Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: RUSALKA – leider schon die letzte Aufführung der Serie

WIEN/ Staatsoper:  „RUSALKA“ –  am 28.10.2017

Leider schon die letzte Aufführung der Serie

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Jongmin Park (Wassermann). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Der geheimnisvolle Beginn des Vorspiels mit den Pianissimo-Celli und den herrlich singenden Holzbläsern scheint einen in eine Märchenwelt tragen zu wollen. Der Mann am Pult, Tomáš Hanus, zaubert weiche Klänge aus dem Graben und erzeugt eine Stimmung, die mit Aufgehen des Vorhanges keine optische Entsprechung findet. In einem verschneiten Flakturm versucht der Wassermann wie Alberich sich eine der Waldelfen zu ergattern. Doch Ileana Tonca, Ulrike Helzel und Margaret Plummer widerstehen seinen Versuchen und haben auch kein Gold zu verlieren wie ihre Verwandten im Rhein. Dabei hätte der warme, schöne Bass von Jongmin Park doch eine höchst verführerische Stimme. Immerhin kann er der liebeskranken Nixe Rusalka wohltönenden und warnenden Rat geben. Dass sich seine Vorahnungen erfüllen werden, gibt ihm dann aber die Gelegenheit im zweiten Akt seine große Szene eindrucksvoll zu gestalten.

Krassimira Stoyanova straft eigentlich schon im ersten Akt den Text Lügen, denn wie soll ein Wesen ohne Seele derart seelenvoll singen ? Ihre Rusalka berührt zutiefst in ihrem Wunsch nach Menschwerdung auch unter Verzicht auf die Sprache und dann in ihrer Verzweiflung, wenn sie erkennen muss, dass nicht jeder Prinz in einem Märchen auch ein echter Märchenprinz ist. Dieser ist Dmytro Popov mit einem vor allem in der Höhe strahlenden Tenor ausgestattet. Im Finale beweist er aber auch, dass ihm auch ein schönes Piano zur Verfügung steht un d er sich im Laufe der Serie weiter gesteigert hat. Als Hexe Ježibaba kann Monika Bohinec mit einer satten Tiefe punkten, auch wenn sie trotz ihrer Sammlung toter Raben nicht sonderlich dämonisch wirkt.

Eine Klasse für sich ist die berechnende, kalte fremde Fürstin von Elena Zhidkova, die mit prägnanter und dominierender Stimme mit dem schwachen Prinzen spielt und Rusalka endgültig ins Unglück stürzt, auch wenn diese schon durch das während der Polonaise getanzte groteske Pas de défloration schon an ihrer Entscheidung, Mensch werden zu wollen, zweifelt.

Sozusagen als Buffopaar werden Heger und Küchenjunge gezeichnet. Gabriel Bermúdez und Stephanie Houtzeel sind da in ihrer Polkaszene des zweiten Aktes sehr komödiantisch unterwegs, während sie im dritten Akt ein nicht durch den Text belegtes, blutiges Ende finden. Rafael Fingerlos darf als Jäger nach seinem Gesang noch einen Kurzauftritt beisteuern.

Ein Abend, der musikalisch wirklich keine Wünsche offen lässt und die Bekanntschaft mit einem Dirigenten vermittelte, von dem zu hoffen ist, dass das nicht die letzte Begegnung mit ihm war,.

Wolfgang Habermann

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