Der Neue Merker

WIEN/ Volksoper/ Staatsballett: MARIE ANTOINETTE – Verinnerlichung in einer Patchwork-Packung

Ballett in der Volksoper:

5.11.2017: Wiederaufnahme von „MARIE ANTOINETTE“ – Verinnerlichung in einer Patchwork-Packung

Bildergebnis für staatsballett marie antoinette. yakovleva
Maria Yakovleva. Copyright: Wiener Staatsballett
„Marie Antoinette“, das 2010 für das Wiener Staatsballett kreierte zweiteilige Tanzstück von Patrick de Bana kehrt diese Saison, wohl auch anlässlich des Maria Theresia-Jahres, für fünf Abende in die Volksoper zurück. Nicht ganz so leichte oder gar angenehme Kost für das Publikum des Hauses. De Bana ist ein Choreograph mit fordernder großer dynamischer Kraft und Instinkt für impulsive wie aufputschende artistische Bewegungsabläufe. Er zielt in seinen Reflexionen über Leben und Tod der Tochter der Kaiserin Maria Theresia in Episoden wie ‚Die Königin des Rokoko‘ oder ‚Das Gefängnis – Einsamkeit einer Königin‘ auf eine angedachte überhöhende Aussage hin. Verbrämt die Sequenzen an den herrschaftlichen Höfen in Wien oder Versailles mit personifizierten Figuren wie ‚Das Schicksal‘, ‚Schatten der Marie Antoinette‘ oder ‚Der Namenlose‘. Diese kraftvoll gestalteten expressiven Studien ergeben allerdings keine überzeugende spannende Story, wirken weit eher wie eine Patchwork-Packung, welche teils Verinnerlichung, teils Dramatik zu vermitteln versucht. Auch die untermalenden Klänge, klar aus den Lautsprechern tönend – Telemann, Rameau, Vivaldi, Mozart, moderner Sound, etc. – formen sich nur bedingt zu einem geschlossenen musikalischen Poem.

Starke Momente sind zu erleben. Die intensive Hingabe der Solisten überzeugt, einige gruppendynamische Einschübe putschen auf.

Mit zarter Sensibilität und ausdrucksstark in den feinsten Nuancen formt Maria Yakovleva die junge Habsburgerin als eine wankend nach Liebe suchende junge Frau. Roman Lazik als Ludwig XVI. tritt ihr hier als ein hilflos wirkender nobler Ästhet gegenüber. Und mit hektischem tänzerischen Elan bestechen Alice Firenze als Antoinettes Schatten, Rebecca Horner als Maria Theresia, Ioanna Avraam, Géraud Wielick, Leonardo Basílio. Stets den ihnen vorgeschriebenen und wiederholt manieriert wirkenden Gestus nervig und expressiv ausspielend.

Meinhard Rüdenauer

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