Der Neue Merker

WIEN / Volx-Margareten: DER LECHNER EDI SCHAUT INS PARADIES

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Foto: lupispuma_com

WIEN / Volx-Margareten
(Vorstellung für die Bezirkstournee des Volkstheaters)
DER LECHNER EDI SCHAUT INS PARADIES von Jura Soyfer
Premiere: 24. November 2017

„Der Lechner Edi schaut ins Paradies“, 1936 in der Wiener Literatur am Naschmarkt uraufgeführt, ist eines von fünf Stücken von Jura Soyfer (1912 – 1939), und die Literaturwissenschaft schätzt es besonders. Vielleicht um des Ausgangspunkts wegen, der so sehr an Horvath erinnert: Der Lechner-Edi, den man an einer Donaukanalbrücke mit seiner Freundin Fritzi kennen lernt, ist seit sechs Jahren arbeitslos und entsprechend wütend. Vor allem auf die Maschinen, die ihn seinen Job gekostet haben, wie er meint.

Allerdings bleibt das Stück nicht auf dem Boden Realität, wenn dann der „Elektromotor Pepi“ auftaucht und mit Edi eine Zeitreise in die Vergangenheit antritt, in der Dr. Galvani, Galileo Galilei, Christoph Kolumbus und Johann Gutenberg auftauchen, bis man beim Portier des Paradieses anlangt.  Das kann dann gut und gern als eine kabarettistische Revue und nicht mehr betrachtet werden – je nachdem, wie man es angeht.

Wenn nun das Volkstheater für seine Bezirksaufführung den „Lechner Edi“ ansetzt und Christine Eder für ihre politisch-kritischen Inszenierungen bekannt ist, dann hätte man durchaus einen ernsthaften Ansatz erwartet – denn was vor 80 Jahren die Maschinen waren, sind heute die Computer, und sie setzen den Menschen in Konkurrenz um die realen Arbeitsplätze noch mehr zu… da hätte man doch ein paar Analogieschlüsse herausarbeiten können.

Aber seltsamerweise wird man das Publikum der Bezirke (die Premiere war wie immer im Alternativ-Tempel Volx) mit einer knappen Spielstunde und etwas Geblödel auf einer vollgemüllten Bühne (Monika Rovan) – schon wieder einmal! – abspeisen. Allein ein Viertel der knappen Zeit, die man sich für den Abend gibt, wird dazu benützt, die fünf Darsteller irgendwelche läppischen Zirkuskunststücke parodieren zu lassen und dann mit Bechern im Zuschauerraum herumzugehen – manche gute Seele wirft dann „in echt“ einen Euro hinein…

Dann geht es mit einer rudimentären Fassung des „Lechner Edi“ los, wobei der bullige Thomas Frank durchaus der Typ für den aggressiven Proletarier ist. Zwischen ihm und dem schmalen „Elektromotor“ von Christoph Theussl rennt der Schmäh aufs schönste, aber mehr ist schon nicht zu berichten. Ein bisschen parodierte Zeitreise, ohne zur Aussage vorzudringen, dazu eine verheizte und verschenkte Evi Kehrstephan (und die kann doch wirklich gut sein) und zwei Stichwortbringer (Adrian Hildebrandt und Thomas Butteweg, wobei dieser auch die Trommel schlägt).

Kaum begonnen, ist es schon wieder aus. Schade, dass Jura Soyfer dem Volkstheater nicht mehr wert war.

Renate Wagner

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