Der Neue Merker

WIEN/ Theater an der Wien: LA STRANIERA – umjubelte Reprise mit Edita Gruberova

Theater an der Wien: LA STRANIERA –UMJUBELTE REPRISE MIT EDITA GRUBEROVA (18.1.2015)

Diesmal waren nicht nur die Fans von Edita Gruberova ganz und gar zufrieden. Vincenzo  Bellini’s selten gespielte Oper „La Straniera“ kam am 18.Jänner insgesamt viel besser weg als bei der Premiere am 14.Jänner. Fast alle Solisten waren diesmal besser disponiert – dies gilt für Edita Gruberova ebenso wie  für den argentinischen Tenor Dario Schmunck und für den italienischen  Bariton Franco Vassallo. Aber auch der Dirigent Paolo Arrivabeni riss das RSO, das Radio-Symphonieorchester Wien diesmal zu klanglichen Höchstleistungen mit und der Arnold-Schönberg-Chor reifte  zur gewohnten Spitzen-Form heran. Kurzum: die Liebestragödie rund um Arturo und die geheimnisvolle  „Fremde“, die als Hexe verdächtigt wird und zuletzt als Königin von Frankreich geoutet wird, entsprach zumindest in kompositorischer Hinsicht dem Tonschöpfer von Norma und Puritani. Und die historisierende Schnürboden-Inszenierung von Christof Loy (Bühne Annette Kurz, Kostüme Ursula Renzenbrink) kam viel besser an.

Im Mittelpunkt der 1829 an der Mailänder Scala uraufgeführten Oper steht eine melancholisch-depressive Königin Agnese (in der Oper Alaide), die es tatsächlich gab und die warten musste,  bis ihr Mann König Phillippe Auguste von Frankreich  seine kirchlich aufgezwungene Verbindung mit einer anderen Prinzesssin lösen konnte – und zwar erst als die offizielle Hauptfrau starb. Dann wurde Agnese spät aber doch Königin von Frankreich. Stoff für eine echte Oper der Gefühle und Verwirrungen. Denn der verhinderte Liebhaber hält den Bruder von Adelaide für seinen Nebenbuhler. Die Dorfgemeinschaft beschuldigt „La Straniera“ eines Mordes, den es gar nicht gab. Und zu allem wartet eine sitzen gelassene Braut auf die Rückkehr von Arturo, der zuletzt öffentlich Selbstmord vollübt. Oper also von der Logik des Trovatore. Edita Gruberova hat sich diese Rolle in den letzten Jahren systematisch erobert. Konzertante Aufführungen in München und Wien, eine erste szenische Version in Zürich – nun eine Doppelpremiere mit Marlies Peterson. Eigentlich konnte nichts schief gehen. Bei der Theater an der Wien-Premiere vor 4 Tagen glänzten die Sterne des Belcanto dennoch nicht so hell wie zu erwarten war. Edita Gruberova widerlegt mit ihrer Langzeit-Karriere zwar alle Gesetze des Theaters. Aber sie benötigte längere „Anlaufzeiten“ und sie hat etwas, das man früher bei ihr nicht kannte: die Diva der Koloraturen demonstriert sei ein paar Jahren so etwas wie „Tagesverfassung“. Und die war vier Tage nach der Premiere einfach besser.

Die Stimme der Gruberova ist auch viel größer geworden – aber sie hat an metallischer Härte im Forte zugenommen und erinnnert mich zeitweise bereits an die Höhe von Birgit Nilsson. Und in punkto vokaler Virtuosität scheint mir ohnedies  keine Nachfolgerin zu Verfügung zu stehen. Jedenfalls plane ich nun noch zwei „La Straniera“-Reprisen. Eine mit Marlies Peterson und eine nochmals mit Edita Gruberova – der wahren Königin des Belcanto. Bleiben zuletzt einige der übrigen Mitwirkenden zu nennen. Theresa Kronthaler ist als sitzen gelassene Isoletta ein sympathisches junges Mädchen mit angenehmem lyrischen  Sopran; und Stefan Cerny fällt als Prior durch seinen großen, runden  Bass angenehm auf. Das Publikum war diesmal ebenfalls „besser disponiert“. Es klatschte nicht an den falschen Stellen, war weniger hysterisch überdreht. Man sollte die Reprise von „La Straniera“  vom 18.Jänner 2015 zur Premiere erklären.

Peter Dusek

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