Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: TRISTAN UND ISOLDE

WIENER STAATSOPER:  „TRISTAN UND ISOLDE“  am 12.3.2017      

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Sophie Koch, Petra Lang, Stephen Gould. Copyright: Wiener Staatsoper/ Ashley Taylor

Es ist wohl nicht dem Brexit zuzuschreiben, dass seit der letzten Aufführung dieser Produktion vor über zwei Jahren in Cornwall und Irland die Regierungen komplett gewechselt haben. Der neue König in Cornwall ist nun Kwangchul Youn. Wie das bedruhliche Tremolo suggeriert, kam da ein sehr alter Mann an die Macht, dessen Stimme schon sehr gelitten hat. Da ist es mit seinem Berater wesentlich besser bestellt. Stephen Gould verfügt nicht nur über die unabdingbare Kondition für diese Partie, der einst der frühe Tod des Uraufführungssängers zugeschrieben wurde, sondern er bringt auch eine schön klingende Stimme mit, die er auch nach den großen Fortissimoausbrüchen der Fieberträume schnell wieder zu einem klingenden und Legato gesungen Piano zurückschrauben kann.

Petra Lang war in der letzten Aufführung dieser Produktion noch die Brangäne und hat nun ins hochdramatische Fach gewechselt. Es waren aber nicht nur die tiefer liegenden Teile wie Mir erkoren, mir verloren, die gut gelangen. In der Höhe ließ sie erfreulich wenig Vibrato hören, allerdings wäre es schon schön, wenn sie in Zukunft auch auf den Text mehr Gewicht legen würde und nicht einen Abend lang Vokalisen sänge. Ich kann mich auch nicht entsinnen, dass David McVicar die irische Königin als neckisches Mädchen gezeichnet hätte. Neu ist auch die Brangäne von Sophie Koch. (Wenn man Operabase trauen kann, dürfte das sogar ihre erste Brangäne gewesen sein.) Im ersten Akt noch mit Problemen, über das Orchester zu kommen, waren die Wachrufe aber sehr klangvoll gestaltet.

Leider kann man das über den Kurwenal von Matthias Goerne nicht sagen, dem das kraftvolle für Herr Morold zog zu Meere aus vollkommen abgeht und der nur in kurzen, liedhaften Stellen des dritten Aktes Stärken hatte. Leider hat die Partie nur ganz wenige solche Stellen und so bleibt der Eindruck einer sehr verquollen klingenden, kleinen Stimme. Als Melot war Clemens Unterreiner prägnant und Carlos Osuna war ein tadelloser Hirte. Das junge Ensemblemitglied Bror Magnus Tødenes war ein sehr schön klingender junger Seemann.

Leider hebt sich der Schleiervorhang etwas zu spät, so dass akustisch der Eindruck entsteht, als ginge zwischen Westwärts schweift der Blick und ostwärts streicht das Schiff eine Tür aufgemacht, damit man besser hören kann. Die wenigen Mannen Chor sind in der Proszeniumsloge positioniert und erledigen ihre seemännischen Aufgaben tadellos. Warum der Inspizientenaufruf für den Chor bis ins Haus hörbar sein muss (und das genau an der Stelle, als die Protagonisten ihren Liebestrank getrunken haben), ist nicht nachvollziehbar.

Am Pult stand erstmals in Wien bei einem Tristan der Finne Mikko Franck. Sein Hang zur übertriebenen Lautstärke kommt dem Werk nicht zu Gute. Offensichtlich hat er noch immer nicht den richtigen Draht zum Orchester gefunden und betätigt das Gaspedal der Dynamik immer zu heftig. Das Orchester der Wiener Staatsoper kennt seinen Tristan und weiß, wann es „krachen“ soll, aber mit zu großen Bewegungen werden sie dazu ermuntert, noch ein wenig mehr zu geben und dann sind schüchterne Dämpfversuche mit der linken Hand nicht mehr sehr wirkungsvoll. Vor dem zweiten Akt empfingen den Dirigenten einige lautstarke Buhs, die vor dem dritten Akt zu Bravo wechselten. Und irgendwo dazwischen war auch die Leistung.

  Wolfgang Habermann     

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