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WIEN/ Staatsoper: SOLISTENKONZERT LEO NUCCI MIT SEINEN PHILHARMONISCHEN FREUNDEN

Wiener Staatsoper

EIN KÖNIG DES BELCANTO: LEO NUCCI BEIM SOLISTENKONZERT MIT PHILHARMONISCHEN FREUNDEN ( 15.9.2015)

Leo NUCCI im Solistenkonzert Fot. Michael Pöhn

Leo NUCCI im Solistenkonzert Foto: Michael Pöhn/Wr.Staatsoper

 

Leo Nucci entspannt nach dem Konzert

Leo Nucci entspannt nach dem Konzert

Leo Nucci ist ein wahres Phänomen – nach einer jahrzehntelangen Karriere (Erstauftritt 1967, Debüt in Wien 1979) liefert der 73jährige italienische Bariton beim Solistenkonzert in der Wiener Staatsoper am 15.September 2015 eine makellose vokale Belcanto- Leistung. Er begeistert mit Raritäten und brachte die „Gassenhauer“ seines Faches erst bei den Zugaben. Das Publikum tobte schon beim offiziellen Teil. Aber mit Posa, Renato , Gerard und seiner Paraderolle – dem Barbier von Sevilla – provoziert er einen echten Hexenkessel an Begeisterung. „standing ovations“, Jubel, Trampeln und Heiterkeit. Wer studieren will, wie wirkungsvoll die richtige Gesangstechnik ist, bei Leo Nucci findet er ein ideales Studienobjekt. Dabei machte es sich der bei Bologna geboren Sänger alles andere als leicht. Er motivierte seine „Philharmonischen Freunde“ Günter Seifert, Raimund Lissy (beide Violine), Michael Strasser (Bratsche), Raphael Flieder (Cello), Kristin Ockerlund (Klavier) sowie Ursula Fatton (Harfe) mitzutun. Und präsentierte dann im 1.Teil Arien aus Poliuto (Donizetti), Beatrice di Tenda (Bellini), Don Sebastiano (Donizetti) , Macbeth und „L’esule“ – beide von Verdi. Nach der Pause ging es ähnlich weiter: I due Foscari (Verdi), I vespri siciliani (Verdi), dann Guglielmo Tell (Rossini), I puritani (Bellini) und La Favorita (Donizetti) . Die Klang-Wirkung dieses Mini-Orchesters war jedenfalls enorm. Und die Vielfalt der Rollen von Leo Nucci ebenso: da wechselten sich Greise und Liebhaber, eifersüchtige Ehemänner und lustige Schelme ab.

Leo Nucci ist nicht gerade das, was man einen „Brüller“ nennt. Aber seine sitzenden, leicht tenoralen Höhen können mit jeder hochdramatischen Kollegin mithalten. Leo Nucci verfügt über eine Zungenfertigkeit ohne Gleichen (Barbier), schöpfte aber bei „Un ballo in maschera“ und bei Andre Chenier wahrlich auch beim Forte aus dem Vollen. Er moduliert seine wohlklingende Stimme nicht durch Veränderung der Stimm-Substanz. Aber durch die Technik erzeugt er Zorn und Zuneigung, Hoffnung und Resignation . Unglaublich das Crescendo beim Schlusston des „Eri tu“. Jedenfalls sollte der Abend als Erkenntnis bringen. 6 Musiker als Assistenten und das Ganze kommt einem Opernabend nahe (die Streicher spielten übrigens als Dankeschön zwei Instrumentalstücke von Paolo Marcarini und Giaccomo Puccini). Die Solistenabende sollen zumeist offenbar Schließtage kaschieren helfen. Diesmal musste gar nichts „zugedeckt“ werden. Es war ein unvergesslicher Abend eines phänomenalen Künstlers, der die Zeitgesetze wirklich aufhebt: möge der „König des Belcanto“ sich diese Qualitäten noch lange bewahren.

Peter Dusek

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