Der Neue Merker

Wiener Staatsoper: Gioachino Rossini L`ITALIANA IN ALGERI

Elena MAXUMOVA und Luca PISARONI Foto: M.Pöhn)

Elena MAXIMOVA und Luca PISARONI      (Foto: M.Pöhn)

Wiener Staatsoper
Gioachino Rossini   L`ITALIANA IN ALGERI

94.Aufführung nach einer Regie von Jean Pierre Ponnelle
Am 26.Oktober 2017

 

Es war vor bald sechs Jahrzehnten, am 8.März 1959, da lernten die Wiener Opernfreunde anlässlich der Premiere der Opernzwillinge Cavalleria und Bajazzo den Bühnenzauberer Jean Pierre Ponelle als profunden Hersteller optischer Bildwirkungen kennen, dem bald auch gelungene Regiearbeiten folgten. Manuel Brug nannte ihn in einem Essay in der Welt vierzehn Jahre nach dem frühen Tod des Künstlers 1988 einen „Triebtäter, ein mit Sinn für Opulenz (die freilich kalkuliert eingesetzt wurde) und dem Überrumpelungseffekt operierender, naiver wie abgefeimter, theaterpraller und personenführungsbegabter Liebhaber der Oper – er fehlt heute schmerzlich auf der Regieszene“.

Und er fehlt uns heute noch mehr und schmerzlicher! Der Wirkung seiner großformatigen Bühnengestaltung kann man sich auch heute nur schwer entziehen, dem Aha-Effekt bei der Öffnung der gesamten Bühnenöffnung, der großzügigen Architektur bis unter die Galerie. Das mag heute alles bereits ein Wagnis an Kostenaufwand und Nachhaltigkeit hinsichtlich der Erhaltung und Aufstellung darstellen, ein Wagnis über das damals, zu Direktor Dreses Zeiten, nicht sonderlich diskutiert werden musste, heute aber in Zeiten eines Minimalismus und Symbolismus der optischen Gestaltung wie ein Gruß aus besseren Zeiten wirkt. Man denke dagegen nur an die – man verzeihe mir die harsche Bezeichnung – mickrige und lächerliche Bebilderung der letzten Verdi-Premiere in diesem Haus.

Sieht man vom Tenor, Antonino Siragusa als Lindoro ab, war es ein Abend der Rollendebüts für alle, ein Abend, der aber vom Publikum nicht gerade gestürmt wurde, waren doch eine ganze Menge an Seitensitzen, hinteren Logen und Parterreplätzen unbesetzt und die Galeriestehplätze (immerhin ein Gradmesser) bestenfalls zu einem Viertel voll. Nein, das Künstlerkollektiv hat sich diese „Missachtung“ nicht verdient, ganz im Gegenteil, Evelino Pidó am Pult sorgte von der Ouvertüre weg mit dem wirkungsvollen Schwung, mit dynamischer Schattierung und mit hilfreicher Begleitung für Erfolg.

So etwa stand der Dirigent Elena Maximova als Isabella hilfsbereit zur Seite, als er die funkelnde Brillanz ihrer nicht gerade an Karaten sprich Lautstärke prunkenden Arien mit einer sorgsam abgestuften Orchesterbegleitung richtig hörbar machte und zu kleinen Kostbarkeiten formte. Und Luca Pisaroni fehlte es zwar an der Tiefenwirkung eines richtigen Bassbuffos, war ansonsten aber ein launiger und sympathischer Mustafà mit kräftigem Bariton mit einem gelungenem und mit Sonderapplaus bedachtem Blumenwurf. Und als seine verstoßene Gemahlin Elvira setzte sich die Tasmanierin Bryony Dwyer mit ihrem hellen Sopran in den Ensemblestellen durch, die der Maestro alle, vor allem jenem im ersten Finale angemessenen Rossinischen Schwung verlieh.

Orhan Yildiz gab den Taddeo, der Dank Stimme und Jugendlichkeit für einen Cicisbeo Isabellas mehr Glaubwürdigkeit aufwies, als seine bisherigen Rollenvorgänger. Der Schweizer Manuel Walser profitierte in der Gestaltung des Haly nicht nur von der Ausbildung bei Thomas Quasthoff sondern auch von seinem Spieltalent. Und zuletzt machte der junge venezianische Mezzo Miriam Albano als Zulma seine/ihre Sache sehr gut.

Antonino SIRAGUSA als Lindoro  (Foto: M.Pöhn)

Antonino SIRAGUSA als Lindoro (Foto: M.Pöhn)

Und last but not least Antonino Siragusa, keineswegs mehr ein tenore di grazia sondern schon zu einem Spinto reifend, aber noch immer genug beweglich in seiner Stimme für seine Koloraturen und Fiorituren und für Höhenglanz.

Mit hörbarem Einsatz arbeiteten an den Pulten die Mitglieder des Staatsopernorchesters, war doch auch Pidó sichtlich hinter jedem Detail her, und dem Chor der Staatsoper machte die lebendige Regie offensichtlich Spaß.

Viel Zwischenapplaus für eine amüsante Darbietung, rund fünf Minuten herzlicher Schlussapplaus.

Peter Skorepa
OnlineMERKER

Diese Seite drucken