Der Neue Merker

WIEN / Theatermuseum: HEINZ ZEDNIK

 

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Fotos: Renate Wagner, im Museum fotografiert

WIEN / Österreichisches Theatermuseum:
Der Meister Tön’ und Weisen
Heinz Zednik – 50 Jahre Wiener Staatsoper
Vom 12. Februar 2015 bis zum 21. September 2015

 

Wo das Kleine ganz groß wird…

Wie gut, dass Wien ein Theatermuseum hat, nachdem sich Direktor Meyer so leichten Herzens von „seinem“ Opernmuseum getrennt hat (was sicher nicht gescheit war). Aber glücklicherweise gibt es – und nur wenige Schritte von der Oper entfernt, in jenem Palais Lobkowitz, wo einst die „Dritte“ von Beethoven uraufgeführt wurde – noch andere Räume für Theater-und Opernthemen. Hier kann man Heinz Zednik zum 75er und „50 Jahre Staatsoper“ gratulieren, obwohl es schon mehr sind: Es war der 5. November 1964, als der junge Mann, der gerade seine Anfänge in Graz absolvierte, als einer der „Meister“ in den Meistersingern im Haus am Ring debutieren durfte… Ein Meister ist er geworden, ist er geblieben.

Von Renate Wagner

Was tun mit Nachlässen?    Anfangs ist es meist die Mama oder eine ambitionierte Tante, später die Ehefrau, manchmal auch der Künstler selbst – gesammelt werden sie nun einmal, die Zeugen einer Karriere. Die Fotos, die Theaterzettel, die Kritiken, die Schlagzeilen, die steigende Wahrnehmung. In Jahrzehnten, wenn alles gut geht, sammelt sich da schon was an. Aber die Zeiten sind schnelllebig, unsere in einem Ausmaß, wie es wahrlich noch nie da gewesen ist, schon der gestrige Tag ist Geschichte, wie erst das Vorgestern oder gar das, was vor Jahrzehnten war? Der Sinn für die Vergangenheit (aus der man lesen und lernen kann) ist unserer Welt verloren gegangen. Wie gut, dass es Museen gibt. Wie gut, dass man als Pendant zum „Nachlaß“ (der nicht selten in Kisten in irgendwelchen Hinterzimmern verkümmert) den „Vorlaß“ erfunden hat, das, was Künstler den Institutionen noch zu ihren Lebzeiten übergeben und was man folglich nicht so leicht unbeachtet in den Winkel schmeißen kann. Im Fall Zednik wurde eine sehr schöne Ausstellung in zwei Räumen daraus.

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Stationen einer Karriere     Heinz Zednik (* 21. Februar 1940) ist Wiener, begann seine Bühnenkarriere 1964 in Graz, debutierte im gleichen Jahr an der Wiener Staatsoper (das Kostüm von damals ist erhalten) – und Gott sei Dank ist er 1965 Ensemblemitglied geworden und hier geblieben, wobei er sein Repertoire auch immer noch in der Volksoper erweitert hat. Die Ausstellung, die eine Fülle von Fotos, Theaterzetteln, Kostümen, Bühnenmodellen, Einblicken ins Berufs- und Privatleben (Zednik und die Kollegen, so viele schon tot, ein Stück Staatsoperngeschichte) bietet, streift auch die wichtigsten Ausflüge des Künstlers, von den Bayreuther zu den Salzburger Festspielen, von der Met bis zur Scala. Und überall feierte er Triumphe – sein Mime in Chereaus Bayreuther „Jahrhundert-Ring“ „rockte“ die Opernwelt, die Kritiken überschlugen sich, („Das Stück müsste eigentlich Mime heißen, und das wiederum ist identisch mit Heinz Zednik“), das Publikum hätte keinen Heldentenor stürmischer feiern können.

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„Kleine“ Rollen, ganz große Leistungen   Der bebilderte Spaziergang durch Zedniks Rollen zeigen, was man im Fach des „Spieltenors“ zuerst, des „Charaktertenors“ danach (die alten Fächerbezeichnungen erleichtern das Leben) erreichen kann: In den „Meistersingern“ wurde er zum David, er war Pedrillo, Jacquino oder stotternden Wenzel bis zu Charakterfiguren bei Berg, Berio oder Mussorgsky, man sah ihn vom Mime bis zum Herodes in der „Salome“, vom der Humperdinck-Hexe über  Monostatos bis zum Eisenstein in der „Fledermaus“ – eine der wenigen „Hauptrollen“, die es in seinem Fach gibt, aber bei Zednik spielte das keine Rolle: Die Partie mochte „kleiner“ sein, seine Leistung war es nie. Ihn zu übersehen mit seiner scharfen, brillanten Charakterisierungskunst, war unmöglich… Zitieren wir Ioan Holender: „Zednik hat bewiesen, dass es keine zweiten Partien gibt, sondern nur zweitklassige Sänger. Er war eine erstklassige zweite Partie und hat diese zur ersten Partie gemacht.“

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Und sonstiges …  Die Ausstellung behauptet, dass es für Zednik außerhalb der Oper kein Leben gab, und man möchte es glauben (glücklicherweise findet sich innerhalb der Privatfotos auch eines von seiner Hochzeit, also hatte er doch gelegentlich auch anderes im Kopf). Er inszenierte, u.a. für die Volksoper eine prächtige „Fledermaus“, er war als Liedersänger zwischen Krenek und Wienerlied faszinierend, er ist Lehrer. Ein schöner Rundumblick über eine wunderbare, auch mit zahllosen Ehrungen bedachte Karriere.

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Wie wär’s mit einem Katalog?    Wenn das Theatermuseum nun zwar die Ausstellung, aber nicht den Katalog geschafft hat, so will man doch hoffen, dass die Wiener Staatsoper Zednik eine ihrer schönen Broschüren mit Bildern und Fakten widmet, wie sie manches verdiente Mitglied (etwa Christa Ludwig) erhalten hat. Und ein Festabend nur für ihn…?

Österreichisches Theatermuseum:
Der Meister Tön’ und Weisen
Heinz Zednik – 50 Jahre Wiener Staatsoper
Vom 12. Februar 2015 bis zum 21. September 2015
Täglich außer Dienstag 10-18 Uhr

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