Der Neue Merker

WIEN/ Volksoper: WIE MAN KARRIERE MACHT, OHNE SICH ANZUSTREGEN… Premiere

Wiener Volksoper: 25.2. 2017: „WIE MAN KARRIERE MACHT, OHNE SICH ANZUSTRENGEN“ – ja bitte, mit einem gewissen berechnenden Charme

wie2
Matthias Schlung. Copyright: Wiener Volksoper

Wollen auch Sie auf so einer Welle reiten wie „Wie man Karriere macht, ohne sich anzustrengen“? Sollten Sie nicht bei einer Partei sein, werden Sie sicher scheitern. Sonst aber, nicht gerade anspruchsvoll, doch mit Show-Standards ganz gut vertraut, dem Outrieren nicht abgeneigt und von lockerer Kost angetan, könnte jetzt ein Besuch in der Wiener Volksoper recht vergnüglich ausfallen. Mit einem Trip in die Häuserschlucht von New York, hinein in den Skyscraper der World Wide Woppel Company, mit dem Lift rauf, von Stockwerk zu Stockwerk, höher und höher, und dort werden wir diesen L. Pierrepont Finch treffen, der es mit Hilfe eines simplen Karriere-Ratgeberbüchleins im Eiltempo schafft, vom kleinen Fensterputzer zu einem Großmaul-Chef aufzusteigen. Volksopern-Chef Robert Meyer hat sich da bereits eingelebt, sitzt schon pampig hier als griesgrämiger und nach Seitensprüngen ausschauender J.B.Biggley, der als CEO das große Wort führt und der richtigen Verbindung wegen (hier: das College der ‚Grizzlies‘) diesem wendigen Finch seine Karriere ermöglicht.

Über ein halbes Jahrhundert geht es diesmal in der Volksoper zurück. Nicht ins alte heimische Operettenreich, sondern ins Musicalland USA. Auf den Broadway, 1961. Mit der American Dream-Parodie „How to Succeed in Business Without  Really Trying“ ist Songwriter Frank Loesser („Guys & Dolls“, das Filmmusical „Hans Christian Andersen“) ein weiterer Hit geglückt. Alle diese glatten und beflissenen US-Bürotypen hier mögen vielleicht nicht allzu sympathisch sein. Doch von Regisseur Matthias Davids und Dirigent Joseph R. Olefirowicz werden sie sehr wohl zum übereifrigen Agieren mit grotesker Mimik angetrieben. Weit fescher wirken da jedoch schon die chicen Mädels des flotten Piratenballetts in der Choreographie von Melissa King. Nun, aber auch die hochgewachsene, schrecklich schrill wispelnde und penetrante Schreckschraube Hedy LaRue (ein absolut perfektes Hausdebüt von Ines Hengl–Pirker) hat ihre verführerischen erotischen Reize. Frank Loessers Musik verführt zwar nicht wirklich, doch sie illustriert stets bunt und schwungvoll und aufputschend das irre (schließlich wohl aber doch ermüdende) Auf und Ab des Geschehens.

Als diesen umtriebigen Finch schleudert es Mathias Schlung von Position zu Position. Mit einschmeichelndem Dackelblick zuerst, als ein die Sympathien gewinnender Wendehals mit dem gewissen berechnenden Charme. Später dann passt er sich aber schon dem coolen Angeberstil in der Chefetage an. Schlung hatte auch schon vor drei Jahren die Rolle des Finch verkörpert, als diese Gemeinschaftsproduktion von Volksoper und Staatsoper Hannover in Deutschland Premiere feierte. Mit nach Wien gekommen ist ebenfalls die von Mathias Fischer–Dieskau entworfene eindrucksvolle Wolkenkratzer-Szenerie. Man muss sie ja nicht lieben, diese biederen amerikanischen Durchschnittstypen in ihrem Big Business-Wahn – bei ihrem Einstand in der Volksoper sind sie aber jedenfalls sehr positiv aufgenommen worden.

Meinhard Rüdenauer

Diese Seite drucken