Der Neue Merker

WIEN / Winterpalais: JAN III. SOBIEKSI

Sobieski Plakat xx~1

WIEN / Winterpalais: 
JAN III. SOBIEKSI
EIN POLNISCHER KÖNIG IN WIEN
Vom 7. Juli 2017 bis zum  1. November 2017 

Der Retter des Abendlands

„Noch ist Polen nicht verloren“, hieß es immer wieder in der Geschichte des so oft zerstückelten Landes. Dass das „christliche Abendland“ 1683 vor Wien nicht verloren ging, dankte man einem polnischen König: Dass er sich mit seinem Heer aufmachte, um sich den Türken entgegen zu stellen, entschied in der Schlacht vom Kahlenberg den Sieg der „Katholischen Liga“, der vereinigten polnischen, kaiserlichen und deutschen Truppen. Doch man weiß von Jan III. Sobieski hierzulande im allgemeinen auch nicht mehr, als dass er „der Retter“ war. Dem hilft eine Ausstellung im Winterpalais ab, die vom Belvedere ausgerichtet wurde – letztmals in diesen Räumlichkeiten, wie es heißt.

Von Heiner Wesemann

Jan Sobieksi    Sobieski, am 17. August 1629 in Olesko, das heute in der Ukraine liegt, geboren, stammte aus einem angesehenen polnischen Adelsgeschlecht. Das hätte in einem Land, das seit Jahrhunderten ein Wahlkönigtum war, nicht unbedingt für das höchste Amt ausgereicht. Doch der glänzend ausgebildete Sobieski, der sich auf Reisen durch Europa zusätzlich bildete, konnte sich im Dienst des damaligen polnischen Königs in vielen Schlachten bewähren. Als Botschafter im Osmanischen Reich lernte er Kultur und Strategien der Türken kennen. Es fehlte nicht an Kriegen, ob gegen die Schweden, gegen die Russen, gegen die Osmanen, und Sobieski stieg dankt seiner Leistungen als Feldherr immer höher in der Hierarchie. Als der polnische Thron 1674 wieder einmal frei wurde, wählte man ihn zum König, ein Amt, das er bis zu seinem Tod am 17. Juni 1696 in Warschau inne hatte. Die Ausstellung zeigt auch die Urkunde seiner Wahl.

Sobieksi Raum 1~1
Fotos: Belvedere

Sein größter Sieg    
Das Zentrum der Wiener Ausstellung, die von den Kuratoren Maike Hohn (Belvedere) und Konrad Pyzel (Museum Schloss Wilanów) mit rund 100 Kostbarkeiten bestückt wurde, ist natürlich die Schlacht um Wien, zweifellos Sobieskis größte Tat. Kaiser Leopold I. hatte in Voraussicht Ende Mai 1683 ein Offensiv- und Defensiv-Bündnis mit ihm geschlossen. Dieses Dokument zählt zu den Kostbarkeiten, die das Haus-, Hof- und Staatsarchiv zur Ausstellung beigesteuert hat, der vorangegangene Brief des Kaisers an den polnischen König kommt aus dem Warschauer Zentralarchiv. Und der Verbündete (von dem es auch Zeichnungen zur Schlachtordnung gibt!) ließ die Stadt Wien, die in mehrwöchiger Belagerung von den Türken fast hoffnungslos eingeschlossen schien, nicht im Stich. Von der Entscheidungsschlacht am 12. September 1683 gibt es nicht nur eindrucksvolle Gemälde von Gonzales Franciscus Casteels und Martino Altomonte, sondern auch eine ganze Serie von Kupferstichen mit Einzelszenen des Kampfes. Und natürlich sind die die Gegner Sobieksi und Kara Mustafa dargestellt, wie auch die Siegesbeute der überstürzt fliehenden Türken – Schilde, Standarten, Sättel, Pulverhorn, Gewänder, alles vom Feinsten. Man sieht auch ein Beispiel der polnischen Ausrüstung: Ein „Hetmanzeichen“ in Sobieskis Arme wirkt mit seinen Schwung- und Adlerfedern wie ein Indianerschmuck…

Sobieski Hetman Sobieski Familie 2

Sobieski privat       Man wird nicht oft Gelegenheit haben, Liebesbriefe aus dem 17. Jahrhundert zu lesen, aber der Computer übersetzt das Original für den Ausstellungsbesucher. Tatsächlich hat es sich bei  Sobieski und Maria Casimire (auf Polnisch: Kazimiera) d’Arquien um eine Liebesehe gehandelt. Die französische Adelige war Hofdame bei der vorangegangenen polnischen Königin gewesen, bevor sie Sobieski heiratete, der sie später zur Königin machte. Es gibt höchst reizvolle Bilder von ihr wie auch von den Kindern des Paares. Maria Casimire hat nicht nur Sobieskis Vorliebe für Frankreich verstärkt, sie war ihm auch eine wichtige politische Verbündete, wobei sich allerdings der Traum der beiden nicht erfüllte, die Krone für die „Dynastie“ zu sichern – nach Sobieski kam nicht einer seiner Söhne, sondern August der Starke, also die Wettiner, die Deutschen.

Die barocke Welt des Geistes und der Künste    Wie übergreifend die künstlerischen Ambitionen barocker Fürsten waren (sofern ihr persönliches Niveau sie dazu prädestinierte), zeigt nicht zuletzt die „Wanderung“ der Künstler durch Europa – Sobieskis Hofmaler Martino Altomonte (1659–1745) kam bald nach dessen Tod um 1700 nach Wien – und nun war es Prinz Eugen, in dessen Dienste er trat… Nicht nur die eindrucksvolle Gemälde- und Porträtsammlung, die in dieser Ausstellung präsentiert wird, auch zahlreiche kunstgewerbliche Objekte zeugen vom Kunstsinn des Herrschers, der auch viele Wissenschaftler um sich versammelte. Jenes Schloss Wilanów, das Sobieski prachtvoll hatte ausstatten lassen und in dem er starb, hat später kein Geringerer als Bernardo Bellotto gemalt.

Das Winterpalais     Wieder einmal passt sich eine Ausstellung ideal in die Räumlichkeiten des Winterpalais des Prinzen Eugen ein. Denn der Savoyer war im Jahr 1683, vom französischen König verächtlich entlassen, noch nicht 20jährige nach Wien gekommen, um den Habsburgern seine Dienste anzubieten. Diese konnten sie angesichts des Türkenkrieges gut brauchen – und so verdiente sich der junge Mann, der später einer der genialsten Feldherren seiner Zeit sein sollte, ohne militärische Erfahrung hier seine ersten militärischen Sporen. Ob er Sobieksi je begegnet ist, weiß man nicht, man möchte es gerne vermuten. Dass die beiden als Militärs und Kunstsammler viel gemeinsam hatten, steht fest. Im Palais des Prinzen Eugen findet sich Jan III. Sobieski für seine Wiener Würdigung jedenfalls im richtigen Umfeld.

 JAN III. SOBIESKI Ein polnischer König in Wien
Winterpalais, 7. Juli bis 1. November 2017  
Täglich 10 bis 18 Uhr, Freitag bis 21 Uhr

 

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