Der Neue Merker

WIEN / Volkstheater – Volx: SUPERHELDINNEN

Superheldinnen die 3 stehend x 
Fotos: © Robert Polster / Volkstheater 

WIEN / Volkstheater – Volx / Margareten: 
SUPERHELDINNEN von Barbi Marković
Bühnenfassung Bérénice Hebenstreit und Andrea Zaiser mit Barbi Marković
Uraufführung
Premiere:  4. Februar 2017

Sie weiß, wovon sie erzählt: Barbi Marković ist selbst von Belgrad nach Österreich gekommen, sicher auf der Suche nach einem besseren Leben wie ihre drei Heldinnen auch, nur sie hat es geschafft: Ihr Roman „Superheldinnen“ fand bemerkenswert viel Beachtung und Anerkennung. Dass er sich in einen frechen, wirren, witzigen Theaterabend verwandeln lässt, beweist Bérénice Hebenstreit als Co-Bearbeiterin und Regisseurin mit ihrer Inszenierung im Volx /Margareten. Schließlich treffen sich Mascha, Direktorka und Marijas Enkelin, die im Buch die Erzählerin der Geschichte ist, auch jeden Samstag in Margereten, am Siebenbrunnenplatz. Den gibt es, das Café Sette Fontane ist erfunden, aber seinesgleichen findet man überall. Übrigens, das Romanhafte, Erzählende hat man dem hundertminütigen Theaterabend gelassen, die drei Superheldinnen erzählen und spielen ihre Geschichte zugleich.

Drei junge Frauen aus Belgrad und Sarajewo sind, eine mit Umweg über Berlin, nun in Wien. Das arme Rote Wien von heute, das sich so politisch korrekt, so offen und aufgeschlossen, so fremdenfreundlich gibt – es erntet zu Beginn nur Spott und Hohn für seine krampfhaften Bemühungen. Die Werbesprüche, die mit Inbrunst heruntergebetet werden, wirken wie vitriolgetränkte Parodie – bis sich am Ende herausstellt, dass genau das gewünscht wird, das Leben aus der Werbung, der saturierte Mittelstand, das wäre doch schön…

Aber noch haben die drei, die da – nur mit ihren Stühlen als „Requisiten“ – andauernd über die Bühne fegen, nur das Migrantenschicksal zu erleiden  (wobei die Regie ihnen keinerlei Akzent gibt – das wäre auch zu billig). Schlecht bezahlte Arbeit und das Ausschlachten der magischen Künste, die sie aus dem Balkan mitgebracht haben, von Oma Marija, von der Lehrerin Rabija, die irgendwann einmal halbiert (vertikal aufgeschnitten) vorgefunden wurde…

Das ist auch im Roman der doch recht unsinnige  Teil der Geschichte, und doch nicht: Dass die drei in einer Astro-Zeitschriften eine Glosse für schlichte Esoterik-Fans schreiben, kann man glauben. Dass sie sich einbilden, sie könnten per „Blitz des Schicksals“ und gar einer „Auslöschung“ in das Leben von Mitmenschen eingreifen, das sind wohl eher die Träume der Schwachen.

Es ist ja auch nicht wirklich ernst gemeint, was Barbi Marković da erzählt, zuletzt von der großen Schicksalswende, dass die drei – von den Energieströmen ihrer Leserinnen gestützt (!) – dann im Kasino das gewaltige Geld gewinnen, das ihnen das ersehnte Mittelstandsleben erlaubt…

Superheldinnen die 3 mit Sessel x

Aber man stößt sich auf dem Theater noch weniger an die albernen Ingredienzien der Story, weil Regisseurin Bérénice Hebenstreit (vor einem Bühnenbild von Ausstatterin Mira König, das auf fünf beweglichen, rotierenden Paneelen die Ansicht der Karlskirche und des Teiches davor zeigt) von Anfang an den ironisch-unernsten Ton anschlagen lässt, den die reine Handlung verlangt. Dass man dennoch immer wieder aufhorcht, weil zwischen dem Unsinn reale Erkenntnisse und Verhältnisse reflektiert werden, gibt der Sache zusätzlich zum gebotenen Schwung (es wird auch viel gesungen) noch etwas Würze.

Die Stärke des Abends, der zu viel Schnokes bietet, um Migrantinnen-Schicksale wirklich reflektiert hinzustellen, wohnt in den drei Interpretinnen – grundverschieden, aber als Schauspielerinnen und Persönlichkeiten absolut gleichwertig, bereit zu einem fugenlosen Zusammenspiel, das fast etwas Choreographisches hat. Seyneb Saleh mit blau gefärbtem Haar als Mascha, gewissermaßen die Vernünftigste, Nadine Quittner als Direktorka, die Hektischste, und die blonde „Erzählerin“ Katharina Klar als Marijas Enkelin, wohl die (scheinbar ungewollt) Komischste. Ein perfektes Terzett. Das Publikum jubelte ihm zu.

Renate Wagner

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