten der beiden Weltkriege dissonanter als sonst klingen, härter, ungemütlicher und gerade einmal die, bekanntlich von alten slawischen Volksweisen abgeschauten, ariosen Lieblichkeiten aus den Kehlen der Waldnerschen Töchter ertönen, schüchterner als sonst zwar, aber immer von der Hoffnung nach standsgemäßer Versorgung getragen.

Christopher Maltman ist der Hoffnungsträger aus den einsamen Wäldern Slawoniens, forsch und geradlinig verfolgt er sein Ziel, kein Schmeichler mit seinem großen, männlich klingenden Bariton, eben einer der mit dem Bär tanzt, aber auch in seinen Armen ein Frauenherz zum spontanen Schmelzen bringen kann. Noch dazu, wenn man dazu noch der kreditunwürdigen Familie seiner Zukünftigen und vor allem dem spielsüchtigen Vater aus der Patsche helfen kann. Anna Gabler, die Arabella des Abends lässt in ihrem Rollendebüt eher nur ahnen, dass ihr Strausssche Jubeltöne zur Verfügung stünden, so sorgsam spart sie an den großen musikalischen Momenten. Da merkt man eher Chen Reiss an, wie befreiend der Kostümwechsel von Zdenko auf Zdenka auch gesanglich wirkt.

Chen Reiss mit Benjamin Bruns

Chen Reiss mit Benjamin Bruns

Spät, aber nicht zu spät hat Kurt Rydl gestern in seinem Rollendebüt seinen Graf Waldner in Wien vorgestellt. Klar, wo sonst gehört er hin, wo sonst als in die Gesellschaft der Ballbesucher des Fiakerballs, ein Urwiener mit all seiner Gemütlichkeit und Täuschung und seinem Hang zur Schlichtung der patscherten Situation des dritten Aktes, denn beim Geld passt er auf, solange es noch nicht das seine ist. Eine herrliche Spätrolle für diesen Sänger. Dazu als köstliche Gattin Adelaide Zoryana Kushpler, immer einer Ohnmacht nahe.

Und noch zwei Nebenrollen mit Rollendebüt: Die winzige Maria Nazarova gibt die Fiakermilli mit überzeugenden Koloraturen und Benjamin Bruns ist ein heftig verliebter Matteo, der dies auch mit großen Stentortönen in seiner Eifersucht kundtut.

Pauschaler Dank allen anderen Sängerinnen und Sängern den restlichen Rollen, ebenso dem Chor unter Martin Schebesta, und den Philharmonikern sowieso.

Nicht allzu langer Schlussapplaus, neben so manchem leeren Sitz war auch der Stehplatz auf der Galerie nicht einmal zur Hälfte belegt.

Peter Skorepa
OnlineMERKER
Alle Fotos C:M.Pöhn

 

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