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Wien Staatsoper: Richard Strauss ELEKTRA Das Rätsel um den Lift ist gelöst!

EVA PANKRATOVA als ELEKTRA (Foto C: M.Pöhn)

ELENA  PANKRATOVA als ELEKTRA (Foto C: M.Pöhn)

Wiener Staatsoper

Richard Strauss  ELEKTRA
14.Aufführung in dieser Inszenierung

5.Dezember 2017

 

Geheimnis des ELEKTRA-Liftes gelöst

Dem Altertumsforscher Uwe Eric Laufenberg war es gelungen, nach Beseitigung der letzten Reste an Zyklopenmauerwerk – teilweise noch von Wieland Wagner, aber auch zurückreichend bis ins letzte Kaiserreich von dem antiken Baumeister Alfred Roller stammend – eine Liftanlage aus dem sagenumwobenen alten Griechenland freizulegen und deren geheimnisvoller Verwendung endlich auf die Spur zu kommen.

Es ist der Fluch der Atriden, welcher diese Sippe, Nachkommen des Tantalos interfamiliär zu mörderischer Dezimierung bis ins fünfte Glied veranlasst hat. Der unselige Vorfahr, Halbgott Tantalos hatte seiner vollgöttlichen Verwandtschaft seinen geschlachteten und nach bester Kochkunstmanier zubereiteten Sohn Pelops zum Fraß vorgesetzt, diese hatte aber trotz überreicher Würzung den Schwindel erkannt. Die Folge: Fluchbelegung und Verbannung von Tantalos in den Strafort der Unterwelt, dem Tartaros.

Was lag also näher, für die genealogisch ablaufenden Leichentransporte in dieser Familie vom Palast zu Mykene eine Liftanlage hinunter in den Tartaros zu bauen, noch dazu, wo dieser noch ein Stockwerk unter dem Hades angelegt war. Die Verbannung in diesen Ort war ein unwiderruflicher. Jetzt wissen die Leser des OnlineMERKER hoffentlich etwas anzufangen mit diesem kuriosen Inszenierungsdetail, dem Fahrstuhl zur Hölle für die Nachfahren des Tantalos.

Elektra_104651_MEIER 12-2017Am gestrigen Abend wurde der Lift wieder in Betrieb genommen um Klytämnestra – Waltraud Meier – in den Kohlenkeller zu befördern, angetan mit schönen Stoffen und in Halbseide, um ihre psychischen Blößen bei Elektra bloßzulegen. Ja, mit einem solchen Vorleben kann man tatsächlich nicht schlafen, aber doch noch singen, wenn auch mit Defiziten in den tieferen Regionen. Und ja, eine königliche Erscheinung ist sie sicherlich noch immer, sogar im Rollstuhl.

Elena Pankratova aus Jekaterinburg war für die erkrankte Evelyn Herlitzius eingesprungen und ersetzte die Hochdramatik der Letzteren beinahe vollgültig, ist sie doch bereits seit 2010 als Färberin in Florenz und als Kundry in Bayreuth seit 2016 „im Geschäft“, das von Norma bis Tosca und von Ortrud bis Rosalinde reicht, aber auch Turandot, wie in der Wiener Staatsoper. Gerade etwas ungelenk wirkt zum Schluss ihr Freudentanz, aber Elektra ist ja kein Ballettabend.

Die dritte im Bunde dieses starken Frauenterzetts war die aus Deutschland stammende Sopranistin Gun-Brit Barkmin, einem starken, beachtlichen und sehnsüchtig und mit sehrender Intensität vorgetragenem Aufschrei nach Leben und Erfüllung und Liebe, gegen den auch die starken Orchesterfluten keine Chancen hatten.

Johan Reuter war ein beeindruckender Orest mit intensiv gesungener Erkennungsszene, Norbert Ernst der zu recht misstrauische Aegisth. Das Ensemble war in den Nebenrollen auf der Höhe seines Könnens, mit der Sängerin der Elektra und dem Sänger des Orest hatten noch Ryan Speedo Green als Pfleger und Margarita  Gritskova als zweite Magd ihr Rollendebüt an der Wiener Staatsoper.

Ingo Metzmacher war an diesem Abend der musikalische Organisator der bis zur Uraufführung dieses Werkes wohl modernsten, weil so dissonanten Partitur einer Oper, besonders aber der Schlussteil schien bei ihm einen neuen Lautstärkerekord hervorgebracht zu haben, jedenfalls aber einen applaustreibenden.

Peter Skorepa
OnlineMERKER

 

Strauss Ausstellung im Gustav Mahler – Saal:

Diese kleine aber interessante Ausstellung aus Anlass der Srauss-Tage im Mahler-Saal über die Wiener Staatsoper in Verbindung mit Richard Strauss, deren Co-Direktor mit Franz Schalk er ja von 1919 bis 1924 war, gibt auch einige „Geheimnisse“ vom Dirigenten preis. Da erfährt man einiges über seine, vor allem bei Bülow gewonnenen Erkenntnisse über „Lautstärkeregelungen“ und Dirigieranweisungen, die sich auf einen unbedingten Minimalismus in Handzeichen und Blicken beschränkte. Weiteres über das Repertoire unter Strauss, die Künstlerinnen und Künstler und sein Opernschaffen sind zu sehen.

Die am gleichen Abend eröffnete sehenswerte Ausstellung ist für alle Besucher vor den Vorstellungen und in den jeweiligen Pausen frei zugänglich.

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