Der Neue Merker

WIENER STAATSOPER: ARIADNE AUF NAXOS

Ariadne_auf_Naxos_103973_GOULD
Stephen Gould. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

WIENER STAATSOPER:  „ARIADNE AUF NAXOS“ am 26.11.2017

In der sehr gelungenen Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf lief das delikate Strauss/Hofmannsthal-Werk zum 22.Mal über die Bühne.

Und das Delikate der Partitur wurde durch das 37-köpfige, glänzend aufgelegte Staatsopernorchester unter der musikalischen Leitung von Peter Schneider besonders betont. Der Dirigent tupfte im Vorspiel die Musik, die überwiegend vom Parlando der Sänger bestimmt wird, wie ein Pointilist die Farben auf die Leinenwand. Dafür steigerte er in der Oper die Melodie bis zur Apotheose des Schlussduetts organisch. Hier verdichten sich Orchesterklang und Sängerstimmen zu einem besonderen Höhepunkt. Wieder einmal zeigte der Altmeister, wie man  Sänger begleitet und den herrlichen Strauss- Klang erzeugt. Von den jüngeren Kapellmeistern können das nicht mehr Viele!

Peter Matic ist mit seiner individuell geprägten, leicht nasalen Sprechstimme der ideale arrogante Haushofmeister. Der Musiklehrer von Markus Eiche ist ein gestandener Mann, der versucht, seinen lebensunerfahrenen Schüler auf dem Boden der Tatsachen zu halten. Seine klare, leicht anspringende, schön gefärbte Baritonstimme mit vorzüglicher Diktion begeistert. Das kann man von der Stimme des Komponisten nicht durchgehend behaupten. Der sehr helle Mezzo Rachel Frenkels zeigt wenig Farbe und wird zu forciert eingesetzt. Immerhin weiß sie ihre Qualen optisch darzustellen. In den kleineren Rollen stechen Thomas Ebenstein als hellstimmiger Tanzmeister mit köstlicher Darstellung und Markus Pelz als ironischer Lakai mit angenehmem Bass hervor. Wolfram Igor Derntl als geohrfeigter Perückenmacher und Daniel Lökös als Offizier ergänzen ideal.

Als Ariadne reüssiert in der Oper die schlanke Meagan Miller, die kurzfristig eingesprungen ist. Ihre technisch einwandfrei geführte jugendlich-dramatische Stimme besitzt den erforderlichen Strauss-Glanz und ist von der Tiefe des Totenreichs bis zur Höhe des Hermes gleichermaßen gut durchgebildet. Ihr zur Seite bietet Stephen Gould als Bacchus eine besondere Leistung. Wie die baritonal-dunkle Heldentenorstimme strahlt und organisch mit ungeheurer Leichtigkeit in die Höhe gleitet, ist einfach hinreißend. Ohne jeden Druck werden die glanzvollen Töne erzeugt. Bei diesem Künstler gilt das unter Opernkennern geflügelte Wort von der Unsingbarkeit dieser Partie nicht. Man meint vielmehr, dass es sich um eine Selbstverständlichkeit handelt, diese Rolle zu singen. Erin Morley hat in Wien gegen große Vorbilder in der Partie der Zerbinetta anzukämpfen. Sie besteht durchaus mit ihrer Leistung. Eine hübsche, kokette und humorvolle Figur stellt sie auf die Bühne. Und sie besitzt die erforderliche Geläufigkeit der Gurgel für diese himmelstürmende Partie. Leicht perlen die Koloraturen, sie lässt aber auch schöne Lyrismen hören. Ein homogenes Nymphenterzett (Maria Nazarova, Ulrike Helzel und Olga Bezsmertna) erfreuen Auge und Ohr, wobei die zarte Nazarova mit ihrem hellen Klang hervorsticht. Das Buffoquartett mit dem hübschen lyrischen Bariton von Martin Walser als Harlekin, den beiden sicheren Tenören Peter Jelosits und Pavel Kolgatin als Scaramuccio und Brighella und dem zurückhaltenden Bass von Ryan Speedo Green überzeugen.

Viel Beifall für die Protagonisten und den herausragenden Dirigenten!!

Johann Schwarz                 

Diese Seite drucken