Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: TRISTAN UND ISOLDE

WIENER STAATSOPER:  „TRISTAN UND ISOLDE“   am 21.12.2013     

 Die (leider) letzte Tristan-Serie dieser Saison brachte zwar ein Bild von Myung-Whun Chung auf die Titelseite des Monatsprogrammes, am Pult stand aber Peter Schneider und war der Garant für eine hochklassige Aufführung. Sein unprätentiöses Dirigat steuert die dynamischen Steigerungen perfekt, ohne vorzeitig bereits einen Plafond zu erreichen und den Sängern auch die Chance zu eröffnen, nicht in Orchesterfluten zu ertrinken.

Gegenüber der Premierenserie ist nun das gesamte Personal ausgewechselt. Violetta Urmana ließ sich entschuldigen, doch bis auf einige schrillere Höhen war die Leistung makellos. Ihr Tristan Robert Dean Smith legt die Partie wesentlich kantabler an als ein Rollenvorgänger und kann vor allem in der zweiten Hälfte des 2.Aktes durch schön gesponnene Phrasen beeindrucken. (Dem Land, das Tristan meint …) Was äußerst positiv ist, dass er sich auch vom vollen Orchester nicht zum Forcieren verleiten lässt. Ein Glücksfall ist Elisabeth Kulman als Brangäne. Gut aussehend, sehr textverständlich  mit ruhiger Stimme, auch wenn diese in den Szenen mit Isolde manchmal heller klingt als die Isolde. Allerdings scheint sie einen anderen Liebestrank auszuschenken als in der Premiere. Während damals eine sofortige Wirkung erfolgte und sich das Liebespaar sofort umarmte, bleiben sie nun, wie von Wagner beschrieben, einige Takte fassungslos, ehe sie sich in die Arme fallen. Mattias Goerne als Kurwenal klingt seltsam hohl. Es gelingt ihm nicht, das stimmliche Raubein zu zeichnen.

Da hat die Stimme von Clemens Unterreiner als Melot mehr Kern. Albert Dohmen als Marke hat mit eigentlich positiv überrascht. Er fokussiert sich allerdings sehr auf die tiefen Töne seiner Partie, während die Höhe etwas bröselig wirkt.  Carlos Osuna ist ein solider Hirte, Marcus Pelz wieselt einmal über die Bühne und beim schönen Seemannsgesang von Wolfgang Igor Derntl hat nur einmal die wilde irische Maid etwas heftig am Mastkorb gewackelt.

 Dem dichten Weihnachtsverkehr scheint zu danken, dass im ersten Akt einige Sitze frei blieben, die dann erst im zweiten Akt besetzt waren. An einem Adventsamstag sollte man sich auch nicht darauf verlassen, in den Garagen einen freien Platz zu finden.

 Wolfgang Habermann     

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