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WIEN/ Staatsoper: TRISTAN UND ISOLDE

WIEN / Staatsoper: TRISTAN UND ISOLDE am 19.03.2017

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Petra Lang, Stephen Gould. Copyright: Wiener Staatsoper

Mit der dritten Vorstellung endete die Kurzserie von Tristan und Isolde doch noch mit einem versöhnlichen Ende. Offensichtlich haben – nach dem misslungenen Dirigat von Mikko Franck in der ersten Vorstellung – Konzertmeister/Stimmführer ordnend eingegriffen, erzielten am zweiten Abend ein besseres Ergebnis und sorgten bei der Derniere für ein Hörerlebnis, das man vom Wiener Staatsopernorchester erwarten darf. Die Streicher glitzerten und es stellte sich an den gewohnten Stellen das wohlig-aufwühlende Gefühl ein, das entsteht, wenn Musik direkt an die Seele rührt.

Die leicht „entjapanisierte“ Inszenierung von David McVicar erweist sich als praxistauglich und ermöglicht den ungestörten Genuss der Geschichte und der aufwühlenden, musikalischen Interpretation.

Hauptattraktion dieser Serie ist das Tristan-Hausdebut von Steven Gould, der seine Aussage, dass Tristan sängerfreundlich sei, eindrucksvoll bestätigte. Sein Siegfried-erprobter Heldentenor meistert mit Mühelosigkeit die hochdramatischen Szenen, lässt ihm genügend Energie, die lyrischen, zärtlichen Passagen unglaublich schön zu gestalten. Wie er den brutal langen Monolog im dritten Akt in allen Gemütszuständen – von Liebe, Verzweiflung, Dankbarkeit und Tod – dermaßen authentisch (zum dritten mal in einer Woche!) darstellt, ist sensationell!

Petra Lang sang erstmals in Wien die Isolde und hat sich beim Fachwechsel vom Mezzo- zum dramatischen Sopran viel vorgenommen. Sicher nicht zu viel aber vielleicht zu schnell. Wie die Weiterentwicklung in dieser Serie zeigt, ist sie auf einem guten Weg zu einer erstklassigen Isolde, es stellt sich allerdings die Frage, ob die Wiener Staatsoper der richtige Ort für diesen Entwicklungsprozess ist? Erstaunlich ist jedenfalls, dass ausgerechnet die tiefen Lagen bei der ehemaligen Mezzosopranistin noch nicht optimal funktionieren. Brüche beim Gesang nach unten und veschluckte bzw fast unhörbare Mezzo–Töne sind noch unbefriedigend. Die wunderbare Gestaltung in der Liebesszene im zweiten Akt und der Liebestod entschädigten für die kleinen Irritationen und zeigten das erfreuliche Potential, das in dieser Stimme vorhanden ist und mit der nötigen Geduld zu einem hervorragenden, hochdramatischen Sopran geformt werden kann. Die Mittellage hat die erforderliche Größe und die dramatischen Höhen klingen erfreulich schön und ohne störende Schärfe.

Ein weiteres, gelungenes Hausdebut erlebten wir bei der Brangäne von Sophie Koch. Besonders in dieser dritten Vorstellung erblühte ihr schöner, ausdrucksvoller Mezzosopran zu einem eindringlichen Klangerlebnis. Ihre Warnungen „Einsam wachend in der Nacht“ und „Habet acht“ strahlte seit Elisabeth Kulmann nicht mehr so ergreifend durch’s Haus am Ring und veredelte die Liebesszene zu einem emotionalen Höhepunkt.

Matthias Goerne stellte einen derben Kurwenal dar und war somit als Tristans „Mann fürs Grobe“ durchaus rollengerecht. Sein gaumiger Bariton wurde der anspruchsvollen Rolle gerecht, sein gedeckter Gesangsstil polarisiert und viele – auch wir – finden diese Stimme einfach nicht schön.

Im Gegensatz dazu erfreut Kwangchul Youn mit einem wunderschön klingenden, samtigen Bass, der in allen Lagen trägt und auch in der Höche ausreichende Präsenz aufweist. In den dramatischen Passagen neigt die Stimme zum starken Vibrato, was der routinierte Sänger aber erfolgreich minimiert. Wir erlebten einen König Marke, der in stimmlicher Gestaltung und mit sparsamer Gestik den leidenden Herrscher und Freund berührend darstellte.

Clemens Unterreiner war als Melot eine Luxusbesetzung – wir würden ihn gerne als Kurwenal erleben. Gut und rollengerecht waren Carlos Osuna als Hirt, Markus Pelz als Steuermann und Bror Magnus Todenes als Stimme des Seemannes.

Besonders auffällig war in dieser Serie die wortdeutliche Aussprache – allerdings in erster Linie bei Sängerin und Sängern mit fremder Muttersprache. Nur die deutschsprachige Petra Lang musste sich (noch?) sehr häufig zum Vokalisieren retten und war auch sonst kaum zu verstehen.

Maria und Johann Jahnas

 

 

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