Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: LE NOZZE DI FIGARO – ein Abend der Debüts

WIEN/ Staatsoper:  „LE NOZZE DI FIGARO“ – Ein Abend der Debüts (27.11.2015)

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Aida Garifullina, Alessio Arduini. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 Kein Debüt-Sternchen hinter seinem Namen hatte nur Peter Jelosits als köstlicher  Stotterer Don Curzio:  Das Hausdebüt, verzeichnet mit zwei Zeichen, galt Maria Nazarova, Preisträgerin diverser Wettbewerbe. Diese zeigte sich von ihrer besten Seite als umwerfendes Spieltalent, ohne einen Ton zu singen kann sie bereits die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen. An der Staatsoper ist noch in dieser Saison  einiges mit ihr geplant. Ehe sie ihr Staatsopernengagement antrat,  sang sie noch die Lisa in „La Sonnambula“  in München mit Cover Verpflichtung für die Amina. Sollte man da nicht an eine Wiederaufnahme dieser Oper denken, wenn man so eine Stimme am Haus hat. Die junge russische Sängerin machte ihr Diplom an der Kons.Privat Uni in Wien vor einem halben Jahr. Ihre Auszeichnung erhielt sie für die Gestaltung der Gilda.

Adam Plachetka ist ein Conte d`Almaviva, wie ihn sich wahrscheinlich Baeumarchais wünschte. Nicht mehr der gespielt verträumte Liebhaber von Rosina, sondern ihr Herr. Der sozusagen „auf den Tisch haut“, wenn sich alles gegen ihn verschwört und der doch am Ende Opfer seiner „Untergebenen“ ist. So singt auch Plachetkta mit viel Temprament, lässt seine Gier auf Susanna voll überschäumen und verliert letzten Endes durch die List der Frauen und entschuldigt sich (auf wie lange?) mit einem wunderschönen „Contessa perdono„.

Rosina, la Contessa wurde von Veronique Gens mit wunderschöner dunkler Sopranstimme zelebriert. Schon die erste Arie „Porgi amor“ klang wunderschön, ein Prüfstein für jede Vertreterin diese Fachs, und so steigerte sie sich zu einer wunderbaren Leistung weiter. Ganz besonders war das Duett mit ihrer „Gehilfin“ Susanna, diese war Aida Garifullina, die erstmals ihre  Susanna dem Wiener Publikum erfolgreich vorstellte. Die entzückende Darstellung der sehr resoluten jungen Frau gelang perfekt und auch die nicht so einfache „Rosenarie“ wurde sehr schön gestaltet. Ein wenig Luft nach oben gibt es noch, und das wird sich sicher in den Folgevorstellungen ergeben. Das gilt auch für Alessio Arduini als Figaro. Auch er muss erproben, seine Kräfte für diese Riesenrolle richtig einzuteilen. So klang er vor der Pause etwas verhalten, das soll kein Vorwurf sein, aber nach der Pause lief Alles vom Besten. Die Arien alle wunderschön stilistisch vorgetragen, aber besonders hervorzuheben sind die Gestaltung der Rezitative, diese ernorme Wortdeutlichkeit und es gelang ihm famos, der Rolle den  eigenen Charakter zu geben. Als Cherubino war Elena Maximova als sehr vielseitige Interpretin unterwegs. Schon ein breites Band Eboli – Marfa – Carmen – Cherubino. Sie sang Mozart mit doch einiger Mühe, die Komponisten wie Mussorgski scheinen ihr besser zu liegen, aber dennoch eine gute Leistung und auch sie zauberhaft in der Umsetzung. Das sogenannte „alte Intrigantenpaar“ waren Dan Paul Dumitrescu, als absolut witziger und wunderbar singender Don Bartolo, der noch im Barbiere Apotheker oder Arzt ist, im Haus Almaviva aber eine rasche Umschulung als Jurist machte. Die Arie klang wie immer wunderschön mit dieser Samtstimme, aber es machte auch den Eindruck, das komische oder Basscharakterfach wäre mit diesen Künstler sicher sehr gut bestellt. Dulcamara oder Basilio wären sicher schöne Aufgaben neben seinen anderen Rollen. Ulrike Helzel wirkte figürlich für die Marcellina etwas sehr jung, stimmlich ist noch viel Luft nach oben. Sehr witzig und gesanglich hervorragend Thomas Ebenstein als Don Basilio. Witzig, sehr gut musikalisch  und sehr auffallend in der Darstellung Thomas Walser als geplagter Vater Antonio der Gärtner, der superfrechen Barbarina.

Am Pult wirkte James Gaffigan mit Umsicht für alle Sänger, guten Tempi und sorgte so für musikalisch beste Laune. Der Chor unter Thomas Lang sang und tanzte mit viel Spaß an der Sache. Die Inszenierung gefällt mir persönlich von Abend zu Abend besser.

Die Folgevorstellungen sind alle ausverkauft, aber versuchen sie es trotzdem, es zahlt sich aus.

Elena Habermann

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