Der Neue Merker

Wiener Staatsoper REFLEXIONEN April 2016

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REFLEXIONEN aus der Wiener Staatsoper

Der Spielplan der Saison 2016-2017

Eine Analyse des neuen Saisonspielplanes 2016-2017 aus Anlass dessen Bekanntgabe in der Pressekonferenz im Marmorsaal der Wiener Staatsoper am 6.April 2016.

Thomas Platzer, Dominique Meyer. Foto: Peter Skorepa

 

DIE VERGEBENEN CHANCEN DER SAISON 2016/2017
von Heinrich Schramm-Schiessl

Ich möchte hier keine Gesamtanalyse der kommenden Saison machen und darüber jammern, welche Spitzensänger (wieder) nicht singen, wobei es natürlich schon merkwürdig ist, dass Joyce Di Donato, obwohl sie heuer einen Liederabend gibt, wieder nicht berücksichtigt wurde und Elina Garanca sich offenbar zusehends von der Staatsoper verabschiedet (Anm.d. Red.: in der nächsten Saison singt sie laut Dir. Meyer eine Premiere). Ebenso ist es natürlich traurig, dass Christian Thielemann in der kommenden Saison wieder fehlen wird.

Und da bin ich bereits bei den vergebenen Chancen. Das beginnt bei den Neuinszenierungen. Der „Trovatore“ war sicher überfällig und dass „Pelleas et Melisande“ wieder kommt ist mehr als erfreulich. Dass mit „Armide“ ein eher seltener Gluck kommt, mag zwar inteessant sein, aber gerade bei Gluck sehe die Notwenigkeit nicht,  die „Musiciens du Louvre“ zu engagieren, hier wäre z.B. ein Monteverdi („Poppea“ oder zur Abwechslung einmal der „Ulisse“) interessanter gewesen. Nicht unbedingt notwendig, auch wenn ich kein Freund der Mielitz-Inszenierung bin, ist der „Parsifal“ und ein totaler Unsinn ist die Neuinszenierung des „Falstaff“, zumal die Marelli-Inszenierung durchaus brauchbar war.

Stattdessen wäre z.B. die Erweiterung des Strauss-Repertoires sinnvoll gewesen. Es hat doch geheissen, dass die Salzburger „Danae“ nach Wien kommt – statt Welser-Möst hätte halt wer anderer dirigieren müssen. Auch die „Ägyptische Helena“ wäre eine Möglichkeit. Hier hätte Thielemann dirigieren können, der damit vor längerer Zeit in London einen großen Erfolg feierte. Mit Thielemann hätte man auch darüber reden können, dass er, wenn man im vorige Saison schon den Wunsch „Hänsel und Gretel“ erfüllt hat, wenigstens diese Saison eine Neueinstudierung des „Palestrina“ macht.

Ebenso hätte man die zwar auch nicht gelungene Inszenierung der „Favorite“ mit Garanca und Florez wieder aufnehmen können. Was Jonas Kaufmann, der mir egal ist, betrifft, so verstehe ich irgendwie das Murren seiner Fans, dass es wieder „nur“ der Cavaradossi ist. Wie wäre es gewesen, hätte man ihn rechtzeitig (!) gefragt, ob er sich nicht vorstellen könne, den Paul in der „Toten Stadt“ zu singen. Wenn man dann noch René Fleming, die Mariettas Lied bei ihrem Liederabend im Jahr 2012 hinreissend gesungen hat, für diese Produktion gewinnen hätte können, hätte man viermal ein volles Haus gehabt und hätte nicht die niedrigste der Opernpreiskategorien (S) nehmen müssen. Und wenn man für Joyce Di Donato schon keine Neuinszenierung parat hat, hätte man doch zumindest in der „Barbier“ und/oder „Cenerentola“-Serie ihr Wiener Bühnendebut ermöglichen können.

Das sind nur einige wenige Beispiele – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – mit denen man, hätte man ein bisschen mehr Phantasie, den Spielplan, der diesmal doch etwas bieder ausgefallen ist, attraktiver gestalten hätte  können.

Heinrich Schramm-Schiessl

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