Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: MEDEA von Aribert Reimann

WIEN/ Staatsoper: 11.04.2017    „MEDEA“

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Monika Bohinec. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Aribert Reimanns Auftragskomposition für die Wiener Staatsoper – hier uraufgeführt vor sieben Jahren-, nach Grillparzers antiker Tragödie komponiert, stand nach längerer Pause wieder auf dem Spielplan. Der bekannt tragische Medea-Stoff wirkt mit Reimanns imposanter Musik noch schrecklicher als Grillparzers Schauspiel. Die musikalische Untermalung, eigentlich eine gewaltige Untertreibung, denn das Orchester dominiert das Geschehen, die Sänger sind die Getriebenen, die sich gegen Klangmassen behaupten müssen, verschärft den Ablauf des schrecklichen Geschehens.

Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli zeigt als meisterhafter Erzähler der Geschichte, wie die Protagonisten dem letztendlich letalen Finale entgegengehen, ohne die geringste Möglichkeit, dem Schicksal einen anderen Lauf zu geben. Eine wüste Geröllhalde bildet den passenden Rahmen, die Kostüme (Dagmar Niefind) sind symbolhaft: Die „Guten“ in weißer Bekleidung, den rächenden Geist in Rot darzustellen, ist nicht ganz neu, aber durchaus plausibel. Den Sängern und Musikern wurde Gewaltiges abverlangt, das Orchester unter dem äußerst effizienten Dirigenten Michael Boder – er dirigierte auch die Premiere – spielte überragend, stets den Intentionen des Komponisten entsprechend, zum Teil sogar mit anderen, überraschenden Effekten, wie Reimann in einem Interview sagte.

Die Titelrolle erfordert eine Sängerin, die sowohl lyrisch, wie auch dramatisch in allen Höhenlage perfekt präsent sein muss. Dieser Idealfall war mit Claudia Barainsky gegeben. Mit welcher Ausdauer sie die schwierigen und häufig geforderten Koloraturen bewältigte, war erstaunlich. Monika Bohinec war als Gora eine weitere großartige Stütze des Ensembles, mit mächtigem Mezzo reüssierte sie bestens. Stephanie Houtzeel sang die Kreusa mit gut geführter Stimme, rollenbedingt stand sie aber doch einigermaßen im Schatten der Vorgenannten. Norbert Ernst war ein wortdeutlicher Kreon, der seine schurkische Rolle perfekt spielte. Jason war – wie bei der Premiere – bei Adrian Eröd in besten Händen. Sein kerniger Bariton kam in dieser Rolle bestens zur Geltung. Die kurze Rolle des Herolds wurde vom Coutertenor Daichi Fujiki gesungen, die halsbrecherischen Koloraturen dürften nicht sehr viele Sänger in dieser tollen Form präsentieren. Es war erfreulich, dass man bei dieser Vorstellung kaum freie Plätze sehen konnte, das beeindrucktes Publikum spendete allen Künstlern reichlich Applaus.     

Johannes Marksteiner

 

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