Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: SOLISTENKONZERT EDITA GRUBEROVA/ALEXANDER SCHMALCZ

Wiener Staatsoper: SOLISTENKONZERT EDITA GRUBEROVA/ALEXANDER SCHMALCZ (26.April 2012)

Mit der letzten Zugabe  aus Millöckers „Ach wir armen Primadonnen“ (Der arme Jonathan) versetzte sie das Publikum in einen wahrhaften Begeisterungstaumel : Edita Gruberova bewies einmal mehr, wie sehr sie ihr Metier beherrscht, wie ihre Koloraturen glitzern und strahlen, wie die Stimme nichts an Elastizität verloren hat – und zu wie viel Selbstironie sie heute fähig ist. Zuvor hatte sie sich  – am Klavier  sehr kompetent begleitet von Alexander Schmalcz – fast zwei Stunden mit Liedern von Franz Schubert, Hugo Wolf und Richard Strauss  in einem Metier bewährt, das am anderen Ende der Ausdrucksskala von Lucia, Roberto Devereux oder Norma liegt. Im ersten Teil also Lieder von Franz Schubert  genauer 4 italienische Canzonen sowie La pastorella und Vedi quanto ; dann folgen Goethe-Vertonungen wie Suleika I + II und  Gretchen am Spinnrad sowie  das Lied der Delphine (aus einem Stück von Christian Wilhelm von Schütz). Hier konnte man sehr gut  die dramatische Intensität studieren, zu der Edita Gruberova  heute fähig ist. Ich erinnere mich, dass mir Edita Gruberova bei der Cherubini-Medea-Premiere  1971 als 1.Schleppträgerin durch den süßen Klang in der Höhe auffiel (und damit ersetzte sie wenige Monate später Lucia Popp  vollwertig als Glauce). Aber es dauerte noch Jahre, bis die Stimme der slowakischen Sopranistin auch in der Mittellage Farben bekam, an Volumen zunahm  und zugleich  bis heute nichts am  stratosphärischem Glanz  der Spitzentöne eingebüßt hat. Die Bühnenkarriere von Edita Gruberova dauert  nun schon bald  5 Jahrzehnte, seit 36 Jahren  – seit der Zerbinetta unter Böhm – ist sie ein Weltstar und immer noch lernt sie neue Rollen  wie „La straniera“ von Bellini, die sie bald in München und später in Wien geben wird. Nach der Pause Lieder von Hugo Wolf nach Texten von Eduard Mörike, fast alle in Wien Perchtolsdorf niedergeschrieben– Edita Gruberova überrascht durch den witzigen Vortrag, die die feine Ironie und fast liebevolle Behandlung des Textes. Zuletzt nähert sich Edita Gruberova mit Lieder von Richard Strauss (ua. Säusle liebe Myrte!)  jenen künstlerischen Bereichen, die ihr „Markenzeichen“ ausmachen. Bei den Zugabe gibt es ebenfalls Strauss und Schubert, dann kommt echte  Primadonnen-Stimmung auf: Edita Gruberova singt das Schwalbenlied von Eva Dell’Acqua aus dem Jahr 1893. Die Töne schweben, schwirren und glänzen – und niemand könnte diesen Titel so singen wie Edita Gruberova. Aber  mit dem Millöcker wird sogar dieser rauschhafte Glückszustand überboten. Die slowakische Diva ist ein  wahrlich „Dealer“  – und zwar einer, der mit Glückshormonen handelt…

Peter Dusek

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