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WIEN/ Staatsoper: LIEDERABEND EDITA GRUBEROVA: ABSCHIED EINER KÖNIGIN

WIEN/ Staatsoper: LIEDERABEND EDITA GRUBEROVA: ABSCHIED EINER KÖNIGIN (24.4.2017)

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Peter Valentovic, Edita Gruberova. Copyright: Michael Pöhn, Wiener Staatsoper

Es ist fast schon ein Ritual: Edita Gruberova gibt einen Lieder-Abend – diesmal mit Werken von Tschaikowski, Rimski-Korsakow, Dvorak, Strauss und Mahler. Und das Publikum wartet auf die Zugaben. Und ein musikalischer Routinevorgang – souverän unterstützt am Klavier durch den slowakischen Musiker Peter  Valentovic – mutiert prompt zum Ereignis. Diesmal passierte es bei der 3. von insgesamt 7 Zugaben. Mit der „Villanelle“ von Eva Dell’Acqua – der Arie einer belgischen Koloratur-Sopranistin, die 1893 dieses melancholisch-virtuose „Rührstück“ aus der Taufe gehoben hat. Es erzählt von Liebe und Abschiednehmen, von Freude und Trauer-kurzum: Edita Gruberova war noch einmal die Königin der Koloratur-Soprane; sie hatte diese Position in Wien seit der Ariadne-Premiere unter Karl Böhm 1976 und ihrer ersten Lucia 1978 eingenommen. Und nun – 47 Jahre nach ihrem Staatsopern-Debüt als Königin der Nacht- brachte sie das Publikum nochmals fast um den Verstand. Bis dahin hatte es herzlichen Applaus gegeben, wie es bei einem anspruchsvollen Lieder-Programm üblich ist. Spätestens bei der „Villanelle“ gerieten die Zuhörer „aus dem Häuschen“: es gab Jubel, Trubel, ein Blumen- Meer und Publikums-Ekstase. Und die Begeisterung steigerte sich noch weiter: mit einer Arie aus Smetana’s „Kuss“, mit den beiden Arien der Adele aus der „Fledermaus“ und dann noch mit Liu’s „Liebesbekenntnis“. Es war der wehmütigste Moment des Abends, denn so wie es aussieht, war dies der triumphale Abgang einer wahren „Opern-Königin“ – zumindest aus der Wiener Staatsoper.

Zwar widerlegt Edita Gruberova seit Jahren die Gesetze der Natur, aber im Moment gibt es keine weiteren Pläne für Wien. Und die Auftritte von Edita Gruberova werden insgesamt seltener. Und auch die Fans müssen konstatieren – hier nimmt eine Primadonna allmählich Abschied auf höchstem Niveau. Und vielleicht eine kurze Antwort auf eine oft gestellte Frage: „Warum tut sich die Gruberova das alles überhaupt noch an?“ Solange man ein Publikum so in „Rage“ versetzen kann, wie Edita Gruberova bei ihrem jüngsten Liederabend in Wien, erübrigt sich eine Antwort. Und dann: man darf nicht vergessen, wie dankbar ein junges Publikum dafür ist, dass es das Phänomen Edita Gruberova noch live erleben kann. Ich selbst bin stolz darauf, den Wiener Bühnenabschied von Rosette Anday bzw. Max Lorenz mitverfolgt zu haben. Und am 24.März 2017 sah man etwa auf der Galerie der Wiener Staatsoper erstaunlich viele junge Gesichter – sie waren offenbar gekommen, um eine Legende zu hören. Und diese jungen Leute kamen auf ihre Rechnung.

Ach ja – es gab ja auch einen Liederabend vor den Zugaben: es begann mit Pjotr Iljitsch Tschaikowski – „Warum?“ und „Wiegenlied“; dann 3 Titel aus dem Liederzyklus „Frühling“ von Nikolai Rimski-Korsakow und schließlich 7 Zigeunermelodien von Antonin Dvorak; nach der Pause ging es weiter mit 7 „Blumen-Liedern“ von Richard Strauss. Und der offizielle Schluss kam von Gustav Mahler: zunächst – fast programmatisch – „Erinnerung“, dann „Ich atmet‘ einen linden Duft“, „Hans und Grete“ und als Schlusspunkt des offiziellen Programms “Scheiden und Meiden“  – das war offenbar an den abwesenden Direktor Dominique Meyer gerichtet.

Peter Dusek

Richtigstellung zum Bericht

Sehr geehrter Herr Dr. Dusek,

Soeben habe ich Ihre Kritik gelesen über den Liederabend vom 24.3. mit dem Titel “Abschied einer Königin“ und möchte hiermit auf Fr. Gruberovas fan page verweisen der zu entnehmen ist, dass für 23.6.2018 eine “ 50 Jahre Bühne-Gala“ in der Wr. Staatsoper vorgesehen ist. Dieser Liederabend am 24.3., war also nicht schon als Abschied gedacht. Ich nehme an, dass das am 5.4., wenn das Programm für die nächste Saison verfügbar ist, zu ersehen sein wird.

Berenice Rutzki

 

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