Der Neue Merker

WIEN/ Theater an der Wien: VERLEIHUNG DES „ÖSTERREICHISCHEN MUSIKTHEATERPREISES „GOLDENER SCHIKANEDER“

VERLEIHUNG DES „ÖSTERREICHISCHEN MUSIKTHEATERPREISES „GOLDENER SCHIKANEDER“ am 17.6.2014

Zum zweiten Mal wurde gestern der der Österreichische Musiktheaterpreis „Goldener Schikaneder“ verliehen. Fand die Preisverleihung im letzten Jahr im Konzertsaal der Sängerknaben, dem MuTh, statt, wurde diesmal das Theater an der Wien zum Veranstaltungsort erkoren. Mit dem Namensgeber des Preises gibt es auch eine nachvollziehbare Verbindung zu diesem Ort. Noch ist der Preis nicht so prominent wie der zweifellos als Vorbild dienende Nestroy-Preis und auch der Glamourfaktor wie bei der Romy-Verleihung fehlte, aber die Preisverleihung wird auch nicht von einer Zeitung sondern von einem privaten Verein und ohne Subventionen der öffentlichen Hand getragen. Aber man kann davon ausgehen, dass mit der zweiten Preisverleihung der Beginn einer guten Tradition gesetzt worden ist. Das Motto „Ein Preis von Künstlern für Künstler“ ist jedenfalls sympathisch.

Eine prominent besetzte Jury – unter anderem Rudolf Bibl, Asher Fisch, Georg Springer, Dominique Mentha, Renato Zanella oder Achim Freyer – hatte die Aufgabe, aus den Einreichungen die Finalisten und schließlich die Preisträger der insgesamt zehn Kategorien auszuwählen. Zusätzlich gab es diesmal einen Publikumspreis, der vom ORF administriert worden ist.

In Abwesenheit der Staatsoper, die aus nachvollziehbaren Gründen auch diesmal eine Teilnahme abgelehnt hat, war das Theater an der Wien mit drei Preisen und mehreren zusätzlichen Nominierungen der große Gewinner. Auch wenn der eine oder andere Opernfreund den subjektiven Eindruck hatte, dass manch eine Entscheidung „politisch“ motiviert war (wenn in einer Kategorie das Haus A gewinnt, muss in einer vergleichbaren Kategorie das Haus B gewinnen), zeigt dieses Ergebnis vermutlich wirklich ein Spiegelbild der heimischen Musiktheaterbühnen unter Ausklammerung der Festivals (was auch einigermaßen verständlich ist). Was dem Beobachter diesmal (subjektiv) positiv aufgefallen ist, auch kleinere Bühnen (Baden bzw. Vorarlberger Landestheater) wurden mit Preisen bedacht. Man kann also diesmal wirklich von einem „Österreichischen Musiktheaterpreis“ sprechen.

Die gestrige Preisverleihung, vom ORF für eine Ausstrahlung in ORF III aufgezeichnet (22. Juni um 18.50 Uhr) , wurde von Christoph Wagner-Trenkwitz humorvoll moderiert; für die musikalische Umrahmung sorgte das RSO Wien unter der Leitung von Sian Edwards und mit Sieglinde Feldhofer, Nazarin Ezazi (beide Opernhaus Graz) und Anita Götz (Volksoper) gaben drei junge Sängerinnen Proben ihres musikalischen Talents.

Die Preisträger: Dass jede Preisverteilung im künstlerischen Bereich kaum ein objektives Kriterium erfüllen kann, ist gerade im Musiktheater wohl unbestritten. Zu sehr spielen persönliche Eindrücke („so stelle ich mir eine Rolle/Interpretation vor“) mit. Ich habe (no na) nicht alle eingereichtenProduktionen gesehen, aber die Preisträger entsprechen weitgehend meinem Eindruck der von mir auch außerhalb von Wien besuchten Aufführungen.

Beste männliche Hauptrolle: Lars Woldt, Baculus (Der Wildschütz), Volksoper
Beste weibliche Hauptrolle: Tatjana Larina, Violetta (La Traviata),Vorarlberger Landestheater
Beste männliche Nebenrolle: Florian Boesch, Tridate (Radamisto), Theater an der Wien
Beste weibliche Nebenrolle ( es aequo) : Joanna Arrouas, Klärchen (Im weißen Rössel), Bühne Baden und Anna Prohaska, Marzelline (Fidelio), Theater an der Wien
Beste Regie: David Pountney, Spuren der Verirrten; Landestheater Linz
Beste Ausstattung: Hans Schavernoch/Yan Tax, Elisabeth, Ronacher/Raimund Theater
Beste Musikalische Leitung: Bertrand de Billy, Mathis der Maler, Theater an der Wien
Beste Ballettproduktion: „Blaubarts Geheimnis“, Volksoper
Beste Gesamtproduktion: Mathis der Maler, Theater an der Wien
Bester Nachwuchs: Nadezhda Karyazina, Salzburger Landestheater

Ein Sonderpreis für ihr Lebenswerk wurde Edita Gruberova verliehen, der das Publikum standingOvations bereitete (ein im Kulturbereich nicht unbekannter Fan überreichte ihr auf offener Bühne Blumen, am Rang wurde ein Transparent enthüllt).

Der Publikumspreis ging an AndrèSchuen; und das war für den Schreiber dieser Zeilen die eigentlich Überraschung des Abends (wenngleich diese Auszeichnung aufgrund der Leistung im Lorenzo da Ponte-Zyklus unter Harnoncourt absolut verdient ist).

Michael Koling

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