Der Neue Merker

WIEN / Akademie im Theatermuseum: BOSCH, REMBRANDT, RUBENS, TIZIAN, VAN DYCK

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WIEN / Theatermuseum:
BOSCH, REMBRANDT, RUBENS, TIZIAN, VAN DYCK
Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien zu Gast im Theatermuseum
Für die nächsten drei Jahre

Bosch ins Zentrum gerückt

Mit Ausnahme eines Gemäldes im Kunsthistorischen Museum („Kreuztragung“) besitzt Wien nur einen Hieronymus Bosch – aber was für einen! Das „Weltgerichts-Triptychon“ ist jenes Werk, das Besucher dann doch immer wieder in die Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz gezogen hat. Doch obwohl das repräsentative Gebäude von Theophil Hansen „an der Ringstraße“ liegt, ist es doch durch den Park mit dem Schiller-Denkmal von ihr getrennt – und befindet sich nicht wirklich im Fokus. Das Theatermuseum hingegen im Palais Lobkowitz, hinter der Staatsoper und gegenüber der Albertina, liegt wirklich im Zentrum Wiens. Es ist anzunehmen und zu hoffen, dass Hieronymus Bosch und die anderen „Stars“ der Akademie hier mehr Besucher finden werden.

Von Heiner Wesemann

TheaterMus Saal mit Rembrandt~1

Die Übersiedlung    Das Gebäude der Akademie, 1877 von Kaiser Franz Joseph eröffnet, ist heute vor allem eine Ausbildungsstätte für Künstler (1692 gegründet, befinden sich durch die Jahrhunderte unter den Schülern Namen von Paul Troger und Franz Anton Maulbertsch über Ferdinand Georg Waldmüller und Rudolf von Alt bis zu Gottfried Helnwein und Manfred Deix – viele der größten österreichischer Kunst). Die Räumlichkeiten der (öffentlich zugänglichen) Gemäldegalerie musste man gewissermaßen in dem Riesengebäude suchen. Und dann war die Ausstellung der kostbaren Gemälde – die vor allem auf der Schenkung von Anton Franz von Lamberg-Sprinzenstein beruht – nicht optimal. Nun wird das Gebäude der Akademie drei Jahre lang (und, wie es heißt, mit einem Budget von rund 40 Millionen Euro) saniert. Es gab abenteuerliche Gerüchte, die Gemäldegalerie in den Karlsplatz-Container zu sperren, aber dann kam das Kunsthistorische Museum zu Hilfe. Man bot den ersten Stock des vom KHM verwalteten Theatermuseums als Räumlichkeiten für einen Teil der Gemäldegalerie an. Und das ist auf Anhieb überzeugend ausgefallen.

TheaterMus Saal mit Rubens~1

Sieben Räume – große Namen     Die Gliederung eines Teils der Besitztümer des Hauses in sieben Räume bietet einen ebenso übersichtlichen und wie eindrucksvollen Eindruck der Akademie-Schätze. Dabei ist ein Teil davon (immerhin an die 400 Stück) als Ausstellung („Verborgene Schätze aus Wien“) an die Kunsthalle Würth gegangen. Man kann den Wiener Reichtum ermessen, wenn man bedenkt, wie viel noch hier geblieben ist… Die Überlegung drängt sich auf, wie gut alle der gezeigten Werke ins Kunsthistorische Museum passen würden. Nun hat das KHM sie sich für drei Jahre auf Umwegen gleichsam „geholt“. Besonders interessant sind die schönen Rubens-Gemälde, die die derzeitige Rubens-Ausstellung im KHM regelrecht ergänzen…

TheaterMus Bosch 2~1

BOSCH & BURGERT   Heutzutage gibt es kaum mehr Ausstellungen „alter“ Werke ohne „moderne Interventionen“. So ist es auch zu verstehen, dass der Weltgerichts-Altar von Bosch, der gleich im ersten Raum dem eintretenden Besucher gegenüber steht, ein Gegenüber bekommt: Es handelt sich um das Monumentalgemälde „Ihr Schön“ des 1969 in Berlin geborenen Jonas Burgert. Sein Figurenreichtum (man sprach auch von einem „Wimmelbild“…) scheint wie eine Variation von Bosch, verwirrt den Betrachter gleichfalls durch Surrealität, kann genau so ausführlich betrachtet werden wie Bosch – was man vorzieht, wird jeder Besucher entscheiden. Im übrigen ist der erste Raum der altniederländischen und altdeutschen Malerei des 15. und 15. Jahrhunderts gewidmet, mit Werken von vor allem Cranach oder Dirk Bouts.

TheaterMus Brg~1

Spaziergang durch die Kunstgeschichte   Raum für Raum gibt es Spitzenwerke von Spitzenkünstlern – Tizian (mit „Tarquinius und Lucrezia“), die so fremd blickende junge Frau Rembrandts, mehrere unendlich lebendige Rubens (darunter „Boreas entführt Oreithya“ und „Die drei Grazien“) und Van Dycks so ausdrucksvolles jugendliches Selbstporträt, drei wunderbare Venedig-Ansichten von Guardi, bevor man in der Barockzeit landet, wo dann Maria Theresia, gemalt von Martin van Meytens, thront. Auch Graf Lamberg-Sprinzenstein (geboren in dem Jahr, als Maria Theresia die Regierung übernahm, 1740, gestorben 1822, als er seine Sammlung der Galerie stiftete), darf den Besucher begrüßen – er hat schließlich genügend für die Gemäldegalerie der Akademie geleistet. Nicht zuletzt mit der Verfügung, dass seine Bilder für die Öffentlichkeit zugänglich sein müssen…

Sonderausstellung   Ein schmaler Gang inmitten der Gemälde-Räume ist für Sonderausstellungen geöffnet. Derzeit sieht man Zeichnungen und Aquarelle, die Thomas Ender auf seiner Fahrt nach Brasilien schuf.

http://der-neue-merker.eu/wien-theatermuseum-von-triest-nach-rio-de-janeiro

Das Theatermuseum als Gastgeber   Das Theatermuseum verliert für die nächsten drei Jahre die Möglichkeit, seine größte Flucht an Räumen im 1. Stock (Eingang gegenüber dem legendären Eroica-Saal) für eigene Ausstellungen zu benützen. Doch es ist anzunehmen, dass viel mehr Besucher als je, etwa aus dem KHM kommen, jetzt auch im Palais Lobkowitz einkehren – vor allem für den Bosch natürlich. Das wird dann auch dem Theatermuseum zugute kommen, das derzeit auch noch bis 8. Jänner 2018 für Opernfreunde eine sehr schöne Ausstellung über Placido Domingo bietet…

Theatermuseum
Lobkowitzplatz 2, 1010 Wien
Öffnungszeiten: Täglich außer Dienstag 10 bis 18 Uhr
T +43 1 525 24 3460,
info@theatermuseum.at

 

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