Der Neue Merker

WIENER STAATSOPER: „NABUCCO“

WIENER STAATSOPER:  „NABUCCO“ am 11.2.2017

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Leo Nucci. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Was kennt wahrscheinlich jeder Opernbesucher von Nabucco ? Natürlich den Gefangenenchor Vai, pensiero und der wurde zu Recht auch diesen Abend bejubelt. Es ist ja in dieser Oper nicht die einzige Aufgabe für den Chor und er erwies sich in allen Szenen als ein von Thomas Lang perfekt einstudierter Hauptdarsteller. Ihr Anführer Zaccaria war in dieser Serie erstmals in Wien Roberto Tagliavini. Er verfügt über einen echten, wenn auch nicht allzu schwarzen Bass und eine schöne Legatokultur. Die Abigaille zählt (zusammen mit der Odabella) wohl zu den vertracktesten Sopranpartien, die Verdi geschrieben hat. Sie benötigt einen großen Stimmumfang, durchschlagskräftige Höhe und zugleich eine höchst flexible Stimme. Anna Smirnova verfügt jedenfalls über eine sehr kräftige Höhe und auch die Sprünge über zwei Oktaven bereiten ihr keine Schwierigkeiten. In der letzten Arie zeigt sie, dass sie die Stimme auch zurücknehmen kann, auch wenn diese dann doch zu flackern beginnt. In den Ensembles fühlt sich aber Caroline Wenborne als Anna herausgefordert und hält mit der Protagonistin nicht nur mit, sondern sticht sie so manches Mal aus. Der junge Norweger Bror Magnus Tødenes ist ein sehr erfreulicher Ismaele mit leicht metallischer, gut ansprechender Stimme. Leider hat Verdi diese Partie nicht mir einer Arie bedacht. Als Fenena hat Ilseyar Khayrullova eine breite Tiefe zu bieten, aber den höheren Registern gerät die Stimme leicht außer Kontrolle. Nicht nur Startenöre verbringen ihren Geburtstag auf der Bühne, Benedikt Kobel als Abdallo lässt sich da sogar zu einem Mord an Sorin Coliban hinreißen. Dieser war als Oberpriester eingesprungen.

Am Sänger der Titelpartie, Leo Nucci, der schon vor sechzehn Jahren die Premiere dieser Produktion sang, sind Vor- und Nachteile des Alters gut ersichtlich. Während die Darstellung immer intesiver und beeindruckender wird, hat leider die notwendige Kraft stark abgenommen, um die Partie so zu singen, wie er es selbst gerne hätte.

Am Pult stand Guillermo Garcia Calvo. Er gab dem frühen Verdi die entsprechende Plakativität und ließ es recht ordentlich knallen, aber auch die schönen Cellokantilenen kamen nicht zu kurz. Wenn man an zwei Abenden hintereinander Otello und Nabucco hört, so ist eben die Entwicklung des Komponisten mehr als deutlich festzustellen.

Die Crux des Wiener Repertoiresystems ist an dieser Inszenierung von Günter Krämer gut feststellbar. Während bei der Premiere die Anspielungen auf Silvio Berlusconi noch allen im Publikum verständlich waren, wächst schön langsam eine Generation heran, der dieser Mann nichts mehr sagt.

Wolfgang Habermann 

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