Der Neue Merker

Wiener Staatsoper REFLEXIONEN September 2015

Karl Goldammer Staatsoper Wien

REFLEXIONEN September 2015      

Auf vielseitigem Wunsch aus dem Kreis unserer Leserschaft nehme ich gemeinsam mit Thomas Prochazka und dessen Mithilfe die REFLEXIONEN der Wiener Staatsoper wieder auf und wir sammeln monatlich in Form eines MAGAZINS die Berichte über die einzelnen Premieren, einzelne Serien oder Einzelveranstaltungen in Form von Auszügen der bei uns im MERKEROnline, aber auch Auszüge von in der Tagespresse erschienenen kritischen Artikel.            – Peter Skorepa

 

 

 

Inhalt  der September-Reflexionen:

Rigoletto
Der fliegende Holländer
La Traviata
La Cenerentola
Nucci – Soloabend
Chowanschtschina
Don Quixote – Ballett

 


Giuseppe Verdi: „RIGOLETTO“ 

Späte Reue Rigolettos: Ambrogio MAESTRI mit Aleksandra KURZAK als Gilda

Späte Reue Rigolettos: Ambrogio MAESTRI mit Aleksandra KURZAK als Gilda

Giuseppe Verdi: „RIGOLETTO“ 4., 7., 10. und 13. September 2015
11 — 14. Aufführung in der Inszenierung von Pierre Audi

„Mit einem ‚Rigoletto‘ in die Saison zu starten, ist eigentlich eine ‚sichere Bank‘“, eröffnete Dominik Troger seine mit „Willkommen im Opernalltag“ betitelte Rezension. „Eigentlich“, denn „sogar der Chor im ersten Bild erzeugte keinen Schwung. Die Sänger fanden im Spiel nicht recht zusammen, und Rigoletto, unübersehbar von Ambrogio Maestris ‚Falstaffkörper‘ gespielt, bewegte sich träge zwischen den Höflingen. […] Maestri bemühte sich gesanglich um Differenzierung, aber die leisen, zärtlichen Töne, etwa in den Zwiegesprächen mit Gilda, bereiteten im Mühe, im Finale sogar mit einem kurzen Anflug von Heiserkeit […] Insgesamt mangelte es an einer weicheren, noblen und farbenreichen Abschattierung seines Gesanges […].“ Elena Habermann hingegen befand in einer Vorabmeldung: „[…] Ambrogio Maestri in der Titelrolle sang fabelhaft […]“, während Wolfgang Habermann in seiner Rezension dieser Ansicht nicht ganz folgte: „[…] Seine stimmliche Gestaltung wächst aus einer sorgfältigen Konzentration auf den Text und er verblüfft oft, wie sehr er seine Stimme zurücknehmen kann, auch wenn er da zweimal leichte Probleme hatte.“ Peter Skorepa berichtete von der Aufführung am 13. September: „Ambrogio Maestri kann naturgemäß die außerordentliche Gestaltung der Titelrolle des unglücklichen Premierensängers nicht ersetzen, sein Spiel bleibt in minimalistischer Mimik und einigen Handbewegungen stecken […]. Dafür geizt Maestri nicht mit seinem enormen baritonalen Material, läßt Stentortöne mit achtbarem Squilloeffekt auf die Höflinge niedergehen ohne zu vergessen, seiner Tochter ein einfühlsamer Duettpartner mit ausgezeichneter Diktion zu sein.“ Karl Gaulhofers und Theresa Selzers Urteil in der Tageszeitung „Die Presse“ lautete: „Die große Enttäuschung aber war der Rigoletto des Ambrogio Maestri. […]“

Celso ALBELO als Gualdie Maldé mit Aleksandra Kurzak

Celso ALBELO als Gualdie Maldé mit Aleksandra KURZAK

„Die Gilda der Aleksandra Kurzak profitierte von der gesanglichen Virtuosität der Sängerin und einigen schönen, lang gehaltenen Piani, die etwa dem Schlussteil des ‚Caro nome‘ ein verträumtes, arabeskes Flair verliehen — das vom leicht kühlen Timbre ihres Soprans und von teils nicht mehr so ‚lupenreinen‘ Spitzentönen aber wieder etwas entzaubert wurde“, las man im „unaufgeregten Bericht“ (© Anton Cupak) Dominik Trogers, während Wolfgang Habermann der polnischen Sopranistin bescheinigte, „[…] nach einer tadellos gesungenen Arie […] vor allem mit einem wunderbar gesungenen ‚Tutte le feste’ und einem großartigen Diminuendo im Schlussduett [zu] überzeugen.“ Peter Skorepa meinte: „Fern von jedem Soubretten-Klischee gab Aleksandra Kurzak eine innige Gilda mit lyrischen Tönen und sanft verklingendem Pianissimo in ihrer Arie. Dass sie nur eine Minimalversion der Schlussverzierung sang, tat der Leistung keinen Abbruch […].“ Oder, kurzgefaßt, in Elena Habermanns Worten: „[…] die Kurzak ist als Gilda einfach Spitze […].“ „Celso Albelo als dritter Herzog von Mantua (in dieser Inszenierung) hat die ideale Stimme für diese Partie. Auf der einen Seite kann er die Wurzeln Verdis im italienischen Belcanto in den Verzierungen der großen Arie im dritten Bild mit leichter Stimme und perfekten Piani gestalten, hat aber auch metallisch klingende Höhen zur Verfügung“, wußte Wolfgang Habermann zu berichten. Dominik Trogers Urteil lautete: „Celso Albelo […] sang einen in der verdischen Melodie durchaus verwurzelten Herzog, der in der Eleganz und Erotik des Timbres und der Ausführung aber einige Wünsche offen ließ. Die Spitzentöne wurden jedenfalls zu nachdrücklich serviert, der Schluss der ‚beweglichen Frauenherzen‘ war für meinen Geschmack an der Grenze zur Outrage.“

 

 

 

MAESTRI mit der Maddalena von Elena MAXIMOVA

MAESTRI mit der Maddalena mit dem Schulmädchencharme von Elena MAXIMOVA

Last but not least schrieb Teilnehmer „Argus“ im MerkerOnline-Forum: „Albelo wirkt tatsächlich ein wenig ungeschliffen, hat beispielsweise den Beginn von ‚La Donna…‘ nicht richtig erwischt, aber durchaus Potential für zukünftige Aufgaben.“ — Richtig, als vierzigjähriger Sänger zählt man ja schließlich noch zum Nachwuchs. Darf also der Verfasser dieser Zeilen und der die Diskussion im MerkerOnline-Forum lostretenden Rezension auf seiner Meinung beharren, daß Albelo an diesem 4. September an seine stimmlichen Grenzen stieß? Auch, wenn Elena Habermann kurz und bündig befand: „Celso Albelo sang einen sensationellen Duca, so belcantesk habe ich das ehrlich noch nie gehört […].“ Vielleicht sollten wir die Definition von „Belcanto“ noch einmal nachschlagen? Dem Urteil Wolfgang Habermanns zufolge übertraf bei Elena Maximova als Maddalena „deren optische Wirkung immer noch den musikalischen Eindruck“, und Dominik Troger war „schon bei der Premiere“ nicht von Frau Maximovas „südländischem Temperament zu begeistern“ gewesen. In Peter Skorepas Diktion las es sich so: „Elena Maximova ist eine Maddalena mit Schulmädchensex zum Liebhaben und ihr Bruder, Michele Pertusi, scheint kaum gefährlich als gedungener Mörder.”

 

Michele PERTUSI als

Michele PERTUSI als Bravo in der Gewandung eines Rechtsgelehrten

Zu Michele Pertusi fiel Dominik Troger ein, dieser „gab den Sparafucile als schönsingenden, harmlosen ‚Notar‘“, und der Rezensent verband seine Beobachtung am 4. September mit dem Wunsch: „Möge der Sänger in den Reprisen den Meuchelmörder in sich entdecken.“ Und Evelino Pidòs Dirigat? Dieses wurde von den meisten Rezensenten für gut befunden, z.B. von Peter Skorepa: „[…] Evelino Pidò lieferte einen in den Tempi zügigen Verdi ab, die Betonung lag sehr auf der Dramatik etwa jener des Gewitters im letzten Akt, mehr zu verspürendes Brio und federnde Leichtigkeit für den Frauenverführer wäre ein Gewinn für die Wiedergabe.“ Der Teilnehmer „Argus“ stellte im MerkerOnline-Forum fest: „Das Dirigat von Pido war vermutlich so, wie es sich Verdi für dieses Werk vorgestellt hat.“ Da wollen wir hoffen, daß dem Komponisten nie der Live-Mitschnitt aus Florenz vom 19. November 1966 zu Ohren kommt: Welche Flexibilität und Elastizität Carlo Maria Giulini da dem Orchestra del Teatro Comunale di Firenze zu entlocken vermochte, wie er mit den Sängern atmete, verzögerte, antrieb, kurzum, ihnen ein ausgezeichneter Begleiter war, das ist mindestens um eine Klasse besser und lohnt sich nachzuhören. Vielleicht sollten wir die Diskussion danach noch einmal aufnehmen? Interessant auch, daß die Kritiker der „Presse“ sich vor der Veröffentlichung ihrer Rezension an den einen Tag zuvor erschienenen Berichten im MerkerOnline orientierten: „Hausherr Dominique Meyer, auch nicht frei von Aberglauben, stufte den Fluch zur ‚schwarzen Katze‘ herab.“ Über die „schwarze Katze“ konnte man allerdings nur auf dieser Website lesen. Aber ist es nicht schön, wenn „Die Presse“ beim MerkerOnline abschreibt, um nur ja ein im Trend liegendes Urteil zu fällen?    -Thomas Prochazka

 

 

 

 

Richard Wagner „DER FLIEGENDE HOLLÄNDER“

VOLLE greift nach der vermeintlichen Erlösung,

Michael VOLLE greift nach der vermeintlichen Erlösung, rechts Hans Peter KÖNIG

Richard Wagner “DER FLIEGENDE HOLLÄNDER” 5., 8., und 11. September

“Im September geben die Wiener Philharmoniker traditionellerweise Konzerte bei den BBC Proms in London und dem Lucerne Festival. In der Staatsoper setzt man zu dieser Zeit Werke mit kleinerem Orchester an, verstärkt durch Substituten. Wiener Opernfreunde wissen, daß sie gut bedient werden, wenn dann der eben erst in Pension gegangene Michael Werba an die Position des zweiten Fagotts zurückkehrt. Und wirklich, mit ihrem “Steuermann” Rainer Küchl und unter „Kapitän“ Peter Schneider am Pult navigierte man mit traumwandlerischer Sicherheit durch die Stürme in Wagners Partitur” schwärmt Thomas Prochazka über die Mannschaft des Holländers.

"Kapitän" Peter SCHNEIDER

„Kapitän“ Peter SCHNEIDER

Fastenzeit für Wagnerianer! Eingebettet in italienischer Oper und anderen Werken muß der Wagnerfreund bis Jänner auf die nächsten Stabreime aus Richards Werkstatt warten. “Zum Saisonstart setzt die Staatsoper auf „Rigoletto“ und auf den „Fliegenden Holländer”, dabei geht die stärkere Wirkung wohl eindeutig von der Richard Wagner-Oper aus. Nicht zuletzt weil die Seemanns-Ballade von einem grandiosen musikalischen „Käptn“ geleitet wird. Peter Schneider – Prototyp eines „Kapellmeisters“ von der Art, die früher Horst Stein oder Berislav Klobucar personifizierten” schwärmt auch Peter Dusek vom Hauskapellmeister mit langjähriger Bayreuth-Erfahrung. “Und es ist bewundernswert, mit welcher Selbstverständlichkeit der Maestro die wagnerischen Unwetter entfesselt. Nuanciert, ausbalanciert, mal tosend, mal zurückhaltend” so Valentin Lewisch. “Wie dieser Lieblingsdirigent so vieler Sänger dem Orchester die zahlreichen piani und pianissimi, welche auch in dieser Partitur schlummern, zum Leben erweckte, ließ seine Kollegen von der Abteilung „Italienische Oper“ schlecht aussehen” legt Thomas Prochazka noch ein Schäuferl nach.

MERBETH und Michael VOLLE

Ricarda MERBETH und Michael VOLLE

Endlich auch in Wien als Holländer zu sehen und zu hören. Michael Volle, der vor dreizehn Jahren bei uns als Adeliger begann (Figaro-Graf), ehe er in der Handelsmarine anheuerte. Er “ist ein hinreißender Holländer. Die Stimme strömt und füllt das Staatsoper-Rund, das Timbre erinnert an Theo Adam, die Spitzentöne bereiten ihm keinerlei Schwierigkeiten. Vielleicht ist er sogar zu „gesund“, zu vital” meint Peter Dusek. “Michael Volle sang und spielte ihn weniger selbstbewußt als Bryn Terfel, aber mit mehr Verzweiflung. Dies ließ seine Stimme in den pianissimi des Gebets das eine oder andere Mal zittern, tat aber dem Gesamteindruck keinen Abbruch” so hörte es Thomas Prochazka.

Zu Ricarda Merbeth schreibt Peter Dusek: “Sie hat in der berühmten Ballade einige Mühe mit dem Wechsel von Forte zu Piano, es fehlt ihr an somnambuler Selbst-Hypnose.” Dazu Thomas Prochazka: “Stark im Ausdruck, schon in der Ballade vom „Fliegenden Holländer“ und erst recht im großen Duett mit demselben, wissen Wiener Opernfreunde, was sie an Frau Merbeth haben.”

“Ein Erik der Extraklasse ist Herbert Lippert. Er legte die Rolle mehr in Richtung Belcanto denn als Heldentenor an. Aber der Vortrag ist perfekt, das Spiel sympathisch”, das fand Peter Dusek. Thomas Prochazka jedoch meinte zu dieser Leistung: “Darf man besorgt und – mit den besten Intentionen – vorschlagen, dass er und das Besetzungsbüro sich darauf verständigen sollten, die Partie des Erik in Wien nicht weiter zu verfolgen?” Zwei Kritiker, zwei völlig differente Meinungen und Hörerlebnisse an zwei unterschiedlichen Tage. “Als Steuermann verschlief Thomas Ebenstein einmal mehr die Ankunft des Holländerschiffes. Er wächst an und mit dieser Partie” stand noch bei Prochazka, aber auch dieses über den Daland: “Hans-Peter König, der mit dem gestrigen Abend seine Debut-Serie im Haus am Ring beendete, liegt die Partie des Daland viel besser als jene des Rocco im vergangenen Salzburger Festspielsommer… Interessant auch, daß seine Stimme eine Anlaufzeit benötigt, um richtig warm und voll zu tönen.” Und aus der Sicht von Peter Dusek: “Bleiben noch der etwas zu blasse und unpersönliche Daland des Hans-Peter König und die eher schwache Amme von Carol Wilson”

“Die Staatsoper unterstrich mit dem gestrigen Abend jedenfalls einmal mehr eindrucksvoll jene Kompetenz, welche man sich so sehr auch bei Mozart und Verdi wünschte”

Und von Karl Gaulhofer und Theresa Selzer stand in „Die Presse“ zu lesen : „In der Titelpartie debütierte Michael Volle: ein Holländer, der ganz dem düsteren Sujet Wagners entspricht. Mit kräftiger Stimme singt er bis in die tiefen Lagen ausdrucksstark, beschreibt mit nuancierter Dynamik die innere Spannung zwischen der Freude über die endlich erreichte Erlösung und der lähmenden Furcht vor neuerlicher Niederlage durch Untreue. Als Senta beweist Ricarda Merbeth vor allem durch vibratoreiche, nie zu schrille Spitzentöne, wie entschlossen sie sich mit weiblicher Kraft gegen ihren einstigen Liebhaber Erik (Herbert Lippert) stellt, der seinen Willen agil bis in höchsten Tenorhöhen artikuliert“

Peter Skorepa

 

 

Giuseppe Verdi „LA TRAVIATA“

Irina LUNGU

Irina LUNGU und Pavol BRESLIK verliebt. Ein Betriebsunfall im Kurtisanendasein.

Giuseppe Verdi “LA TRAVIATA” 9., 12., 17. und 21. September

“Es kann kein Zufall sein, dass diese Traviata-Serie mit dem Holländer alterniert. Hatte doch die Inszenierung des Jean-François Sivadier gehofft, mit dem Ende des Festivals von Aix erlöst zu werden und wurde dann durch die Übernahme in das Repertoire der Staatsoper dazu verflucht, in regelmäßigen Abständen wieder auf der Bühne zu landen und auf die Erlösung durch Publikumszuspruch zu hoffen. Doch furchtbar eitler Wahn, sie bleibt ein Bremsklotz für eine lebendige Aufführung, der nur durch eine exzellente musikalische Gestaltung möglicherweise überwunden werden könnte”. Soweit Wolfgang Habermann in seinem Bericht zu dieser Traviata-Serie.

Irina LUNGU

Irina LUNGU

 

Die russische Sopranistin Irina Lungu hatte sich schon einmal dem Wiener Publikum im Theater an der Wien in dieser Rolle vorgestellt. “Ihre Violetta klang schon im ersten Akt krank”, stellt dazu Thomas Prochazka fest, “mit scharfen, unfokussierten Höhen, unsauberen Koloraturen und Problemen in der Atemtechnik.” Hingegen schrieb Renate Wagner: “Dennoch – ein punktgenaues, lange gehaltenes hohes E zur Krönung der Arie und ein absolut ergreifendes Sterben sind nicht wenig für eine Rolle, zumal man eine attraktive, schlanke Frau auf der Bühne sieht.” Und W.Habermann meint: “Mit ihrem dunkel timbrierten Sopran, der in allen Lagen gleichmäßig anspricht, sauberen Koloraturen und wunderbar ruhig gestalteten Piani kann sie überzeugen.”

Pavol Breslik gab mit dieser Vorstellung sein Wiener Rollen-Debut als Alfredo. Auch ihm gelangen vor allem die piani-Stellen”…aber mit “viel zu sparsam eingesetztem Legato” so Th.Prochazka, dafür W.Habermann mehr aus der Sicht der Ästethik zu einer Beurteilung kommt: “Pavol Breslik hat zwar einen durchtrainierten Körper, trotzdem gelingt es ihm nur selten, die Stimme ruhig zu führen und so ist das Parigi, o cara eine mehr als zittrige Sache.” “Jedenfalls sitzen Höhen und Ausbrüche, und darstellerisch legte er sich gewaltig ins Zeug.” lobt Renate Wagner, während Daniel Wagner in der Wiener Zeitung überhaupt ins Schwärmen gerät: “Der Abend gipfelte auch dank des neuen Alfredo in einem authentisch intensiven Finale: Pavol Breslik debütierte in effektvoller Manier, ausgestattet mit klarer Linie bis in den Diskant.”

 

Carlos ALVAREZ

Carlos ALVAREZ

Carlos Álvarez sang nach 1997 erstmals wieder Giorgio Germont in Wien; und das um eine Klasse besser als alle seine – oft jüngeren – Kollegen.” Urteilt positiv Th.Prochazka über den Bariton, während W.Habermann in der nächsten Vorstellung zu einem andern Ergebnis kommt: “Carlos Alvarez als Vater singt das ganze Duett mit Vorsicht und lässt sein Edeltimbre nur in einer Einheitslautstärke erklingen. Doch in der Arie hilft alle Vorsicht nichts und er kann sich nur mit einem gewagten Notausstieg aus der Kadenz retten.”

“Die Comprimarii des Abends waren durchaus unterschiedlich bei Stimme, die Inszenierung kommt einem immer dümmer vor, je öfter man sie sieht” meint lakonisch Renate Wagner. “Und so wurde in der schlichten Inszenierung von Jean-François Sivadier die absolute Unabänderlichkeit des Seins deutlich” philosophiert dagegen in der Wiener Zeitung Daniel Wagner, während Wolfgang Habermann die praktischen Vorteile erwähnt: “So kann Zoryana Kushpler als Flora zeigen, dass sie nach wie vor eine sexy Figur hat und viel Bein zeigen, Aura Twarowska eine betuliche Annina gestalten”

Michael Schønwandt trat nach 14-jähriger Abwesenheit wieder ans Pult des Staatsopernorchesters. Schon nach dem Preludio war klar: Eine längere Abwesenheit wäre zu verschmerzen gewesen. So undifferenziert, dabei zu laut, musizierten die Damen und Herren im Graben schon lange nicht mehr” meint etwas säuerlich Thomas Prochaska, aber “die negativen Beurteilungen, die Dirigent Michael Schønwandt bei „Merker“-Kollegen erhielt, kann man nach diesem Abend nicht bestätigen. Däne hin oder her, der Mann hat tiefes Verständnis für Verdi” kontert Renate Wagner, dazu auch Daniel Wagner in der Wiener Zeitung: “Mit viel Raffinesse in den Stimmen, spannender Tempowahl und passenden Rubati trug er mit dem engagierten Staatsopernorchester zu einem besonderen Abend bei.” Und für W.Habermann “könnte das Orchester vor allem die Vorspiele beseelter spielen.”

Und das Résumé über diese Serie von Thomas Prochazka lautet: “Vom Anspruch, das international erste Haus für Verdi zu sein, ist die Staatsoper derzeit allerdings weit entfernt. Und diese Erkenntnis schmerzt.”

“Ungewohnt in der jetzigen Direktion ist, dass in die Regie eingegriffen wird. In der Premiere hatte am Schluss zuerst Annina (aus unerfindlichen Gründen) zusammenzubrechen, ehe zum letzten Akkord auch Violetta starb. Frau Twarowska erlebte das Ende aber aufrecht stehend.” Das stellte W.Habermann abschließend fest. Dazu als redaktionelle Ergänzung: Dieser Brauch begann schon unter der Direktion Holender, da sei nur als Beispiel erwähnt der Entfall der Pantomime zu “I Pagliacci”, welche Ponelle zum Vorspiel erfand oder Eingriffe in die Ausstattung etwa bei der wenig erbaulichen Regie der letzten “Forza del Destino”. Viel wesentlicher und von positiver Intention war der Eingriff in die Gestaltung der Titelfigur der laufenden Traviata, deren anfänglich und bei der Premiere noch demonstrierter Drogen-und Alkoholmissbrauch sich in die stückimmanente Grundkrankheit der Lunge rückverwandelte, was der Darstellung wieder mehr Mitfühlen statt Peinlichkeit einbrachte. Hier sei den dafür Verantwortlichen (Direktion, Dramaturgie, Abendregie) Dank ausgesprochen.

Peter Skorepa

 

Gioacchino Rossini: „LA CENERENTOLA“

Wem würde bei dieser

Wem würde bei diesem Aschenbuttel nicht das nicht Herz aufgehn: Margarita GRITSKOVA fleht jedoch bei Pietro SPAGNOLI vergebens um die Ballkarte

Gioacchino Rossini: „LA CENERENTOLA“ 16., 19., 23. und  26. September 2015
23. bis 26. Aufführung in der Inszenierung von Sven-Erich Bechtolf

„Ein ‚rising star‘ in der Titelrolle – Margarita Gritskova ist drauf und dran, zu einer [der] wichtigsten Entdeckungen der Ära von Dominique Meyer zu werden“, schwärmte Peter Dusek von der Aufführung am 16. September 2015: „[…] Die Stimme ist größer geworden, die Tiefe wird mit mehr ‚Brusttönen‘ versehen, die Höhe ist strahlend und metallisch. Dazu kommen perlende Koloraturen, eingelegte Verzierungen und stupende Läufe. Kurzum: Margarita Gritskova, die seit 2012 Ensemble-Mitglied der Staatsoper ist, kann in dieser Rolle mit Vorgängerinnen wie Christa Ludwig, Agnes Baltsa oder Elīna Garanča mithalten.“

Vom hübschen Entlein zur faszinierenden Ballattraktion.

Vom hübschen Entlein zur faszinierenden Ballattraktion. Benjamin BRUNS hat als stimmschöner Chauffeur alle Chancen.

Ähnliches berichtete Wolfgang Habermann von der Vorstellung am 19. September: „Der große Lichtblick in dieser Aufführung war die Angelina von Margaria Gritskova. Die junge Russin hat[te] bereits im Frühjahr vorigen Jahres ihr Rollen-Debut […]. Schon damals konnte sie überzeugen, aber es scheint, als hätte ihre Tiefe noch an Breite und Wärme gewonnen, ohne dass die stupenden Koloraturen Schaden genommen hätten. Dabei ist sie im Spiel sehr locker und (soweit möglich) natürlich[,] und ihr gebührt zweifelsfrei die Krone des Abends.“

Benjamin BRUNS

Benjamin BRUNS steuert  in seiner Prinzenrolle als falscher Chauffeur direkt in die Frauenherzen

Wilhelm Sinkovicz schrieb in der Tageszeitung „Die Presse“: „Was Stimmschönheit und Koloraturgewandtheit angeht, schlägt ihn (Anm.: Benjamin Bruns) an diesem Abend nur noch Margarita Gritskova in der Titelpartie: Diese Cenerentola bezaubert in Erscheinung und stimmlicher Modulationsfähigkeit: Vor allem vermag sie Rossinis abwechslungsreiche melodische Figuren immer aussagekräftig aufzuladen, ob sie das traurig’ Lied der armen Dienstmagd singt oder der Euphorie einer soeben entflammten jungen Frau Ausdruck verleiht.“

Damit endeten die Gemeinsamkeiten aber schon. Während der „Presse“-Berichterstatter davon schwärmte, „dass auch die heikelsten Partien auf Spitzenniveau aus dem Ensemble besetzt werden können, auch die subtilen Schattierungen in den Quintetten und Sextetten, die Rossini so kleinteilig liebevoll ausgearbeitet hat […]“, konstatierten die MERKEROnline-Rezensenten Wolfgang Habermann und Peter Dusek durchwachsenes Niveau bei den übrigen Sängern.

Ersterer nannte die Dinge beim Namen: „Aber wer kann Benjamin Bruns erklären, dass diese Partie für ihn eine Amor fou ist. Seiner Stimme fehlt die Agilität für den Tenore di grazia, und da helfen die sicher platzierten Acuti auch nichts. Bei seinem Diener Dandini steht die Sache leider nicht besser. Gabriel Bermúdez scheint zu viel zu wollen. Sein Gesang klingt verquollen, die Koloraturen sind verwaschen[,] und er kann eigentlich nur mit sympathischem Äußeren und quirligem Spiel zu punkten. Im Duett ‚Zitti, zitti, piano, piano‘ waren beide Sänger so klanglos piano, dass ich mich an Fischleins Nachtgebet erinnert fühlte.

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Der wirkliche Chauffeur Gabriel BERMUDEZ

Dies lag wohl daran, daß „die Qualität eines Opernhauses daran zu messen ist, wie eine solche Aufführung hinter den Kulissen vorbereitet wird und wie punktgenau sie dann realisiert wird […]“, wie uns Wilhelm Sinkovicz zu erklären wußte. Aber vielleicht haben wir da etwas falsch verstanden, verfügten seiner Meinung nach die Sänger, allen voran Benjamin Bruns, der „mit dem Prinzen Ramiro so etwas wie seine Paraderolle gefunden“ hat, „über das rechte Stilgefühl wie auch über das nötige technische Vermögen, ihre Stimmen sogar über weite Phrasen hin zu zügeln.“ Es ist schon bemerkenswert, was professionelle Journalisten so alles hören, das ihren für Gottes Lohn berichtenden Kollegen vom MERKEROnline entgeht…

„Nett, hübsch aber letztlich doch zu ‚leichtgewichtig‘ sind die bösen Stiefschwestern – Hila Fahima als Clorinda und Juliette Mars als Tisbe“, las man bei Peter Dusek. „Wirklich schwach war hingegen der neue Alidoro des Marco Vinco. Waren es die Nerven beim ersten Auftritt an der Wiener Staatsoper, er distonierte, klang fahl und indisponiert.“ Wolfgang Habermann vergab für die Schwestern ein „zufriedenstellend“, Wilhelm Sinkovicz ein „rechtschaffen zickig“. Er attestierte Hila Fahima als einzigem Sopran allerdings „Grandezza und [eine] schön aufblühende[r] Stimme“.

„Die Belcanto-Opern zählen nicht zu den Lieblingswerken des Orchesters.“ Dieser Satz Wolfgang Habermanns sollte der Direktion zu denken geben, denn „um hier Rossini-Fieber zu erzeugen, wäre ein Motivator notwendig. Michael Güttler ist aber ein solider Dirigent, der nicht das Feuerwerk zünden kann.“ Wahrscheinlich wird man sich im Haus am Ring aber an die „Presse“-Kritik halten, wo über des Dirigenten Leistung lesen stand: „Der Dresdner ist ein souveräner Kapellmeister, der mit sparsamen Gesten schon in der Ouvertüre das Staatsopernorchester auf die rechte Gangart einschwört […].“

Thomas Prochazka

 

Soloabend Leo Nucci

 

Leo NUCCI mit seiner "Banda" aus philharmonischen Freundinnen und Freunden

Leo NUCCI mit seiner „Banda“ aus philharmonischen Freundinnen und Freunden Foto (C) M.Pöhn/WSO

Soloabend Leo Nucci am 15.September

Peter DUSEK besuchte für den MERKEROnline den Soloabend. Aus seinem begeisterten Bericht hier einige Auszüge:

„Leo NUCCI ist ein wahres Phänomen – nach einer jahrzehntelangen Karriere (Erstauftritt 1967, Debüt in Wien 1979) liefert der 73jährige italienische Bariton beim Solistenkonzert in der Wiener Staatsoper am 15.September 2015 eine makellose vokale Belcanto- Leistung. Er begeistert mit Raritäten und brachte die „Gassenhauer“ seines Faches erst bei den Zugaben.“

Ein glücklicher Leo Nucci nach dem Konzert

Ein glücklicher Leo Nucci nach dem Konzert (Copyright P.Skorepa)

 

„Er motivierte seine „Philharmonischen Freunde“ Günter Seifert, Raimund Lissy (beide Violine), Michael Strasser (Bratsche), Raphael Flieder (Cello), Kristin Ockerlund (Klavier) sowie Ursula Fatton (Harfe) mitzutun.“

„Leo Nucci verfügt über eine Zungenfertigkeit ohne Gleichen (Barbier), schöpfte aber bei „Un ballo in maschera“ und bei Andre Chenier wahrlich auch beim Forte aus dem Vollen. Er moduliert seine wohlklingende Stimme nicht durch Veränderung der Stimm-Substanz. Aber durch die Technik erzeugt er Zorn und Zuneigung, Hoffnung und Resignation“

„Es war ein unvergesslicher Abend eines phänomenalen Künstlers, der die Zeitgesetze wirklich aufhebt: möge der „König des Belcanto“ sich diese Qualitäten noch lange bewahren.“                                       P.S.

 

 

 

Die Programmfolge:
G. Donizetti | Di tua beltade immagine aus „Il Poliuto“
V. Bellini | Qui mi accolse aus „Beatrice di Tenda“
G. Donizetti | O Lisbona, alfin ti miro aus „Don Sebastiano“
P. Marcarini | Le „donne“ di Donizetti
G. Verdi | Mal per me… aus „Macbeth“
G. Verdi | Non t’accostare all’urna
G. Verdi | L‘ esule

***
G. Verdi | O vecchio cor , che batti aus „I due Foscari“
G. Verdi | In braccio alle dovizie aus „I vespri Siciliani“
G. Puccini | Crisantemi
G. Rossini | Resta immobile aus „Guglielmo Tell“
V. Bellini | Ah! Per sempre io ti perdei aus „I Puritani“
G. Donizetti | Vien, Leonora, a’ piedi tuoi aus „La Favorita“
sowie vier Zugaben:
G.Rossini – Largo al factotum aus dem „Barbiere“
G.Verdi – Posas Tod aus „Don Carlo“
G.Verdi – Alzati…Eri tu  aus „Un ballo in maschera“
U. Giordano – Nemico della Patria aus „Andrea Chenier“

 

             

 Modest Mussorgsky  CHOWANSCHTSCHINA

 

Belosselskiy

Dmitry Belosselskiy als Fürst Iwan Chowansky

Modest Mussorgski: »Chowanschtschina“
20. – 30. September 2015
7. – 10. Aufführung in der Inszenierung von Lev Dodin

»Es war ein herrlicher Repertoireabend, wie er besser nicht sein könnte. Über vier Stunden Spieldauer ohne Leerlauf!, das lag sicher auch zu großen Teilen an der musikalischen Interpretation von James Conlon«, jubelte Elena Habermann nach der Vorstellung am 30. September. Der Wien-Debutant »wusste perfekt auf die Sänger einzugehen, zelebrierte die großen wuchtigen Chorszenen mit Freude an der Mächtigkeit der Musik.«

Ain Anger mit Elena Maximova

Ain Anger mit Elena Maximova

Wilhelm Sinkovicz stieß, die Vorstellung vom 20. September rezensierend, in der Tageszeitung »Die Presse« in dasselbe Horn: »Auch weil mit dem Wien-Debütanten James Conlon ein Dirigent zur Verfügung steht, unter dessen sicherer Führung das Staatsopern-Orchester spielt, als hätte es wochenlang für diese Repertoire-Serie probiert: Die Bläsersoli, der Wohlklang der Phrasen — nicht zuletzt der phänomenal harmonierenden Cellogruppe —, die machtvollen Glockenklänge und martialischen Attacken des Blechs, sie binden sich zum alles mit sich reißenden dramaturgischen Klangstrom […].«
Die Rezensenten waren sich, scheint’s, diesmal einig. Peter Dusek berichtete von der Vorstellung am 27. September: »Schon die einleitende ›Morgendämmerung‹ berückt, verzaubert und lässt den Zuhörer nicht mehr los. Dann der Chor der Wiener Staatsoper (Leitung: Thomas Lang), der aus der Slowakei verstärkt wird sowie durch den Kinderchor der Wiener Staatsoper. Sie alle geben ihr Bestes. Und klingen wie ein Ensemble in Moskau oder Petersburg.«
Auch die Solisten dieser Choroper fanden gebührend Erwähnung, etwa wenn Elena Habermann schrieb: »Dmitry Belosselskiy als Fürst Iwan Chowansky ist vom ersten Ton bis zum letzten Aufstöhnen mehr als hundert Prozent stimmlich überragend […]«

Christopher Ventris

Christopher Ventris

Peter Dusek fand lobende Worte für Christopher Ventris: »kraftvoll, misstrauisch, mit ›rauchigem Heldentenor‹ ausgestattet — auch er ein Opfer der Frauen. Die Riege der ›Verführerinnen‹ wird von Elena Maximova als Marfa angeführt. Sinnlich betörend, attraktiv[,] auch optisch (fast zu jung) erinnert sie an Dalilah.«
Der »Presse«-Rezensent informierte seine Leser über den »große[n], beeindruckende[n] Bass von Ain Angers Dossifei« und den »nicht minder sichere[n], zwischen lyrischer Schwärmerei und sachlicher Lagebeurteilung souverän balancierende[n] Fürst Golizyn von Herbert Lippert
»Marian Talaba ist im slawischen Fach immer gut und war als Kuska sehr zufrieden stellend«, urteilte Elena Habermann. Und weiter: »Ein Sonderlob für Norbert Ernst. Nicht nur, dass er den Schreiber ausgezeichnet singt, wird nahezu Akrobatik von ihm verlangt.« Peter Dusek meinte: »Der Wiener Neustädter Ernst setzt direkt fort, wo einst Heinz Zednik oder Gerhard Stolze aufgehört haben. Musikalisch, wortdeutlich und ›cool‹ — also aus den kleinsten Rollen ein Maximum herausholen.«
Einzig die Publikumsreaktionen schienen zu wünschen übrig zu lassen: »Ein langes, durch die Inszenierung sehr anstrengendes Stück hielt leider nicht alle Besucher bis zum Ende«, befand Elena Habermann. Damit bestätigt sich der vom Verfasser dieser Zeilen gewonnene Eindruck von der Vorstellung am 27. September, wonach das Parkett selbst durch die Ausgabe von Regie- und Studentenkarten nicht vollständig gefüllt werden konnte. Dazu es einige Abonnenten vorzogen, nach der zweiten Pause nicht mehr auf ihre Plätze zurückzukehren. Chowanschtschina scheint allen Bemühungen der Direktion zum Trotz ein Werk für Connaisseurs zu bleiben.
Thomas Prochazka

 

Wiener Staatsballett  DON QUIXOTE

Auch die Leistungen unseres Staatsballetts bei Aufführungen in der Wiener Staatsoper werden hinkünftig in den REFLEXIONEN behandelt.

Maria Yakovleva und Denys Cherevychko

Maria Yakovleva und Denys Cherevychko

Ludwig Minkus/John Lanchbery: »Don Quixote«
18. September bis 6. Oktober 2015 22.
25. Aufführung in der Choreographie von Rudolf Nurejew nach Marius Petipa und Alexandre Gorski

Der Erfolg der Neuproduktion von Minkus’s Don Quixote erwischte Manuel Legris, den Direktor des Wiener Staatsballetts, im März 2011 am falschen Fuß: Das Publikum stürmte die Aufführungen. Zuletzt kehrte das Ballett wieder für vier Vorstellungen im September und Anfang Oktober auf die Bühne der Staatsoper zurück. »Kitri, brilliant getanzt von Maria Yakovleva«, berichtete Ulrike Klein von der Vorstellung am 22. September, »[…] schenkt ihr Herz dem draufgängerischen Barbier Basil — mit grosser Sprungkraft und Spielfreude Denys Cherevychko. […] Mit Raffinesse und Akkuratesse tanzend, leistet es sich dieses erste Paar, seine Rollen auch schauspielerisch mit Leben zu erfüllen.«

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Und weiter: »Olga Esina als Königin der Dryaden ist der Inbegriff einer Primaballerina, einer Nymphe. Elfengleich schwebt sie über die Bühne […]. Ihre grands jetés, die in der Luft zu stehen scheinen, jedes noch so zarte port de bras, der Ausdruck ihres Tanzes sind unvergleichlich.« In der Vorstellung am 2. Oktober debutierte Olga Esina endlich auch in der Partie der Kitri. Ulrike Klein: »Abgesehen von minimalen Unsicherheiten, die dem Debut geschuldet sein dürften, gelang ihr eine herausragende Rolleninterpretation. Welch großartige Tänzerin sie ist, das weiß das Wiener Publikum, wie wandlungsfähig sie sein kann, das hat sie gestern abend eindrucksvoll gezeigt.« Meinrad Rüdenauer besuchte die Vorstellung am 6. Oktober: »[Olga] Esina führt in der Doppelrolle der Kitri/Dulcinea das unterhaltsame Tänzerdefilee an, erweist sich im finalen Grand pas de deux als die wahre Primaballerina im Haus. Vladmir Shishov assistiert ihr als gestandener Basil.« Auch ehemalige Tänzerinnen zeigten sich von Frau Esinas Können hingerissen: Die in den Fächervariationen choreographierten rondes de jambe sähe man heutzutage viel zu selten.

Am 2. Oktober tanzte Prisca Zeisel die Königin der Dryaden. »Mit viel jugendlichem Charme und einer stupenden Technik bezauberte die Halbsolistin ihr Publikum«, berichtete Ulrike Klein, und weiter: »Nicht unerwähnt bleiben soll Natascha Mair als herzerfrischender Amor. Die Damen Olga Esina, Prisca Zeisel und Natascha Mair ließen das Traumbild wirklich zu einem Traum werden […].«
Meinhard Rüdenauer lobte nach dem 6. Oktober »das gute Rollendebüt von Gala Jovanovic als Königin der Dryaden. Und diese Traumgarten-Sequenz mit Olga Esina als Dulcinea und Natascha Mair als Amor ist die poetischste Szene in Rudolf Nurejews ausladender choreographischer Version.« Und weiter: »Dirigent Paul Connelly gibt mit Verve und auch einiger Lautstärke den Tänzern flotte Tempi vor. Insgesamt eine schwungvoll erzählende, vielleicht nicht so ganz perfekt gestylte Aufführung mit einer Reihe feiner Leistungen, welche den Tänzern wie den Zusehern Spaß machen kann.«
Die nächste Vorstellung ist für 8. November mit Liudmila Konovalova als Kitri und Robert Gabdullin als Basil angesetzt, ehe das Ballett im Mai/Juni 2016 nochmals für vier Vorstellungen auf die Bühne der Staatsoper zurückkehrt.
Thomas Prochazka

 

Alle Fotos, falls nicht anders gekennzeichnet Copyright Michael Pöhn / Wiener Staatsoper

Die Vorstellung des „L`elisir d`amore“ vom 25.9. wird im Oktober mit der Vorstellung vom 1.10. gemeinsam gebracht.

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