Der Neue Merker

Wiener Staatsoper L`ELISIR D`AMORE von Gaetano Donizetti

Eine herzeigbare Adina: Andrea CARROLL Foto:M.Pöhn

Eine herzeigbare Adina: Andrea CARROLL   Foto:M.Pöhn

 

 

 

 

WIENERSTAATSOPER
L`ELISIR D`AMORE von Gaetano Donizetti

235.Aufführung in der Regie von Otto Schenk
24.Oktober 2017

Keine Frage, Schlafmittel ist das Dirigat von Evelino Pidò keines, weder für die aufmerksamen Philharmoniker im Graben, weder für den Chor oder das solistisch singende Personal auf der Bühne, aber auch schon gar nicht für die Zuhörenden. Der Dirigent hat seine klaren Vorstellungen über die Tempi einer solchen Buffa und versteht diese auch durchzusetzen und vermittelt uns das Feeling für diese so schwer umsetzbar gewordene Kunstform. Und eine Durchlüftung tut dieser etwas altbacken gewordenen Szene Otto Schenks, die ja schon in den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts im Theater an der Wien ein Festwochenprodukt darstellte und später mit angepassten Seitenteilen die breitere Staatsopernbühne füllte, hörbar aber auch sichtbar immer wieder gut.

Und die Vorzüge unseres Repertoirebetriebes konnte Evelino Pidó am Pult gut nützen mit dem Wissen um die Flexibilität des Staatsopernorchesters und unseres Chores (Martin Schebesta) um damit quasi probenlos mit diesen Klangkörpern in den Abend einsteigen zu können.

Zwei Rollendebüts gab es an diesem Abend: Die aus Maryland stammende Andrea Carroll konnte sich schon in kurzer Zeit im Sängerensemble der Staatsoper aber auch beim Publikum einen fixen Platz „ersingen“, ihr in allen Lagen sicher und gut klingender Sopran sowie ihr sympathisches Spiel strahlten auch an diesem Abend in der Rolle als Adina sofort ihre Wirkung nicht nur auf Nemorino aus. Und in der winzigen Rolle der Giannetta wurde aus dem Hausensemble Daniela Fally aufgeboten. Welch Luxus!

Renato Girolami (M.Pöhn)

Renato Girolami (M.Pöhn)

Ein vergnüglicher Dulcamara war auch mit Renato Girolami aufgeboten, einst auch Mitglied im Ensemble von Volks-und Staatsoper, inzwischen in die besten Buffojahre gekommener und europaweit gefragter Sänger seines Faches. Fraglos, er bringt für das so schwierige Amt,  Heiterkeit zu singen und darzustellen, den nötigen Respekt vor dem Werk und die richtige Stimme mit – und das ohne in stilfremden Klamauk zu verfallen.

Gabriel Bermúdez war dem Einspringen für den erkrankten Kollegen als Belcore zu danken, daher muss eine kritische Betrachtung seines Parts entfallen, ob aber sein rauer und unrunder Bariton den stimmlichen Anforderungen an die Rolle eines verliebten Gockel von Offizier standhält sei aber trotzdem hinterfragt.

Dass Jinxu Xiahou seine Partien penibel studiert hat, hört man und dafür ist er zu loben. Dass er als Nemorino teilweise nur wie der Klon eines tenore di grazia wirkt, ist ein anderes Kapitel, das Mittelmeer lässt sich nicht mit den chinesischen Meer verbinden, Mediterranes ist nur schwer kopierbar. Noch dazu lässt man ihm die mit unpraktikablen Verzierungen versehene große Arie singen statt das langsam ausklingende Original. Trotz allem Bemühens und auch so rührend herzigem Spiel: Man merkt die Absicht und ist…. nein, nicht verstimmt, aber um die ganze Italianitá dieser Rolle betrogen, noch dazu, wenn dem Tenor von Xiahou der Schmelz, die Süsse fehlt. Der Applaus nach seiner Arie fiel auch entsprechend aus…nämlich entsprechend minimal.

Ein Blick von den Höhen der Galerie in die Tiefen des Saales ergab viele leere Sitze – zu viele für die sonstigen Jubelmeldungen. Auch die Galeriestehplätze waren sehr ausgedünnt und gähnten nach der Pause noch mehr als sonst vor gespenstischer Leere, und das noch vor der berühmten Arie!

Und nur knapp vier Minuten Schlussapplaus sagt auch einiges aus. Schade!

Peter Skorepa
OnlineMERKER

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