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WIEN/ Staatsoper/ Staatsballett: RAYMONDA – eine Illusionswelt, reich an üppig dekorierten Tableaus

8.1.2017: „RAYMONDA“ –  eine Illusionswelt, reich an üppig dekorierten Tableaus

Drei lange Akte, ganz im Stil des historischen zaristischen Balletts, getragen durch die teils pathetisch aufputschende, teils sehnsuchtsvoll erzählende, teils die Charaktertänze perfekt kolorierende Musik von Alexander Glasunow. Drei üppig dekorierte Tableaus, arm an Handlung, doch mit einer Überfülle an tänzerischen Finessen und reich an Schönheiten und Überraschungen in den Bewegungsabläufen. Rudolf Nurejew ist vor drei Jahrzehnten bei dieser seiner Aufbereitung des russischen Ballettklassikers „Raymonda“ von Choreographen-Legende Marius Petipa – Uraufführung 1898 in St. Petersburg – für die westliche Ballettszene ein Geniestreich gelungen. Voll tänzerischen Raffinessen, völlig an die sie führende Musik gebundenen. Nurejew hatte ideal verstanden, Petipas tradierten Stil kunstgerecht und stimmungsvoll in unsere Tage zu übertragen.

Das sehr gemischte Publikum in Wien beurteilt diese Ballettrarität mit geteilten Meinungen. Kein Zweifel am tänzerischen Niveau, kein Zweifel an den tänzerischen Leistungen. Doch Glasunows pompöses Aufrauschen, eine verklungene Illusionswelt beschwörend, kann beim ersten Hören nicht jeden auch so ganz überwältigen. Und der durch die vielen Divertissements in die Länge gezogene magere Handlungsfaden vermag dies sowieso nicht. Blitzsauber getanzt wurde aber an diesem siebenten und letzten Abend der „Raymonda“-Aufführunsgserie unter der musikalischen Leitung von Kevin Rhodes. Das Wiener Staatsballett präsentiert sich in diesen Tagen in absoluter  Bestform, von den Solisten bis in die hinteren Reihen. Maria Yakovleva schwebt in der Titelrolle wie eine Tanzfee durch das bewegte bunte Geschehen. Denys Cherevychko (ihr geliebter edler Ritter) und Davide Dato (der sie begehrende grimmige Sarazenenfürst) sind ihre fulminanten Partner. Und brillant weiter: Natascha Mair, Nina Tonoli, Rebecca Horner, Masayu Kimoto, Richard Szabó, Igor Milos …. ohne Schwachpunkte vom ersten Walzer bis bis zur finalen Apotheose.

Meinhard Rüdenauer

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