Der Neue Merker

WIEN/ Volksoper: DIE RÄUBER von Giuseppe Verdi

Volksoper: „ DIE RÄUBER“ – 29.11.2017

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Das ungleiche Brüderpaar (in der Oper) privat zu Besuch beim Online-Merker: Vincent Schirrmacher, Alik Abdukayumov.

Es ist höchst erfreulich, dass die Volksoper sich um weniger bekannte und oft gespielte Verdi-Werke bemüht. So vervollständigt sie das Verdi-Repertoire in Wien. Natürlich irritiert es zunächst, den italienischen Komponisten in deutscher Sprache zu hören und die Sänger hätten es sicher auch leichter, in italienischer Sprache zu singen.

Alexander Schulin stellt in den praktikablen und nicht unästhetischen Bühnenbildern von Bettina Meyer und den eleganten Kostümen von Bettina Walter das Jungendwerk des italienischen Meisters sehr geschickt auf die Bühne. Sänger und Chor, der durchschlagkräftig singt und von Holger Kristen prächtig studiert ist, bewegen sich sehr natürlich. Ein wenig Pathos bei einem so dramatischen Stück und der aufgeheizten Musik schadet nicht.

Felix Lemke stand am Pult des Orchesters der Volksoper, das doch im Blech und Schlagzeug etwas grob und altbacken klingt. So werden die wunderbaren Streicherstellen relativ stark unterdrückt. Überraschend kräftig setzen sich die Holzbläser durch. Der Dirigent müsste das Orchester dringend weiter zügeln, zumal er sich durchaus vorbildlich um die Sängerbegleitung kümmert. Die menschlichen Stimmen haben ihre natürlichen Grenzen. Leider reagierten die Musiker auf Dämpfungsversuche nur bedingt. So geriet die Balance zwischen Sängern und Graben nicht immer ideal.

An der Spitze der Besetzung stand Alik Abdukayumow als Franz mit seinem Prachtbariton. Seine in allen Lagen gleich gut durchgebildete, dunkle weiche und durchsetzungskräftige Stimme besitzt diesen samtenen Glanz, der wirklichen Verdi-Stimmen eigen ist. Technisch hervorragend geschult ist sein Registerausgleich perfekt. Ob Piano oder Forte, die Stimme verliert nie ihren Halt. Das Liniensingen gelingt vorzüglich auf einem Atem.  Sein temperamentgeladenes, doch auch sehr berührendes Spiel, besonders vor seinem Tode überzeugt. Seinen Bruder Karl gibt Vincent Schirrmacher mit seinem angenehm timbrierten lyrischen Tenor, der schon leichte Anklänge ins Spinto-Fach zeigt. Die Stimme hat viel Farbe und Glanz. Auch er phrasiert höchst angenehm. Im Spiel meidet er große Gesten und seine innere Zerrissenheit kommt gut zum Ausdruck. Kurt Rydl ist ein hinreißender Gestalter des Grafen von Moor. Noch einmal legt er seine gesamte Erfahrung und immense Persönlichkeit in die Rolle des alten, leidenden Vaters. Dass sein dunkler, gewaltiger Bass eine gewisse Anlaufzeit braucht, um das Vibrato in den Zaum zu bekommen, ist keine Neuigkeit. Die sehr persönlich timbrierte Stimme ist  immer noch hörenswert. Einzige weibliche Stimme im Dunkeln der männlichen Organe ist Sofia Soloviy als Amalia. Ein heller lyrischer Sopran mit gewandter Koloratur lässt aufhorchen. Schöne Piani überzeugen den Hörer. In ihren Gesten bleibt sie rollengerecht angenehm zurückhaltend. Leider sind gewisse Regieeinfälle, insbesondere ihr Umgang mit dem Messer in ihrer großen Szene mit Franz  geradezu geeignet, Vorurteile gegen altmodische Operngesten zu bestätigen. Das dürfte in einer modernen Inszenierung heute nicht mehr erforderlich sein. David Sitka als Kammerdiener Hermann und Thomas Sigwald als Roller waren in den kleineren Rollen ohne Fehl und Tadel.

Johann Schwarz

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