Der Neue Merker

WIEN / Staatsoper : Thomas Adès „THE TEMPEST“

Christopher MALTMANN als Prospero mit seiner Tochter Miranda: Stephanie HOUZEEL

Christopher MALTMANN als Prospero mit seiner Tochter Miranda: Stephanie HOUZEEL

Wiener Staatsoper
THE TEMPEST” von Thomas Adès
18.Oktober 2015 / 8.Aufführung der Neuinszenierung

 

Der Sturm tobt weiter

Audrey LUNA in höchsten Höhen

Audrey LUNA in höchsten Höhen

Keine Frage, die Vertonung von Shakespeares Versöhnungsprojekt läuft auch in seiner zweiten Serie in der Wiener Staatsoper mit jenem erstaunlichen Erfolg, den moderne Werke in der Regel nicht so leicht erzielen. Und wieder ist es jener postromantische Ton in der Musik mit ihrer interessanten schrägen Klangsprache, scheinbar frei von allen Ismen und mit einem beinahe freien, allgemeinverständlichen Zugang zur Illustration der Handlung. Wie spannend und aufwühlend ist doch gleich zu Beginn der Sturm, wie berührend das Liebesduett am Ende des zweiten Aktes ohne sich in das Fragwürdige eines Ohrwurms zu verirren.
Durch sein Dirigat bei Billy Budd, Jenufa und Peter Grimes sowie anderen Klassikern ist Graeme Jenkins schon seit zehn Jahren bestens bekannt bei uns, seine Mitwirkung brachte gegenüber der Leitung durch den Komponisten eine weitere Schärfung der Klangfarben in der Partitur, eine stärkere Durchdringung der Orchestersprache mit seinen Vorgaben an Rhythmik und dynamischen Schattierungen, auch zum Vorteil der Sängerinnen und Sänger.
Vor allem der Brite Christopher Maltmann in der zentralen Rolle des Prospero war mit seiner Rollenauffassung im Gegensatz zum Premierensänger durch die besondere Betonung der Härte seinen gestrandeten Feinden gegenüber und die erforderliche musikalische Unterstützung durch das Dirigat im Vorteil. Aber auch in der dunkleren, männlich-baritonalen Stimmfarbe hatte der Sänger in seinem Rollendebüt ein markanteres Auftreten.
Und wieder begeisterte Audrey Luna als der, bei Prospero gefangene Ariel mit seinem in tatsächlich höchste Höhen führenden Sopran und ihren/seinen akrobatischen Einlagen, die nur teilweise, an einem Luster hängend, gedoubelt waren. Die Sängerin ist tatsächlich schon ein Liebling des Stehplatzes geworden, wenn man den Schlussapplaus richtig wertet.
Das Liebespaar war sehr gut in der auch optisch verführerischen Miranda von Stephanie Houtzeel und mit dem russischen Tenor Pavel Kolgatin als Ferdinand vertreten. Beider “Liebesduett” ist tatsächlich moderner Belcanto, bei dem – als heimlicher Lauscher – Prospero, der “Vater der Braut”, sonst einer Verbindung seiner Tochter mit dem Sohn seines Feindes eher abgeneigt, fast weich wurde.
Thomas Ebenstein, wie schon zuletzt wegen Verkühlung angesagt ersang sich mit der originellen Figur des Caliban trotzdem Erfolg, Mit dem Countertenor David Daniels als Trinculo und dem Stefano des Dan Paul Dumitrescu war das Buffopaar originell besetzt, verbleibt noch die übrige “Bagagi” des schiffbrüchigen Hofstaates, an der Spitze der König, schönstimmig, von Herbert Lippert, sowie Jason Bridges, David Pershall und – stimmgewaltig – Sorin Coliban. Und natürlich muss der Chor der Wiener Staatsoper mit seinen hohen Spielanteilen ausdrücklich erwähnt werden.
Die Inszenierung, eine Gemeinschaftsproduktion mit der MET und L`Opéra de Québec, geht nach dieser Aufführung wieder auf Reisen, zu hoffen ist, dass sie wieder Station in Wien macht!

 

Peter Skorepa
MERKEROnline
Fotos: Michael Pöhn/Wr.Staatsoper

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