Der Neue Merker

WIEN Staatsoper Strauss-Tage: Richard Strauss SALOME

Herwig Pecoraro als Herodes und Lise Lindstrom als Salome in "Klimtschen Rahmen" (Foto M.Pöhn)

Herwig Pecoraro als Herodes und Lise Lindstrom als Salome im „Klimtschen Rahmen“ (Foto M.Pöhn)


WIEN STAATSOPER

Strauss-Tage
Richard Strauss SALOME
25.November 2017
235.Aufführung in dieser Inszenierung

 

„Und heute, am 25. November,  hat PETER SCHNEIDER eine „SALOME“ dirigiert, die womöglich alle seine bisherigen  Dirigate dieser Oper noch um ein Quäntchen übertraf.  Ganz abgesehen von der Klangpracht, die an die 2 Stunden offeriert wurde…Mit solchem mysteriösen Silberglanz ist der „See von Galiläa“ noch selten präsentiert worden, die obstinate Szene mit den streitenden 5 Juden, ob der Prophet wirklich Gott gesehen habe,  offenbarten im Dauerforte bei stetem rhythmischem Gleichmaß die ganze herbe Kritik, die Strauss hineinkomponiert hat, und trotzdem blieb der Text verständlich.

Peter Schneider hat uns  in seinem Werkstatt-Gespräch am Vorabend informiert, dass Strauss natürlich sehr wohl um die Wucht des 109-Musiker-Orchesters wusste, aber gemeint hat, wenn man wirklich das spielt, was er niedergeschrieben hat, mit allen p und pp-Stellen,  trotzdem alle Stimmen auch inmitten des größten Orchesterrausches hörbar bleiben. Dazu bedarf es natürlich höchster dirigentischer Meisterschaft.  So geschehen am heutigen Abend! Bei den orchestralen Zwischenspielen, beim Tanz oder den dramatischen Höhepunkten (Abgang Jochanaans in die Zisterne nach dem Fluch, oder am Schluss bei: „Man töte diese Weib““ – da darf man loslassen – denn so steht es geschrieben. Ein Aufschrei der Begeisterung aus dem ganzen Haus empfing den Maestro bei seinem Solovorhang nach diesem Finale.“

Nun dirigiert Peter Schneider noch zweimal „Ariadne“ (26. und 29. November).
Von weiteren Auftritten an der Wiener Staatsoper ist uns aber derzeit nichts bekannt.

Bleibt die Frage an den gegenwärtigen und künftigen Direktor: Was gewinnt die Wiener Staatsoper, wenn sie auf einen solchen Kenner und Könner verzichtet???“

Sieglinde Pfabigan („I  woat auf Antwort….“)
Der Neue Merker

Als Verfasser dieses Berichtes im OnlineMERKER habe ich sehr gerne nach der Derniere dieser Salome-Serie die Feder bzw. den Laptop der Chefredakteurin des befreundeten Opernjournals „Der Neue Merker“, Frau Dr. Sieglinde Pfabigan überlassen, zumindest für die Beschreibung dessen, was Ihr der Dirigent des Abends, Peter Schneider und dessen Dirigat bedeutet.

Und es scheint, wie auch das Werkstattgespräch ergeben hat, einen direkten Zugang dieses „Älteren Herrn“ zum Kosmos Richard Strauss zu geben, nicht nur was tradierte Werkkenntnis anlangt, sondern auch was die Tradition der Wiedergabe bedeuten kann, was Stil der Dirigiertechnik selbst, aber auch überlieferte Agogik ausmachen. Und wenn man von Richard Strauss und dessen Stil des Dirigates liest, dass man ihm angeblich von hinten her besehen nicht anmerkte, wenn er „vorneweg“ dirigierte und er mit minimalsten Bewegungen Orchesterstürme hervorrief, so ist über den Minimalismus eines Peter Schneider ähnliches zu berichten: Unaufgeregte Kontrolle des Orchesterapparates durch sparsame Zeichengebung, auffällig unprätenziöse aber exakte Sängereinsätze und beispielhaftes Herangehen im Aufbau der Orchesterhöhepunkte, etwa beim Fluch des Jochanaan oder dem finalen Tuttieinsatzes, bei dem sich der Dirigent als einzige auffällige Pose ein kurzes Erheben vom Sitz leistete.

Zum Werkstattgespräch mit Peter Schneider führt Sie der Link mit dem Bericht von Johann Schwarz im OnlineMERKER: Zum Bericht

Die Leistungen der Gesangssolistinnen – und Solisten wurden in den ersten drei Vorstellungen der Serie bereits ausführlich gewürdigt.

 

Peter Skorepa
OnlineMERKER

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