Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: LE NOZZE DI FIGARO – Rollenspiele

WIENER STAATSOPER – „LE NOZZE DI FIGARO“  am 12.9.2017ROLLENSPIELE

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Carlos Álvarez, Dorothea Röschmann. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Im der Aufführungsserie im Mai waren die Rollen des Grafen und Figaro noch genau umgekehrt besetzt. Aber es gibt einige Sänger seit Hermann Prey, die beide Partien drauf haben und auch in Wien gesungen haben. (Den Rekord hält Ildebrando d’Arcangelo, der nicht nur die beiden Partien, sondern auch den Bartolo gesungen hat !) Nun hat der revolutionäre Charakter des Stückes dazu geführt, dass der Graf zum Diener wurde und umgekehrt. Dabei scheint mir diese Besetzung stimmlich die überzeugendere. Carlos Alvarez ist mit seinem etwas helleren, weichen Bariton eine ideale Besetzung für den Grafen und wenn er schließlich sein Contessa, perdono anstimmt, so sind wohl alle versöhnt. Adam Plachetka als Figaro hat ja eher eine dunkel grundierte Stimme, auch wenn an diesem Abend mit der tiefen Lage leichte Probleme hatte. Er ist aber ein überzeugend aufmüfpiger Diener. Seine Susanna, Andrea Caroll, benötigte eine kurze Anlaufzeit, war dann aber eine sehr aktive und überzeugende Drahtzieherin, die ihre Leistung mit einer schönen Rosenarie krönte. Leider kann Dorothea Röschmann da nicht mit. Es gelingt ihr selten, die Gesangsbögen auch zu Ende zu spinnen und rettet sich im Finale des Dove sono in fast veristisch anmutendes Forcieren. Eine echte Bereicherung ist der Cherubin von Margarita Gritskova. Insbesondere das „Voi, che sapete“ gelang ausgezeichnet und den pubertierenden Jüngling spielt sie äußerst glaubwürdig. Auch der Basilio von Pavel Kolgatin ist eine sehr positive Besetzung. Gerade in einer Oper ohne großer Tenorpartie tut es gut, wenn man in einer Nebenpartie auch eine schöne Tenorstimme hört. Als altes Brautpaar sind Ulrike Helzel und Ryan Speedo Green unterwegs, wobei in diesem Fall eindeutig die Marzelline die Hosen anhat. Peter Jelosits spielt den Curzio so intensiv, dass er sogar seine Perücke verliert. Igor Ognishchenko ist ein sehr junger Vater einer hyperaktiven Tochter. Maria Nazarova holt aus der Barbarina, mit der sie vor zwei Jahren am Haus debutiert hat, alles heraus und zieht auch in kleinen Szenen die Aufmerksamkeit auf sich.

Man kann Adam Fischer, der wie immer die Partitur geschlossen vor sich liegen hat, nicht vorwerfen, die Tempi zu verschleppen. Schon bei der Ouverture drückte er ordentlich aufs Tempo und bot insgesamt einen flotten und inspirierten Abend.

Wolfgang Habermann

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