Der Neue Merker

WIEN / Studiobühne: MERKER FESTKONZERT

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WIEN / Staatsoper-Agrana Studiobühne:
DER NEUE MERKER – 60 JAHRE FESTKONZERT
10.
März 2017

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Wer in seiner ersten Reihe als Ehrengäste den Direktor der Wiener Staatsoper, einen Dirigenten vom Rang Peter Schneiders und Künstler wie Renate Holm und Heinz Zednik versammeln kann und es außerdem schafft, dass einer der ersten Wagner-Tenöre der Welt, Stephen Gould, zwei Tage vor seinem ersten Wiener „Tristan“ eine Mozart-Arie singt – der erfreut sich schon der Schätzung der Branche. Wie der „Neue Merker“, die monatliche Postille für Opernenthusiasten, und seine Chefredakteurin Sieglinde Pfabigan.

Man bat zum Konzert, mit dem man „60 Jahre Der Neue Merker“ feierte (in der ausverkauften Studiobühne der Staatsoper), und Sieglinde Pfabigan, die die launigen Einführungsworte sprach, erinnerte gleich an Kollegin Inge Scherer, die tatsächlich von der ersten „Merker“-Minute dabei war. Nun, selbst wenn man vor 60 Jahren ein junges Mädchen war, ist man heute nicht mehr ganz so jung, Inge Scherer ließ sich entschuldigen, aber andere Mitarbeiter waren da, und Sieglinde Pfabigan würdigte die Verschwörung der Opern-Verrückten, unter denen sich auch ehemalige Botschafter und Richter finden, die noch immer kein größeres Vergnügen kennen, als auf den Galerie-Stehplatz zu gehen oder nach der Vorstellung am Bühnentürl auf die Künstler zu warten…

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Ehrengäste Renate Holm, Heinz Zednik (Foto: Herta Haider)

Es brauchte Enthusiasten dieses Zuschnitts, um vor 60 Jahren eine Zeitschrift zu „erfinden“, die sich vornahm (und dies bis heute durchgehalten hat), jede einzelne Vorstellung der Wiener Staatsoper, ob glanzvollste Premiere oder scheinbar glanzlosestes Repertoire, zu besuchen und zu besprechen, wobei Peter Dusek als zweiter Festredner richtig darauf hinwies, dass gerade im Alltag die unerwartetsten Dinge geschehen können – vom „Aufblühen“ und „Eingehen“ von Stimmen, von Jubel und Tragik, Oper einfach, nach der alle „Merkerianer“ süchtig sind.

Die dann auch ganz schnell wissen wollen, wie es „gestern“ war – und der einst aus dem „Merker“ hervorgegangene, mittlerweile unabhängige, aber doch eng verwandte Online Merker befriedigt dieses Interesse, wie Dusek erwähnte, ja manchmal schon gegen Mitternacht… Dabei bietet diese „Truppe Opern-Wahnsinniger“, die im Heft und im Internet (manche auch in beiden Medien) schreiben, den Pluralismus schlechthin, keine Meinung gleicht der anderen, Stoff für Diskussionen, Reibungen, Übereinstimmung gibt es immer…

Und dann traten die Sänger an, 18 an der Zahl, dazu Erich Binder, der mit Manfred Schiebel (der neben James Pearson alternierend der Klavierbegleiter der Sänger war) die Meditation aus „Thais“ spielte, dazu die „Vienna Comedian Harmonsts“, die sich aus Herren des Staatsopernchores zusammen setzen und das Publikum endlich mit „O Sole Mio“ (inklusive Pavarotti-Taschentuch) nach Hause schickten…

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Margarita Gritskova, Clemens Unterreiner

Vom temperamentvollen Bajazzo-Prolog des Paolo Rumetz, mit  dem „Das Spiel kann beginnen“ eingeläutet wurde, bis zum ungemein intensiv und klangschön gesungen „Lied an den Abendstern“ des Clemens Unterreiner gab es Opernsänger und Opernarien vom feinsten, mit zwei Abstechern zur Operette (Vincent Schirrmacher schmetterte „Dein ist mein ganzes Herz“ und Franz Suhrada zog seine Glanznummer von der „zwirnsfadendünnen Leopoldin’“ ab), sowie einem kleinen Ausflug in die Moderne, das „Pandalied“ von Meinhard Rüdenauer, gesungen von einem maskierten kleinen Mädchen (Hanna Hrdlicka).

Man kann gar nicht alle nennen, die da das Publikum hinrissen, wobei neben der damenhaften Daniela Fally die Russinnen entzückten, die strahlende Schönheit Margarita Griskova und das herrliche Rübensüßchen Maria Nazarova, die in bestem Deutsch und mit unverschämter Spiellaune als Fledermaus-Adele amüsierte. („Katjonak“. „Kätzchen“, nennen die Herren der Staatsoper ihre jungen russischen Kolleginnen, wie Heinz Zednik mir in der Pause schmunzelnd erzählte, und wer das jetzt „sexistisch“ nennt, der versteht nichts vom ewigen Zauber, der da zwischen Mann und Frau abläuft).

Stephen Gould nicht mit Wagner, sondern als Tamino, der junge Alois Mühlbacher, vom Knaben zum Jüngling und zum Counter geworden,  der herrliche Baß des Dan Paul Dumitrescu und noch ein paar russische Bässe (die Zukunft scheint stimmlich in Putins Reich zu liegen) – es war ein bunter, vielfältiger Abend auf hohem Niveau.

Am Ende Dank an die Organisatorin Elena Habermann und als abschließendes Geschenk an die unermüdliche Sieglinde Pfabigan die Büste von – na, wem wohl? Richard Wagner. Sie hat sie glücklich entgegengenommen und wahrlich verdient. Schließlich liegt ein Großteil der Arbeit, der seit Jahrzehnten an dem Merker-Heft geleistet werden muss, auf ihren unermüdlich-enthusiastischen Schultern.

Renate Wagner

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