Der Neue Merker

WIEN: Vienna International Ballet Experience. Gala März 2016

Der Boom der Baby-Ballerinen. VIBE, der neue Wettbewerb des Österreichischen Tanzrates: Vienna International Ballet Experience. Gala am 23.3.2016

Viel Idealismus steckt schon dahinter zu versuchen, in Wien einen größeren Ballettwettbwerb zu organisieren. Wie auch für blutjunge Tänzer aus dem Ausland, sich die Kosten an einer Beteiligung leisten zu können. Karl Musil (1939 bis 2013), der letzte große Danseur noble des Balletts der Wiener Staatsoper mit heimischen Wurzeln, wagte als Präsident des Österreichischen Tanzrates solch einen internationalen Wettbewerb ins Leben zu rufen. Von der Hingabe zur Tanzkunst getragen. Gregor Hatala, früher ebenfalls Solist des Wiener Opernballetts, sucht nun als Musils Nachfolger nach neuen Wegen. VIBE heißt es jetzt somit: Vienna International Ballet Experience. Eingefunden hat sich die stolze Anzahl von rund 300 Kandidaten für vier ausgeschriebene Wettbewerskategorien, vier gemeinsame Trainings- und Concourstage in der Bundestheater-Ballettakademie und im  MuTh-Konzertsaal sowie eine abschließende Gala im Volkstheater …. und Hatala kündigt für die kommende Osterwoche den nächsten VIBE-Treff an.

Gar so lustig ist es ja heute nicht mehr, solch ein Tänzerleben. Die Jungen suchen nach Freude am Spiel, an anmutiger Bewegung, haben das Verlangen, Grazie und Schönheit auszustrahlen. Wenn es aber im Job ernst wird, dann gibt es im Konkurrenzkampf kein Honiglecken mehr. Weder hierzulande – Tänzer aus Österreich haben in heimischen wie internationalen Kompanien bloß nur Seltenheitswert – noch rundum oder in den Vereinigten Staaten. Mariana Gatto Duran aus Washington, D.C., die siebzehnjährige Siegerin in der Kategorie „Open“ und ausgezeichnet mit dem Best Musicality Award weiß zu berichten – nein, es kommt aus dem Mund ihres sie begleitenden Vaters: Die Ausbildungs- und Trainingskosten in den USA sind so immens hoch, dass diese in die Vorbereitungszeiten gesteckten Geldsummen in der allzu kurzen Zeit einer Ballerinenkarriere nicht wieder zurück verdient werden können.

Doch zurück auf die Bühne des Volkstheaters, zur Gala. Alfons Haider moderierte launig und die Stimmung beim jungen Publikum war schon sehr gut. Mitglieder des Staatsballetts, angeführt von Alice Firenze und Denys Cherevycko, stellten sich mit dem „Ballsirenen“–Walzer ein. Und danach sind sehr schön getanzte Pas de deux und lieb lächelnde und wunderbar perfekt rotierende blutjunge  Japanerinnen als ihre Tamburins schlagenden „Esmeraldas“ zu sehen gewesen. So ganz mitzubekommen war allerdings nicht, wer da auch mit Preisen ausgezeichnet wurde. Die modernen Piecen fielen weniger originell aus, dafür aber überraschte der Boom an Babyballerinen schon sehr. Bereits bühnenreif, diese kleine Kanadierin, sechs Jahre alt, die mutig trippelnd ihren Walkürenritt bewältigte? Das war ausnahmsweise jedenfalls einmal eine herzige Begegnung mit Richard Wagner. Aber nicht nur sie, viel mehr süße Tanzknirpse sind hier herumgehüpft. Denn es ist auch die Kategorie „Mini: up to age 7“ ausgeschrieben gewesen. Wohl nicht die Idee der Babys, eher wohl die Ballettträume von deren Müttern. Diesen sollten aber aufpassen, dass ihre Putzerln auch den richtigen Weg für das Leben einschlagen: Nicht sich zu sehr mit Fouettés und Jetés abmühen, sondern lieber lernen, so weit die Gosche aufzureißen, damit man als Dancing Star seine saftigen ORF-Honorare einstreichen darf.   

Meinhard Rüdenauer

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