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WIEN/ Staatsoper: TOSCA – diesmal wieder mit da capo

WIEN/ Staatsoper:  „TOSCA“ – diesmal wieder mit da capo – 8.5.2017

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Martina Serafin. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Angela Gheorghiu hatte die 2. Aufführung der Dreierserie des Puccini-Werkes abgesagt. Ob das am Erfolg ihres Partners lag oder an einer Erkältung, wird sich nicht klären lassen.

Martina Serafin sprang kurzfristig ein und erntete zu Recht großen Beifall. Sie stellte nicht die Diva, sondern die liebende Frau in den Vordergrund ihrer Tosca-Interpretation. Sie kämpft mit aller Macht um ihren Geliebten und überzeugt mit dieser Version das Publikum. Ihre große, gold-bronzen schimmernde Stimme ist ideal geeignet für die Titelrolle. Vom Piano bis zum Forte trägt die Stimme in jeder Lage. Sie phrasiert elegant und gewinnt der Partie dadurch eine besondere Ausdruckstiefe ab. Jonas Kaufmann war diesmal gut eingesungen und setzte seinen baritonal eingefärbten Tenor schon bei reconditaarmonia ideal ein. Wie er den Schlusston ins Pianissimo zurückzieht, ist vorbildlich. Die Höhen bei vita mi costasse und die Vittoria-Rufe explodieren förmlich. Seine reizvollen Pianissimotöne, die er zum besonderen Ausdruck benutzt, begeistern. Das ausgesprochen angenehme Timbre und die ungemein gekonnte Phrasierung tragen zu einer Spitzenleistung entscheidend bei. Er ist ein  offener, sehr natürlicher Schauspieler, der als Künstler, Revolutionär und liebender Mensch vollkommen überzeugt. Und dann wieder der Wirbel im 3.Akt. Nach der Sternenarie, die er einfach hinreißend aus dem Pianissimo haucht, ein fast 10-minütiger Applaus. Der verunsicherte Dirigent, der in der 1. Aufführung der Serie keine Wiederholung zuließ, beriet mit den Stimmführern und es kam zum da capo. Das war natürlich sehr verräterisch, weil man sich das nicht getraut hat, als die Gheorghiu  sang. Befürchtete man, dass sie nicht zur Bühne zurückgekehrt wäre? Selbstverständlich erschien die Serafin sofort nach dem Ausklang der Wiederholung und die beiden sangen ein wunderbares Abschiedsduett. Und noch einmal ganz zum Schluss vor dem Sprung von der Engelsburg hielt man den Atem an, weil man sich an den 2.12.2015 erinnerte, als Martina Serafin sich beim unglücklichen Ankommen am Bühnenboden einen schweren Beinbruch zuzog. Es war ihre erste Tosca nach dieser Vorstellung in Wien. Alles ging gut!!

Marco Vratogna bot einen  gefährlichen, höchst unangenehmen Scarpia, völlig der Rolle entsprechend. Sein größer gewordener Bariton mit dem grauen, knorrigen Klang charakterisiert den sadistischen Polizeichef sehr gut. Der 2. Akt liegt ihm allerdings deutlich besser, als der 1., weil er beimTeDeum Schwierigkeiten hat, sich Gehör zu verschaffen.ClemensUnterreiner ist stimmlich und darstellerisch ein idealer Angelotti. Paolo Rumetz interpretiert den Mesner sehr eigenständig und eigentlich völlig losgelöst von der Deutung Alfred Šrameks. Seine dunkle, üppige Baritonstimme passt sehr gut zur Figur. Wolfram Igor Derntl hat für den Spoletta eine fast zu schöne Stimme und ist eher verängstigt als gefährlich, was bei seinem Chef kein Wunder ist. Mihail Dogotari ist ein unauffälliger Sciarrone. Ayk Martirossian debütierte am Haus  als Schließer. Manami Ziervogel als Kind der Opernschule zeigte einen angenehmen Mezzo. Orchester und Chor (Leitung: Martin Schebesta) waren auf der Höhe.

Der an der Staatsoper in dieser Serie debütierende Dirigent EivindGullberg Jensen versuchte eine dramatische Gangart. Leider waren Chor, Orchester und Solisten nicht immer beisammen, was besonders beim TeDeum auffiel.

Viel Beifall für die Protagonisten.                                      

  Johann Schwarz

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