Der Neue Merker

WIENER STAATSOPER: TOSCA – Fünfhunderteinundneunzigste Aufführung, also in der Zielgeraden zum „Sechshunderter“

WIENER STAATSOPER: TOSCA – Fünfhunderteinundneunzigste Aufführung, also in der Zielgeraden zum „Sechshunderter“ – 31.1.2017

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Sae Kyung Rim, Aleksandrs Antonenko. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 Unter keinem sehr guten Stern stand diese zum Teil der Grippewelle zum Opfer gefallenen Vorstellung. Placido Domingo am Pult hat einen Promi-Namen, aber Qualität ist nicht vorhanden. Eine Viertelstunde Überzeit für den Cavaradossi aus der 147. Aufführung dieser Produktion ist für eine so kurze Oper eine gehörige Zeitüberschreitung.

Statt Adrianne Pieczonka übernahm schon länger angekündigt die junge Koreanerin Sae Kyung Rim die Titelrolle. Eine zierliche junge Frau, die ihre Stimme oft überstrapaziert, was gar nicht notwendig wäre, die ist groß genug. Dass ihr Gebet fast ein „Himmelfahrtskommando“ war, lag an den zerdehnten Tempi des Hobbydirigenten. Sie versuchte das Beste aus allem zu machen, ebenso wie ihre nicht ganz gesunden Kollegen. Marco Vratogna übernahm relativ kurzfristig den Scarpia von Thomas Hampson. Ein Raubein, für den Scarpia sehr geeignet, spielt die Rolle auch richtig auf fies, allerdings trat er leicht angeschlagen an und wurde durch zerdehnte Tempi nicht gerade unterstützt. Der zweite Akt gelang dennoch sehr schön. Von dem Dreigestirn der Urbesetzung blieb nur Aleksandrs Antonenko, der krank antrat und sich entschuldigen ließ. Er versuchte das Beste aus der Situation zu machen, viel  Unterstützung hatte er nicht, aber „Chapeau“ !

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Marco Vratogna. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Als Mesner gewinnt Paolo Rumetz immer mehr an Persönlichkeit, singt natürlich tadellos, und spielt mit verhaltenem Schalk.  Ryan Speedo Green war wieder ein persönlichkeitsschwacher Angelotti mit rauer Stimme. Benedikt Kobel ist als Spoletta wie ein verschlagener Raubvogel, der sich auf ein Opfer stürzen will. Ergänzend waren Hans Peter Kammerer als Sciarrone und Alexandru Mosiuc als Schließer im Team. Gut sang Rebekka Rennert (aus der Opernschule) den jungen Hirten.

Die Konzertmeister des Orchesters hatten alle Hände – Bögen voll zu tun., aber nicht alles kann man ausgleichen. Auch der Souffleur beteiligte sich stark  einsatzgebend an der Umsetzung der Vorstellung.

Die wenigen Chorstellen waren exakt, das Tedeum vom Chor sehr gut, dank der Leistung von Martin Schebesta.    

Vielleicht könnte der jetzige Innenminister einmal eine Vorstellung übernehmen, er hat ja eine Dirigentenausbildung ?!

Elena Habermann

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