Der Neue Merker

WIENER STAATSOPER: ANNA BOLENA mit Edita Gruberova

 WIENER STAATSOPER: „ANNA BOLENA“ am 9.10.2015

Ein spannungsreicher Abend

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Edita Gruberova als „Anna Bolena“. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Evelino Pido ist ein Glücksfall für die Pflege des Belcanto. Der in der Ära Meyer sehr oft eingesetzte Maestro probt auch mit Hingabe und Liebe zu den Werken mit den Sängern und dem Orchester, und erreicht damit das Maximum.

Als Enrico hörte man erstmals Marco Vinco mit etwas rauen, aber angenehm timbrierten Bass, der stilistisch sehr schön geführt wird. Darstellerisch ist er mehr frisch Verliebter als brutaler Herrscher. Seine neue Gespielin und Mutter seines einzigen Sohnes ist die Belcantospezialistin Sonia Ganassi. Sie gestaltet die Rolle der Giovanna Seymour mit großem, sehr schlank geführten Mezzo mit enormer Höhe und beeindruckender Tiefe, darstellerisch spielt die hübsche Frau natürlich ihre optischen Vorteile aus, kann aber auch voll überzeugen, wenn sie das schlechte Gewissen ihrer Königin gegenüber plagt. Eine großartigen Abend hatte Margarita Gritskova als unglücklicher Page Smeton. Nach ihrer guten Leistung als Angelina steigerte sie sich nochmals und reiht sich somit in die vorderste Reihe der Belcantosängerinnen ein. Celso Albelo, ein echter Belcanto Tenor, allerdings über den Tenore di grazia schon etwas hinaus, konnte als Riccardo Percy voll überzeugen. Stilistisch großartig und höhensicher beeindruckten alle seine Szenen. Noch nicht so ganz zum Belcanto gefunden hat Ryan Speedo Green als Annas Bruder Rochefort. Er klang wie leider oft etwas spröde und derber als die anderen Kollegen. Carlos Osuna als Sir Hervey, der Überbringer schlechtester Nachrichten, singt diese allerdings mit schöner Stimme.

In der Titelrolle erlebten wir Edita Gruberova. Auch hier merkte man die Arbeit des Maestros. Die Stimme klang  weit besser als an diversen vorangegangenen Abenden. Dass die Zeit weiter voranschreitet kann man nicht wegleugnen, aber diese  „Anna Bolena“ war eine gelungene Performance.

Das Orchester spielte einfach hinreißend schön und gefühlvoll, der Chor, ganz speziell der Damenchor sei einmal mehr gelobt.

Elena Habermann

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