Wiener Staatsoper: „HÄNSEL UND GRETEL“, wieder mit GMD

by PSkorepa | 6. Januar 2017 22:11

Chen Reiss und Margaret Plummer (Foto: Wr.Staatsoper)

Chen Reiss und Margaret Plummer (Foto: Wr.Staatsoper)

Wiener Staatsoper    
Engelbert Humperdinck “HÄNSEL UND GRETEL”
5. Januar 2017

9. Aufführung in der Regie von Adrian Noble

 

Ein Generalmusikdirektor als Märchenerzähler

 

GMD Alex Kober beim Künstlergespräch im MERKEROnline

GMD Alex Kober beim Künstlergespräch im MERKEROnline

Ein Generalmusikdirektor stand wieder am Pult der Wiener Philharmoniker, auch wenn sich die Staatsoper dafür mit fremden Federn schmücken musste. AXEL KOBER, GMD an der Deutschen Oper am Rhein und dort für die musikalische Führung gleich zweier Häuser verantwortlich, des Düsseldorfer Opernhauses und des Theaters von Duisburg, ersteres mit 1.296 und letzteres mit 1.117 zu füllenden Plätzen. Der Künstler war vor wenigen Tagen in der MERKEROnline-Galerie zu Gast, das Interview können Sie demnächst bei uns lesen.

Keine Frage, es war das Naheverhältnis des Dirigenten auch zur Musik Richard Wagners, die den GMD seit 2013 zu erfolgreichen Gastspielen nach Bayreuth führte, ja es ist auch aus seinem Dirigat für diese Märchenoper heraus zu hören: Ein durchwegs packender Zugriff, ein vorantreibender Melos kennzeichnete die Wiedergabe dieser wagnergetränkten Partitur, ohne dass der Märchenton der Zwischen- und Vorspiele darunter gelitten hätte.

Gleich zu Beginn mussten sich, wetterbedingt verkühlt, die Hexe und der Besenbinder ansagen lassen, was Sebastian Holecek – mit Ausnahme einiger Hustenanfälle – nicht daran hinderte, das Rollenbild des seltsamen Underdogs aus dem Harz mit ausladender Stimme zu gestalten, der schon einmal nach guten Tagesgeschäften mit leckerem Abendbrot heimkehrt, aber auch gleich nach dem Besen langt, um seiner Gertrud damit eine überzuziehen, wenn sie ihm nicht pariert.

Schlimmer hat es Michaela Schuster erwischt, in der Tiefe wenig hörbar, in der Höhe schrill, so überstand sie den Abend im Kampf gegen die Indisposition – wobei manche der schrägen Töne ganz gut zur Knusperhexe passten.

Donna Ellen bekam die Klagen über ihr trauriges Leben ganz gut hin, nicht sonderlich auffällig beteiligten sich Margaret Plummer als Hänsel und Chen Reiss als Gretel an Spiel und Gesang. Dafür sah man ein von Kopf bis zur Sohle perfekt gestyltes Auftreten des Sand- und Taumännchens, deren Einwürfe mit präziser Gesangslinie von der jungen Ukrainerin Maria Nazarova vorgetragen wurden.

Die Inszenierung hat eindeutig ihre Stärken im ersten Teil einschließlich der so zauberhaft umgesetzten Ouvertüre, wogegen der zweite Teil mit den Hexenszenen fast einschläfernd wirkt. Das ist von Oper 4.0 weit entfernt, weil phantasielos. Auch wäre gerade bei den Hexenszenen eine Verstärkung der Stimme der Hexe angesagt. So kriegt man Kleinkinder und Jugendliche nicht vom Fernseher oder von den Smartphones weg!

Die Staatsoper war rammelvoll – bis zur Pause. Mit dieser Inszenierung kann man leider die schlechten Sichtverhältnisse an den Seiten nicht überbrücken. Mit etwas mehr Aktionen und Phantasmagorien wäre dieses Stück vielleicht in der Walfischgasse für die Kleinen und Kleinsten besser aufgehoben. Die Großen haben ja sowieso ihren Wagner pur.

Peter Skorepa
MERKEROnline

 

Source URL: http://der-neue-merker.eu/wiener-staatsoper-haensel-und-gretel-wieder-mit-gmd