Der Neue Merker

WIEN/ Volksoper: DAS WUNDER DER HELIANE – konzertant – 3. und letzte Vorstellung

  1. 2. 2017 Wiener Volksoper – „DAS WUNDER DER HELIANE“

Da gelang der Volksoper ein Superwurf.

Heliane_BP 546
Copyright: Wiener Volksoper

Fachleute, die sich mit den Werken von Erich Wolfgang Korngold (1897 – 1957) wissenschaftlich beschäftigen befinden dieses Werk als sein bestes. Nachdem ich zugegeben zuvor nur bewusst „Die tote Stadt“ kannte und nicht gerade begeistert bin, erlebte ich ein musikalisches Erdbeben. Ich kann nur „laienhaft“ sagen, die Fachleute haben recht!

Ein ganz großes Lob an den Chor und Jugendchor der Wiener Volksoper. Sie haben zwar erst ab dem 2. Akt zu tun,  aber dafür dann gewaltig. Bravo dem Leiter Holger Kristen, der auch das Bühnenmusik leitete. Das Riesenorchester wurde mit dem Bühnenorchester der Wiener Staatsoper aufgefettet. Der Klang war enorm, dazu noch die gewaltigen Trompeten, die von der Galerie rechts noch dazu lautstark erklangen.

Ein sehr schwer zu besetzendes Werk allemal, die Hauptrollen sind extrem schwer und zum Teil in fast unsingbarer Tessitura geschrieben.

Als Heliane konnte man Annemarie Kremer erleben. Nach ihrer sehr guten Salome war sie nicht mehr an der Volksoper zu hören. Das Wiedersehen und Hören war sehr erfreulich. Sie meistert die Riesenrolle mit starker, aber immer noch lyrisch leicht klingender Stimme, forciert fast nie (manche Stellen sind ohne etwas Forcieren nicht möglich). Dass in manchen Lagen der Text trotz Bemühungen nicht mehr zu verstehen ist, ist normal. Ihr grausamer Mann, der Herrscher ist bei Martin Winkler in der genau richtigen Kehle. Auch seine Rolle ist lang, schwer und anspruchsvoll. Da stört die nicht immer belcantesk klingende, manchmal fast schnarrende Stimme überhaupt nicht. Auch er hat keine Probleme mit dem stellenweise riesigen Orchesterschwall. Der Herrscher bemüht sich mit aller Bösartigkeit gegen die Liebe durchzusetzen und ist der Verlierer, und das völlig ohne nur eine Spur von Mitleid. Die eigentliche „Mörderrolle“ ist „Der Fremde“. Daniel Kirch stellte sich der Anforderung und bestand. Dieser Tenorpart liegt ähnlich hoch wie manches bei Richard Strauss, oder den italienischen Kollegen wie Zandonai, Mascagni (speziell Isabeau) oder Catalani und Cilea. Ein Heldentenor ist dafür nicht angesagt, aber die Stimme braucht dennoch ordentlich Durchschlagskraft, und hat nebenbei enorm viel sehr lyrische Stellen zu bewältigen. Der Künstler schaffte alles völlig bruchlos.

Die kleinen Rollen waren natürlich alle vom Ensemble besetzt. Als sehr gerechter alter Schwertrichter zeigte Mehrzad  Montazeri schönste Stimme und große Wortdeutlichkeit. Sehr verlässlich klang Andreas Mitschke als gutmütiger Schließer. Die Rolle der Botin ist zwar klein, sollte aber eine Konkurrentin der Heliane sein, dafür ist Martina Mikelic doch etwas persönlichkeitsarm und die Stimme könnte profunder sein. Als junger Mensch hörte man ganz kurz Szabolcs Brickner mit eher kleiner Stimme. Die sechs Richter Karl Michael Ebner, Christian Drescher, Ben Connor, Michael Havlicek, Daniel Ohlenschläger und Yasushi Hirano waren gut studiert, wobei die Stimme von Hirano schon hervortrat.

Am Pult werkte Jac van Steen. Er zelebrierte das Riesenorchster, bemühte sich auch sehr um die Sänger und brachte einem das Werk musikalisch sicher sehr gut näher. 

Die etwas sehr kitschige Handlung, eine Legende, erinnert stellenweise ein wenig an Isabeau, auch da der schöne fremde junge Mann und die nackte Jungfrau. Die Entstehungszeiten sind auch sehr nahe. (Isabeau entstand 1911.) Eine szenische Umsetzung dieser Oper ist sicher problematisch, also sind ein paar konzertante Aufführungen doch eine sehr gute Lösung. Eine Wiederaufnahme in der nächsten Spielzeit wäre wünschenswert. Selten sah ich die Volksoper so gut besucht wie bei dieser Oper.       

Elena Habermann

Diese Seite drucken