Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: L’ELISIR D’AMORE – mit Umbesetzung in letzter Minute

WIEN/ Staatsoper: „L ´ELISIR D ´AMORE“ am 25.9.2015 – Umbesetzung – nicht einmal ein rosa Zettel ging sich aus

 Dunkelwerden vor Beginn, Licht vor dem Vorhang, Schrecksekunde.

Mitgeteilt wurde, dass Valentina Nafornita wegen plötzlichster Indisposition um ca. 17 Uhr absagen musste und in schnellster Zeit Aida Garifullina als Retterin gefunden wurde.


Aida Garifullina. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Garifullina ist eine junge Sängerin mit offensichtlich sehr guten Nerven, die sich aber auf eine technische perfekte Basis berufen und verlassen kann. Ihre Adina hat Herz, Charme und witzige Spiellaune, der Vortrag der einzelnen Solonummern ist wunderschön, die Stimme ist ein warmer lyrischer Sopran fern jeder soubrettenhaften Piepserei. In den Ensembles ist sie absolut sicher und führend, die beiden Duette mit Nemorino Saimir Pirgu waren ein Genuss. Die Stimme des Tenors ist dieser Rolle schon etwas entwachsen, aber er bemüht sich sehr, die lyrischen Pianophrasen so zu treffen, wie Donizetti es wollte – und es gelingt. Die Abräum-Arie „Una furtiva …“ wurde ganz besonders schön zelebriert. Pirgu ist natürlich auch nicht nur ein fescher junger Mann, sondern auch sehr spielbegabt.

Weniger gut sah es mit den tieferen Stimmen aus. Paolo Rumetz übernahm für den erkrankten Alfred Sramek den Dulcamara und wirkte stimmlich auch nicht gerade gesund. Er spielte aber sehr gut und mit viel Laune an der Komik. Das gilt auch für David Pershall als Belcore. Er „gockelte“ aufreizend um Adina und die restliche Weiberwelt, aber stimmlich war das sicher nicht Belcanto. Die Stimme klang rau und wenig flexibel.

Andrea Caroll sang ihre erste Gianetta und hinterließ einen sehr positiven Eindruck

Der Chor agierte wie immer in den Schenk-Inszenierungen voll Spielfreude und klangschön

Guillermo Garcia Calvo , ein Belcantospezialist am Pult, hatte alles bestens im Griff, alles gelang exakt, gute Tempi und gute „Stimmung“.

Elena Habermann

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