Der Neue Merker

WIENER Staatsoper: „L ´ELISIR D´AMORE“ – Ein sehr guter Abend ohne Jonglierkünste, dafür mit Stimme.

WIENER STAATSOPER:  „L ´ELISIR D´AMORE“ am 25.6.2017

Ein sehr guter Abend ohne Jonglierkünste, dafür mit Stimme.

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Bryn Terfel, Jinxu Xiahou. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Das Ensemble der Wiener Staatsoper kann sich absolut hören lassen. Ja, man kann nach Absage eines großen Namens speziell in diesem Repertoire aber locker aus der Hausmannschaft besetzen. Das beste Beispiel war wohl in dieser Serie Jinxu Xiahou, ein noch sehr junger Tenor aus China, der allerdings schon als Rodolfo, Ital. Sänger und auch als Nemorino sein großes Können unter Beweis stellte. Ebenso auch wieder Sonntag Abend. Die Stimme ist sehr schön timbriert, technisch einwandfrei geführt. Die Pianokultur wird mit Herz und Seele eingesetzt, also alles da. Ja, dieser Nemorino kommt aus dem Volk des Dorfes und nicht vom Zirkus, so spielt er eben den verklemmten, tollpatschigen und grenzenlos verliebten Naiven in dieser Landgesellschaft. Das passt wunderbar zur Inszenierung, zum Text und, am Wichtigsten, natürlich zur Musik.       

Sein Konkurrent, der Beau Belcore ist eine Glanzpartie von Marco Caria, der inzwischen aus dem Ensemble der Staatsoper zum international gefragten Bariton reifte. Die Stimme des jungen Sarden ist immer noch geschmeidig für diese Belcantorollen, obwohl er schon bereits im großen Verdifach unterwegs ist. Caria bot wieder einen lustig und launig gespielten Schönling mit Prachtstimme und beachtlichen Höhen.

Adina ist eine der besten Partien von Valentina Naforniţă, da schwinden wieder die Bedenken nach ihrer Susanna. Heute sang sie alles ganz ausgezeichnet und spielte mit ihren Bühnenpartnern sehr lustig und animiert.

Der Wotan und Holländer, Bryn Terfel ist ein sehr trockener Dulcamara, er sollte sich doch mehr Schlückchen des angepriesenen Bordeaux gönnen, vielleicht wird’s dann etwas lockerer. Die Stimme scheint etwas ermüdet, natürlich kommt die Auftrittsszene rüber, aber das Ganze war doch sehr humorlos, auch die Schlitzohrigkeit des Quacksalbers ist wenig glaubhaft.  

Purer Luxus daneben ist Ileana Tonca, eine gesungene Adina als Gianetta, die aus ihrer Szene eine Studie gestaltete. 

Der Trompeter Alfred Gaal war wieder kräftig mit dabei und Walter Kunz war ein braver Diener seines Herren.

Am Pult wieder einmal unser Guillermo Garcia Calvo, heute bereits GMD in Chemnitz. Und wie immer lag die musikalische Leitung bei ihm in besten Händen. Chemnitz hat einen sehr guten Musiker bekommen. Dem entsprechend gut spielte das Orchester und der Chor quoll über vor Spielfreude. Die Regie von Otto Schenk, oder das Gerüst davon ist immer noch perfekt und übersteht sicher locker so manch progressivere Intendanzen. 

Auch das Publikum war animiert und klatschte heftig auch Szenenbeifall, heute verpönt, warum?, diese Stücke haben echte Abschlüsse, es ist die Frage der Interpretation des Maestro es zuzulassen, Calvo ein Maestro für die Künstler auf der Bühne, ist voll dabei. So kann sich auch ein Sänger nach einer nicht unanstrengenden Arie auch ein wenig „ausschnaufen“ und freut sich, dass es gut ankam. Das ist absolut legitim.    

Elena Habermann

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