Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: RUSALKA – fast alle Märchen sind grausam, und die Strafen sind immer unbarmherzig!

WIEN/ Staatsoper: „RUSALKA“ am 25.10.2017

Fast alle Märchen sind grausam, und die Strafen sind immer unbarmherzig!

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Ulrike Helzel, Ileana Tonca, Margaret Plummer. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

So auch im tschechischen Märchen um das Wasserwesen Rusalka. Nicht nur der Prinz wird bestraft, auch sie kann nicht mehr in ihr geliebtes Wasser zurück.

Sehr schön begann schon das Orchester unter Tomáš Hanus, ein Absolvent der Janacek Akademie, derzeit ist er Chef der Welsh National Opera. Da steht wirklich ein „Versteher“ der slawischen Musik am Pult und er kann schon am Beginn die Zaubertöne der Geschichte bringen auch wenn der Zauberwald in der Szenerie total fehlt.

So jagt der Prinz nicht im Wald sondern mehr in einer verzauberten Eislandschaft, die tot wirkenden Bäume tragen je nach Beleuchtung zum Teil menschliche Gesichter, schon viele Opfer dieser grausamen Geisterwelt ?

Als Prinz erstmals dabei ist Dmytro Popov, den man in Wien schon als Alfredo in Traviata hörte. Nun konnte man feststellen, wie gut ihm das slawische Fach liegt. Alle Höhen kommen einfach prachtvoll, die Stimme trägt auch in schönen Piani sehr gut und das slawische, mit der leichten Träne versetzten Timbre ist für den traurigen Prinzen, der immer nur sein weißes Reh sucht und will, ideal.

In der Titelrolle wieder einmal die wunderbare Krassimira Stojanova. Sie konnte wieder mit herrlicher, nach wie vor perfekt ruhig geführter Stimme voll überzeugen. Die berühmte Arie, das „Lied an den Mond“ sang sie so wundervoll mit feinsten Pianobögen.

Ihr mächtiger Vater, der „Wassermann“ ist wohl eine der besten Rollen des jungen Basses Jongmin Park, der seine warme samtige Stimme herrlich strömen ließ. Voll Bosheit, Hass auf alles Menschliche  und schönsten Alttönen ist Monika Bohinec als Hexe Ježibaba unterwegs. Auch die drei Elfen Ileana Tonca, Ulrike Helzel und Margaret Plummer, die blutrünstigen Vampyrdamen spielten und sangen ihre Ensembles wirklich gut.

In der Welt des Prinzen – der Menschen war Elena Zhidkova eine intrigante, herrlich singende fremde Fürstin, die sehr an die Principessa di Bouillon erinnert. Als Heger konnte Gabriel Bermudez absolut gefallen, köstlich der Küchenjunge/Stephanie Houtzeel, Das Ende der Beiden ist allerdings schrecklich. Da schlägt der Hass der Zwischenwelt unbarmherzig zu. Rafael Fingerlos konnte sich als Jäger hörbar zeigen.

Die Kostüme von Marianne Glittenberg sind zum Teil wirklich schön, zum Teil sogar sehr schön, und ein Bravo an die Maske.

Der einzig störende und belästigende Faktor ist das unnötige „Vergewaltigungsballett“ im zweiten Akt.

Die neue Verkleidung des Eisernen ist nicht zwingend, aber auch nicht störend wie einige Vorgänger Modelle der vorangegangenen Direktion. Auf alle Fälle ist es positiv, dass immer doch einige Zeit das Original zu sehen ist.

Das Haus war fast ausverkauft, und in der Pause war keine Flucht wahrnehmbar.

Elena Habermann

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