Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: OTELLO – ein Hindernislauf mit gutem Ende

WIENER STAATSOPER: „OTELLO“. Ein angesagter Hindernislauf wurde ein großer Abend. 6.2.2017

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Olga Bezsmertna, Kristian Benedikt. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Herr Direktor Dominique Meyer trat vor Beginn der Aufführung und machte launig und charmant die Ansage und Bitte um Milde für den dritten Otello dieser Aufführung. Seiffert wurde während der Proben krank, Antonenko fühlte sich nach zwei Proben doch noch nicht gesund genug, um zu übernehmen. So kam der Retter Kristian Benedikt gestern spätabends in Schwechat an. Eine kurze Verständigungsprobe, mehr war nicht möglich. Die großen Duette, die Chorszenen waren  ein Kennenlernen auf der Bühne. Die Anspannung war groß und die Konzentration enorm, doch alles lief sehr gut. Mit dem großartigen Kapellmeister Marco Armiliato, auch er dirigierte seinen ersten Otello in Wien, war das gewisse Sicherheitsnetz für alle Beteiligten gespannt. Er musizierte mit dem Orchester vom Feinsten, mit Pianibögen, die man nur ganz selten hört. Die Sänger wurden mit Samthandschuhen durch die Aufführung getragen. Es gab keine unsichere Sekunde, auch die Anfangsnervosität des Titelrollensängers wurde geschickt abgefangen. Kristian Benedikt gab sein Hausdebüt an der Wiener Staatsoper und bewies Nerven. Otello ohne Probe, das ist fast ein Himmelfahrtskommando. Eigentlich entzieht sich so ein Einspringen der Kritik, aber erwähnt gehört,  dass er nach einem sehr guten „Esultate“ auch ein gutes Liebesduett sang.  Im zweiten Akt zeigte er Nerven,  einige Unsicherheiten in der Phrasierung, da wollte er zuviel. Aber nach der Pause überraschte er mit einem ergreifenden „Dio mi potevi„. Die Stimme ist nicht gerade als betörend zu bezeichnen, aber er singt technisch sehr gut und führt die eher sehr baritonal gefärbte schwere Stimme auch mühelos in schöne Piani. Olga Bezsmertna sang ihre erste Desdemona und das großartig. Auch sie wurde vom Dirigenten bei ihrer großen Szene „Canzon del salice“  und dem darauffolgenden „Ave Maria“ feinst getragen. Die Duette kamen absolut gut, nicht leicht unter diesen Umständen, aber das gehört zum Opernalltag, und auch zum Können der Künstler, mit allen Situationen umgehen zu müssen. Wie sie die Rolle darstellerisch umsetzte kann man in dieser Regie kaum beurteilen, das gilt allerdings für alle Beteiligten.

Als Jago erstmalig in Wien war Carlos Alvarez einfach ein Genuss. Er legt ihn stimmlich nicht so bitterböse an, eher voll Frust und Hinterfotzigkeit. Fast hat man das Gefühl, dieses Ende wollte er doch nicht. Das Trinklied und auch seine Credo kamen einfach toll und sind schwer zu toppen. Auch trug er die großen Szenen mit Otello geschickt und erwies sich als toller Kollege. Als Cassio erstmals das junge Ensemblemitglied Jinxu Xiahou. Er zeigte wieder seine sehr schöne lyrische Stimme und erinnerte an Giuseppe Zampieri. Als Emilia war Monika Bohinec sehr erfreulich. Die kleinen Rollen waren sehr bemüht mit Peter Jelosits/Rodrigo, Orhan Yildiz/Montano, Ion Tibrea/Herold und Alexandru Moisiuc als Lodovico (den ist man eigentlich von schöneren Stimmen gewohnt) besetzt.      

Ausgezeichnet sang der Chor unter Thomas Lang. Das Orchester spielte betörend schön. Also ehrlich, so einen tollen vierten Akt, ich weiß nicht wann ich das hörte, ….oder überhaupt je.?

Das Publikum dankte allen herzlich, besonders dem Maestro. Jetzt wird man weitersehen, wer der nächste Otello sein wird?

Elena Habermann

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